Was ist eigentlich aus Ethereum Classic geworden?

Quelle: Ethereum classic (ETC) coins in blurry closeup. New cryptocurrency and modern banking concept. 3D rendering via Shutterstock

Was ist eigentlich aus Ethereum Classic geworden?

Die Kryptoszene ist auch für ihre Schnelllebigkeit bekannt – neue Blockchain-Projekte sprießen wie Pilze aus dem Boden, andere Sterne am Kryptohimmel verglühen genauso schnell, wie sie aufgegangen sind. In unserer Reihe „Was ist eigentlich aus … geworden?“ wollen wir uns in regelmäßigen Abständen mit Projekten befassen, um die es in der letzten Zeit etwas ruhiger geworden ist. Dabei wollen wir ergründen, wie der aktuelle Stand aussieht und ob wir in der Zukunft eventuell wieder mehr zum Thema hören werden.

Den Anfang machen wir mit der Open-Source-Plattform Ethereum Classic.

Ethereum Classic entstand einst aus einer Hard Fork des Ethereum-Netzwerks. Ausgangspunkt des Chain-Splits und damit der Entstehung von Ethereum Classic war der Hack der DAO, der Decentralized Autonomous Organization, im Jahr 2016. Damit entsprang die geforkte Kryptowährung nicht einer übergeordneten Thematik wie einer Skalierungsdebatte, sondern als Reaktion auf ein konkretes Ereignis.

Der DAO-Hack

Die DAO, die Dezentrale Autonome Organisation, war ein komplexer Smart Contract, der auf der Ethereum-Blockchain aufbaute. Um ein Mitspracherecht bei der Konzipierung von dApps oder einen Anteil an durch die Projekte erzielte Gewinne zu haben, muss ein Nutzer „DAO Tokens“ für eine bestimmte Menge Ether kaufen. Das Halten von DAO-Tokens machten den Nutzer zu einem Teil des DAO-Ökosystems, die gezahlten Ether wurden von der DAO gehalten. Diese Ether sollen in Projekte investiert werden können, wobei alle Besitzer von DAO-Tokens über die Verwendung des gespeicherten Ethereums verfügen konnten. In der Hinsicht war die DAO ein dezentraler Venturefonds.

Die gefeierte Organisation fand ihr jähes Ende jedoch im damals größten Hack der Krypto-Geschichte. Angreifer nutzten eine Systemlücke aus und schafften es, etwa ein Drittel der Einlagen der DAO zu entwenden. Dies stürzte die Dezentrale Autonome Organisation in eine Krise, von der sie sich nicht mehr erholen sollte. Zugleich sorgte es für eine heftige Kontroverse in der Ethereum-Community, die mittelbar auch zu der Entstehung von Ethereum Classic führen sollte.

Entstehung und Entwicklung von Ethereum Classic

Verständlicherweise fühlten sich viele DAO-Nutzer, deren Ether entwendet worden waren, vor den Kopf gestoßen. Übergeordnetes Ziel nach dem Hack war es, die gestohlenen Token wieder zu beschaffen. So wurden im Sommer 2016 verschiedene Modelle diskutiert, die es der Ethereum Foundation ermöglichen sollten, die gestohlenen Bestände wieder rückzuführen. Zumindest aber sollte es dem Hacker unmöglich gemacht werden, die Ether zu transferieren oder einzusetzen.

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Die Lösung, auf die man sich schlussendlich einigte, war eine Hard Fork der Ethereum-Blockchain. Der Gedanke war, dass die Ethereum-Blockchain derart manipuliert werden sollte, dass der DAO-Hack ungeschehen gemacht werden würde. Der der DAO zugrunde liegende Smart Contract sollte so vereinfacht werden, dass Investoren nur ihre Ethereum-Bestände wieder aus der DAO zu ziehen brauchten. Der Übergang gestaltete sich jedoch nicht so geschmeidig, wie es von Ethereum vorgesehen war. So behielt eine beachtliche Minderheit der Community das Minen von Blöcken der alten Chain bei und lehnten damit die Änderungen des Updates ab. Die Mitglieder der Community begründeten diesen Schritt mit dem Prinzip der Unveränderlichkeit der Blockchain, das sie nicht aufgeben wollten. Aus der alten Chain entwickelte sich so eine neue Kryptowährung – Ethereum Classic.

Der Hintergrund ist also anders als bei der später erfolgten Hard Fork im Bitcoin-Universe, die gezielt in zwei unterschiedliche Richtungen lief. Beide Ethereum-Blockchains sind sich im Kern noch immer sehr ähnlich und gründen sich vor allem auf ideologischen Unterschieden. So gab es zunächst auch Bedenken, dass beide Blockchains nebeneinander koexistieren könnten.

Und heute?

Stand jetzt lebt die Ethereum-Classic-Community jedoch noch – und das gar nicht mal so schlecht. Ethereum Classic liegt auf Coinmarketcap auf einem ordentlichen siebzehnten Platz und liegt damit in jenem Top-20-Korridor, in den es sich schon seit geraumer Zeit bewegt. Der Coin ist derzeit für knapp 20 Euro zu haben und vereint eine Marktkapitalisierung von beinahe 2 Milliarden Euro auf sich. Ethereum Classic ging die allgemeinen Kursentwicklungen im Januar sowie im März mit und befindet sich entsprechend derzeit wieder in einem zarten Aufwärtstrend. Abgesehen davon ist es jedoch ruhig um den Altcoin geworden. Anders als Ethereum setzt Ethereum Classic weiterhin auf klassisches Mining und wird nicht auf ein System wie Casper umsteigen.

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Am 30. April kam die Beta-Version der Emerald-Wallet heraus. Die Idee hinter dieser Wallet ist, eine Umgebung zu schaffen, in der man Benutzertransaktionen vertrauenswürdig verifiziert kann. Die Abwesenheit einer geeigneten Wallet wurde als das bisherige Haupthindernis für ein weiteres Wachstum Ethereum Classics verantwortlich gemacht. Zudem soll es eine Reihe von Features enthalten, die Ethereum Classic im Smart-Contract-Bereich konkurrenzfähiger machen soll.

Eine ähnliche Motivation steht auch hinter dem bevorstehenden Callisto-Airdrop für Ethereum Classic, der im Verlauf des Mais vonstatten gehen soll. Nach dem Airdrop erhalten alle ETC-Inhaber die gleiche Anzahl an Callisto-Tokens (CLO) – im Verhältnis von 1 zu 1. Callisto soll dagegen angehen, dass Ethereum Classics Smart Contract dauerhaft nicht ausgelastet ist. Zudem sollen ein paar offene Fragen, die noch immer durch den DAO-Hack herumschwirren, beantwortet werden. Viele ETC-Nutzer sind noch immer nicht ganz mit der aktuellen Sicherheitslage bei Ethereum Classic zufrieden.

Auch wenn es aktuell etwas unter dem Radar schwebt, hat Ethereum Classic also vor, in diesem Jahr noch einmal anzugreifen.

BTC-ECHO

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