Warum Stellenanzeigen ein wichtiger Indikator für den Krypto-Markt sind

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Die Kurse am Krypto-Markt fallen, der Bärenmarkt dominiert. Diesem Negativtrend stellt sich die steigende Anzahl an Stellenanzeigen mit Blockchain-Schwerpunkt entgegen. Unternehmen, egal ob Krypto-Unternehmen oder nicht, suchen nach Mitarbeitern mit Blockchain-Kenntnissen. Wie ist dieser Trend zu erklären und was sind die Auswirkungen auf die Kurse am Krypto-Markt?

Der Trend, dass Stellenanzeigen im Blockchain-Bereich trotz sinkender Kurse zunehmen, zeigt, dass die Kurse der Kryptowährungen nur bedingt mit der Blockchain-Adaption korrelieren. So sind laut einer Studie von glassdoor die Stellenanzeigen, in denen die Begriffe „Blockchain“ oder „Krypto“ vorkommen, um mehr als 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Gerade in den letzten Monaten sind es allerdings weniger die ICO-finanzierten Start-ups als vielmehr die etablierten Unternehmen aus der Nicht-Blockchain-Welt, die Blockchain-Spezialisten suchen. Es ist also wichtig zu differenzieren, ob nun „Token-Unternehmen“ Stellen ausschreiben oder DAX-Konzerne, die sich von der Blockchain-Technologie Effizienzsteigerungen erhoffen.

Es fließt mehr Gehirnschmalz in private Blockchain-Lösungen

Während Krypto-Start-ups innerhalb weniger Wochen aus dem Boden gestampft worden sind, ist die Innovationsgeschwindigkeit bei großen Unternehmen um einiges langsamer. Als letztes Jahr einige Jobs im Krypto-Start-up-Bereich entstanden sind, waren die Konzerne eher zurückhaltend und hatten nur vereinzelt Stellen mit Blockchainbezug ausgeschrieben. Dieses Verhältnis scheint sich mit Blick auf die Jobbörsen immer stärker zu ändern, immer mehr große Markennamen entdeckt man in den Joblistings. Das bedeutet, dass vor allem private Blockchain-Lösungen davon profitieren dürften. Weniger Dezentralität, keine Token und mehr zentrale Kontrolle sowie Skalierung sind die Eigenschaften, die von den Unternehmen nachgefragt werden. Das Ideal der Bitcoin Blockchain wird von IBM & Co. nach Gusto filetiert und an die Unternehmensanforderungen zurechtgestutzt.

Auf den ersten Blick nützt diese Entwicklung der Token Economy nicht wirklich, ganz im Gegenteil: Die höhere Benutzerfreundlichkeit und Skalierung macht private Blockchain-Lösungen gegenüber wirklich dezentralen Token-Projekten gerade im B2B-Bereich besonders attraktiv. Anders sieht es hingegen auf den zweiten Blick aus. Langfristig können auch Konzern-Blockchain-Lösungen für die Token Economy förderlich sein. Sei es durch Konzernkooperationen (z. B. Bosch mit IOTA oder SAP und Modum) oder ein höherer Grad an Blockchain-Sozialisierung als Voraussetzung für eine dezentralere Organisation. Insofern können die privaten Blockchain-Lösungen auch als Zwischenschritt bzw. Übergangslösung zu dezentraleren Blockchain-Konzepten gesehen werden, die letztendlich wieder handelbare Token ins Spiel bringen und Kapital in den Krypto-Markt bringen.

Stellenanzeigen gerade bei großen Krypto-Anbietern

Die Aufholjagd der privaten Konzern-Blockchains bedeutet allerdings nicht, dass es nicht auch bei Unternehmen mit klarem Tokenbezug einige Stellenausschreibungen gibt. Nimmt man wieder die Studie von glassdoor zur Hand, so belegt IBM hinsichtlich Blockchain-Stellenausschreibungen zwar den ersten Platz. An zweiter und dritter Stelle folgen jedoch Unternehmen, die aus dem Krypto-Ökosystem heraus entstanden sind: der Ethereum-Ökosystem-Builder ConsenSys und die amerikanische Krypto-Börse Coinbase.

Es gibt also nach wie vor freie Stellen bei den reinen Krypto-Unternehmen. Allerdings geht der Trend wieder mehr in Richtung Technologie anstatt Marketing. Während des ICO-Booms wurden unzählige Marketingstellen geschaffen, um erfolgreich die Werbetrommel zu rühren. Zwar müssen Blockchain-Unternehmen nach wie vor auf sich aufmerksam machen, allerdings hat bei substanziellen Blockchain-Unternehmen die ICO-Resignation dazu geführt, wieder mehr auf den Inhalt als auf die Verpackung zu achten. Ein schönes Marketingkonzept reicht im Gegensatz zu 2017 nicht mehr aus, um die Investoren zu überzeugen. Wer heute frisches Kapital bekommen möchte, muss einen technologischen Mehrwert aufzeigen können. Entsprechend sind die meisten ausgeschriebenen Stellen im IT-Bereich anzusiedeln.

Der Krypto-Markt als Profiteur

Dieser Wandel ist auch für den Krypto-Markt gut. Während Marketing kurzfristig – wenn auch ohne fundamentale Begründung – die Kurse nach oben pushen kann, kann technologische Innovation zu langfristig und fundamental gerechtfertigten Kurswachstum führen. Je mehr Techies in der Krypto-Szene arbeiten, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, Token-Projekte mit Mehrwert zu sehen. Wir können also festhalten: So verzweifelt manche Krypto-Investoren sein mögen, sind die steigenden Stellenanzeigen als klar bullishes Signal zu werten. Der Nachteil allerdings ist, dass echte Innovationen Zeit brauchen. Der kurzfristige Einfluss auf den Krypto-Markt geht gen Null – gut Ding will Weile haben.

Wer selbst auf der Suche nach einem Job im Blockchain-Umfeld ist, der sollte einen Blick auf unsere Jobbörse werfen.


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