Universität Katar: Umweltbelastung des Bitcoin fordert staatliches Eingreifen

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 4 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Quelle: PR/Universität Katar

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Bereits seit langem halten sich Diskussionen um die Umweltbelastung und Nachhaltigkeit des Bitcoin. Ein wissenschaftlicher Artikel der Universität Katar kommt nun zu dem Schluss, dass aufgrund des hohen Energiekonsums staatliches Eingreifen zukünftig notwendig sei. So könnten entsprechende Steuern dessen Nachfrage senken. Zudem brauche es Anreize für alternative Blockchain-Technologien und neue Konsens-Modi. Während diese immer mehr Anwendung finden, unterstreicht der Verband Forschungsstelle für Energiewirtschaft, das Energieproblem der Blockchain sei „lösbar“.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tobias Schmidt

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Der wachsende Energiebedarf im Kryptosektor gefährdet die Umwelt und das nachhaltige Überleben auf Erden.  Dies ist die Grundlage, auf der Jon Truby, Wissenschaftler der Qatar University, in seiner jüngsten Forschung argumentiert. Seine These: Indem der Bitcoin jährlich riesige Mengen Energie konsumiert, untergräbt er die weltweiten Anstrengungen gegen den Klimawandel und das Pariser Klimaabakommen. Dies überschatte die Vorteile der Blockchain.

„Die riesigen Vertrauensvorteile für die Sicherheit von Transaktionen werden von ihrem absichtlichen Ressourcen-intensiven Design des Bitcoin in den Schatten gestellt. Diese Verifzierungsprozesse bedrohen nun das Klima, auf das wir für unser Überleben angewiesen sind.“

Staatliche Antwort: Nachfrage begrenzen


So brauche es staatliches Eingreifen und steuerliche Ausgleiche, um Alternativen zu fördern und die Nachfrage nach Bitcoin zu schmälern.

„[…] Die Anwendungen der Technologie (wie digitale Währungen oder Smart Contracts) können gezielt ins Visier genommen werden, um die Nachfrage gegenüber der Entwicklung und Nutzung besonders Energie-aufwändiger Technologien zu begrenzen und nachhaltige Alternativen voran zu treiben“,

ist sich der Rechtswissenschaftler sicher.

Gangbare Gesetzesoptionen stellen nach Ansicht Trubys möglichst international koordinierte Steuern auf Schürfprozesse, Transkationen oder den Besitz von Bitcoin dar.

Im März hatten die Minister der G20 bereits beschlossen, entsprechende gemeinsame Steuerstandards auf den Weg zu bringen. Ihr Fokus dabei liegt jedoch vielmehr auf der Vermeidung von Geldwäsche und der kriminellen Nutzung von Kryptowährungen – nicht deren Besitz und Nutzung per se.

Damit bestehen Anknüpfungspunkte steuerlicher Handhabe des Bitcoins zwar bereits. Ob sich entsprechende umweltzentrierte Vorstöße wie von Truby ins Spiel gebracht jedoch baldig in die Tat umsetzen, ist besonders im Licht der zögerlichen Klimaschutzes als fraglich.

Mining: Das umstrittene Geschäft mit der Rechnerleistung

Wurzel der Diskussion und Grund des hohen Energieverbrauchs sind die Kosten des sogenannten Mining. Damit bezeichnet man den Schürfprozess neuer Bitcoins  zur Bestätigung von Blockchain-Transaktionen. Hierbei wird für die Lösung kryptographischer Puzzles, dem sogenannten Proof-of-Work-Mechanismus, enorme Rechnerleistung benötigt. Diese frisst wiederum Strom.

Zwar sind solche Sorgen um die energetische Nachhaltigkeit der Leit-Kryptowährung bereits ein alter Hut, dass diese so schnell nicht abebben werden, zeigt der Blick auf den Bitcoin Energy Consumption Index. Laut diesem nutzt  der Krypto-Platzhirsch weltweit jährlich derzeit so viel Energie wie Österreich – Tendenz steigend.

Allein um einen einzigen Bitcoin zu schürfen, wird derzeit bis zu 1.500 Euro Strom aufgewendet. Damit kostet die Produktion eines einzigen Coins rund ein Viertel seines derzeitigen Handelswertes und so viel, wie ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt jährlich für Strom ausgibt.

„Wenn der Bitcoin-Energieverbrauch weiterhin so stark ansteigt, wie er es heute tut, wird er nicht zukunftsfähig sein. Langfristig müssen sich Miner deshalb nach Möglichkeiten umsehen, um den Stromverbrauch zu senken“,

prognostiziert deshalb Alex de Vries, Blockchain-Experte des Beratungsunternehmens PwC.

Umweltbelastung im Kryptosektor scheint lösbar

Dass ein solches wie auch von Trudy gefordertes Umdenken bereits einsetzt, offenbart der Blick auf die Mining-Branche. So zieht es immer mehr Schürfer in den europäischen Norden, wo günstige Strompreise, geringe Temperaturen für die Serverkühlung und niedrige Steuern locken. Oftmals wird zudem argumentiert, der Bitcoin-Verbrauch inspiriere neue Innovationen und feuere so die Energiewende und den Umweltschutz an.

Da eine globale Massenanwendung des Bitcoin nicht nur ökologisch teuer, sondern mit Blick auf den Stromkonsum ökonomisch eventuell gar nicht machbar scheint, nehmen derzeit immer mehr Blockchain-Entwickler Abstand vom traditionellen Proof-of-Work-Mechanismen und setzen auf alternative Bestätigungsmodi und Konsens-Systeme, die weniger Strom verbrauchen.

So kommt die Forschungsstelle für Energiewirtschaft im Gespräch mit BTC-ECHO in dieser Woche zu dem Schluss:

„Das Problem des hohen Energieverbrauchs [ist] je nach Blockchain-Ausgestaltung und Anwendungsfall […] lösbar.“

Und auch Jon Truby glaubt an die Potentiale der Blockchain für die Zukunft:

„Die Möglichkeiten der Blockchain sind endlos und deren Anreize können helfen, eine Vielzahl von Herausforderungen des Klimawandels zu lösen. Ein Beispiel hierfür ist die Entwicklung digitaler Währungen zur Finanzierung von Klimaschutzprogrammen.“

Während die Konsequenzen des Klimawandels dieser Tage greifbarer denn je scheinen, sei der Kampf von Kryptowährungen im Umweltschutz damit nicht verloren. Ihn zu gewinnen, scheint der Bitcoin jedoch der falsche Kandidat.

BTC-ECHO


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