Über den Wolken: Hahn Air verkündet Blockchain-Jungfernflug

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Der deutschen Charter Airline Hahn Air ist nach eigenen Angaben eine Weltpremiere geglückt. In einem Testlauf gelang der Fluggesellschaft die erste mithilfe von Blockchain-Technologie verwaltete Flugreise. Dabei wurden Angebot, Reservierung und Bezahlung der Tickets vollständig mithilfe der Open-Source-Plattform des Schweizer Blockchain-Start-ups Winding Tree abgewickelt.

Mit einer Flotte von drei Maschinen und knapp 300 Mitarbeitern zählt Hahn Air zu den Zwergen am hart umkämpften Flugmarkt. Dass dies jedoch kein Hindernis sein muss, sondern zu großen, bisher auch von Branchenriesen unerreichten Vorstößen befähigen kann, zeigt die Fluggesellschaft in dieser Woche.


Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung am Montag, dem 18. November, verkündet, gelang Hahn Air als weltweit erster Airline die Beförderung von Passagieren mithilfe von Blockchain-Tickets. Unterstützung bekam die Fluglinie hierbei vom Blockchain-Start-up Winding Tree.

Auf der Open-Source-Plattform der Schweizer wurden bei einem Flug von Düsseldorf nach Luxemburg vom Angebot über die Reservierung bis hin zur Bezahlung sämtliche Schritte der Ticket-Verwaltung mithilfe von Blockchain-Technologie abgewickelt.

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Nach Ansicht der Partner konnte der Pilotversuch die zahlreichen Vorzüge der Technologie beweisen. Dabei soll ein transparenter, für alle Beteiligten einsehbarer Datenaustausch vor allem für Kosteneinsparungen und Sicherheit sorgen. So könnten Blockchain-Lösungen Mittelsmänner wie Reisebüros, Booking-Agenturen oder Websites ausgliedern und damit den Organisationsaufwand zurückschrauben. Dank der dezentral unveränderlichen Lagerung sämtlicher Daten wiederum bestünde kein Manipulationsrisiko.

Frederick Nowotny, Leiter des Bereichs Verkaufstechnik bei Hahn Air, ist überzeugt von dem gemeinsamen Pilotprojekt:

Wir sind stolz, unsere technische Fähigkeit zur Ausgabe von Hahn Air-Tickets mit Blockchain-Antrieb unter Beweis stellen zu können. […] Unser Ziel ist es, die Chancen dieser Technologie für den Reisevertrieb zu untersuchen, auch wenn die breite Akzeptanz weiterhin eine Vision für die Zukunft bleibt.

Ob und unter welchen Voraussetzungen die Blockchain-Plattform in Zukunft dauerhaft eingesetzt werden könnte, lässt das Unternehmen bisweilen offen.

Derweil wollen Anbieter anderer Wirtschaftssparten wie etwa im Konzert- und Veranstaltungsbereich beim Ticket-Verkauf bereits voll auf die Technologieversprechen setzen. Gehen etwa die Pläne des Veranstaltungsriesen Shubert Organization auf, könnten künftig sämtliche Tickets der New Yorker Broadway Musicals mithilfe von Blockchain-Technologie abgesichert werden. Damit will man vor allem Fälschern das Handwerk legen.

Flugindustrie hat Blockchain im Visier

Auch in der Flugindustrie ist Hahn Air längst nicht das erste Unternehmen, das sein Auge auf die Vorzüge der Blockchain wirft. Bei der Entwicklung der Technologien kann dabei die russische Airline S7 ebenfalls erste Ergebnisse vorweisen. Berichten zufolge gelang es der Fluggesellschaft bereits 2017, Ticket-Verkäufe über Ethereum Blockchains abzuwickeln. Gemeinsam mit dem Ölkonzern Gazprom wiederum veröffentlichte die Airline im vergangenen Jahr die „Aviation Fuel Smart Contracts (AFSC)“. Diese sollen helfen, Flugzeuge schneller und effizienter zu betanken.

Beobachtern zufolge ist das Potential der Technologieanwendung damit jedoch längst nicht ausgeschöpft. Nach Ansicht der Tech-Berater Accenture etwa könnte die Blockchain den Fluggesellschaften künftig unter anderem bei der Instandhaltung von Flugzeugen unter die Arme greifen und dabei etwa die Lieferketten von Ersatzteilen absichern. Darüber hinaus prognostizieren sie einen breiten Anwendungskatalog für die Zukunft der gesamten Flug- und Reisebranche.

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