Gary Gensler

Wer ist Gary Gensler?

  Person

Gary Gensler war von April 2021 bis Januar 2025 Vorsitzender der US-Wertpapieraufsicht SEC. In seiner Amtszeit verfolgte er einen besonders konfrontativen Regulierungsansatz gegenüber der Krypto-Industrie und klagte gegen einige der größten Kryptobörsen der Welt. Er trat am 20. Januar 2025 zurück, dem Tag von Donald Trumps zweiter Amtseinführung.

Vollständiger Name
Gary Gensler
Geboren
18. Oktober 1957, Baltimore, Maryland, USA
Ausbildung
Universität Pennsylvania (Wharton School), Abschluss 1978
Funktion
SEC-Vorsitzender (April 2021 – Januar 2025)
Davor
Goldman Sachs (1979–1997), CFTC-Vorsitzender (2009–2014), MIT Sloan
Nachfolger
Paul Atkins (bestätigt April 2025)

Weiterführende Lektüre

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Werdegang

  • 18. Oktober 1957: Geboren in Baltimore, Maryland, USA
  • 1978: Abschluss an der Wharton School der University of Pennsylvania
  • 1979–1997: Karriere bei Goldman Sachs; zuletzt Co-Head of Finance und Co-Head of Risk Arbitrage
  • 1997–2001: Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium unter Präsident Clinton; beteiligt an Regulierung von Derivatemärkten
  • 2009–2014: Vorsitzender der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) unter Präsident Obama; trieb strengere Derivate-Regulierung nach der Finanzkrise 2008 voran
  • 2014–2021: Senior Fellow am MIT Media Lab; lehrte Blockchain, Fintech und öffentliche Politik am MIT Sloan School of Management
  • April 2021: Vom US-Senat als Vorsitzender der Securities and Exchange Commission (SEC) bestätigt
  • Januar 2024: SEC unter Gensler genehmigt erste Bitcoin-Spot-ETFs in den USA
  • 20. Januar 2025: Rücktritt als SEC-Vorsitzender am Tag von Trumps Amtseinführung

Gensler und die SEC-Krypto-Politik

Gensler trat sein Amt mit einem klaren Standpunkt an: Viele Kryptowährungen könnten nach bestehendem US-Recht als Wertpapiere eingestuft werden und wären damit der Aufsicht der SEC unterworfen. Krypto-Plattformen, die Token handeln, die als Securities eingestuft werden könnten, müssten sich bei der Behörde registrieren lassen. Diese Position fasste er in dem oft zitierten Satz zusammen: “The law is clear.”

Kritiker aus der Krypto-Industrie warfen Gensler einen Ansatz der “Regulation by Enforcement” vor: Statt klare Regeln für die Branche zu formulieren, setzte die SEC unter seiner Führung auf Klagen und Durchsetzungsmaßnahmen. Befürworter hielten dagegen, dass der Kongress seiner Pflicht zur Schaffung eines Krypto-Regulierungsrahmens nicht nachgekommen sei und die SEC auf Basis bestehender Gesetze handeln müsse.

Wichtige Krypto-Verfahren

Unter Gensler leitete die SEC eine Reihe von Verfahren gegen führende Krypto-Unternehmen ein. Im Februar 2023 wurde Kraken verpflichtet, sein US-Staking-Programm einzustellen und 30 Mio. US-Dollar Strafe zu zahlen. Im Juni 2023 klagte die SEC gleichzeitig gegen Binance und Coinbase wegen des Betriebs als unregistrierte Wertpapierbörsen. Die Klage gegen Ripple wegen des XRP-Tokens wurde 2020 vom Vorgänger eingereicht und unter Gensler fortgeführt.

Einen empfindlichen Rückschlag erlitt die SEC im August 2023: Das US-Berufungsgericht für den DC Circuit urteilte, die Ablehnung von Grayscales Bitcoin-ETF-Antrag sei “willkürlich und eigenmächtig” gewesen. Dieses Urteil zwang die SEC zur Neubewertung. Am 10. Januar 2024 genehmigte Genslers SEC elf Bitcoin-Spot-ETFs gleichzeitig. Kurz nach dem FTX-Kollaps im November 2022 wurde die SEC zudem dafür kritisiert, den Betrug nicht früher erkannt zu haben, obwohl Gensler persönliche Treffen mit SBF abgehalten hatte.

Rücktritt und Erbe

Gensler trat am 20. Januar 2025 zurück, dem Tag der Amtseinführung von Donald Trump. Damit endete eine Amtszeit, die die Krypto-Industrie wie keine andere SEC-Führung zuvor geprägt hatte. Paul Atkins, der im April 2025 als neuer SEC-Vorsitzender bestätigt wurde, leitete umgehend eine Neubewertung laufender Krypto-Verfahren ein. Mehrere unter Gensler gestartete Klagen wurden pausiert, neu bewertet oder teilweise eingestellt.

Genslers Erbe ist umstritten. Befürworter sehen in seiner Amtszeit einen konsequenten Versuch, bestehende Anlegerschutzgesetze auf neue Technologien anzuwenden. Kritiker halten die zahlreichen Klagen für eine regulatorische Überreaktion, die Innovation in den USA erschwert und Unternehmen zur Verlagerung ins Ausland bewogen habe. Sein MIT-Kurs über Blockchain-Technologie gilt als Beleg, dass er die Technik verstand, sie dennoch streng regulieren wollte.

Häufige Fragen zu Gary Gensler

Wer ist Gary Gensler?

Gary Gensler war von April 2021 bis Januar 2025 Vorsitzender der US-Wertpapieraufsicht SEC. Davor arbeitete er 18 Jahre bei Goldman Sachs und leitete die CFTC unter Obama. Am MIT lehrte er Blockchain und Fintech. Seine Amtszeit als SEC-Chef ist vor allem durch konfrontative Klagen gegen Krypto-Unternehmen in Erinnerung geblieben.

Warum war Gensler bei der Krypto-Branche so umstritten?

Gensler vertrat die Position, dass viele Kryptowährungen nach US-Recht als Wertpapiere eingestuft werden könnten und sich die dazugehörigen Plattformen bei der SEC registrieren müssen. Statt klare Regeln zu formulieren, setzte er auf Klagen. Kritiker sahen darin einen Ansatz der “Regulation by Enforcement”, der Rechtsunsicherheit schuf und Innovation in den USA erschwerte und Unternehmen zur Verlagerung ins Ausland bewegte.

Was verstand Gensler unter “Krypto als Wertpapier”?

Gensler wandte den Howey-Test an, den US-Standard zur Prüfung, ob ein Vermögenswert ein Wertpapier ist. Demnach seien viele Token, die mit der Erwartung auf Gewinn durch die Arbeit Dritter erworben werden, als Securities einzustufen. Bitcoin betrachtete Gensler wiederholt nicht als Wertpapier, da kein zentrales Unternehmen dahinter steht.

Welche Krypto-Unternehmen klagte die SEC unter Gensler an?

Unter Gensler leitete die SEC Verfahren gegen Kraken (Staking-Programm, Feb. 2023), Binance (unregistrierte Wertpapierbörse, Juni 2023), Coinbase (unregistrierte Wertpapierbörse, Juni 2023) und zahlreiche weitere Krypto-Projekte ein. Der Ripple-Prozess wurde unter seinem Vorgänger begonnen und unter Gensler fortgeführt.

Warum genehmigte die SEC unter Gensler dennoch Bitcoin-ETFs?

Im August 2023 verlor die SEC einen Rechtsstreit gegen Grayscale: Das Berufungsgericht urteilte, die wiederholte Ablehnung von Grayscales Bitcoin-ETF-Antrag sei rechtswidrig. Dieses Urteil zwang die SEC zur Neubewertung ihrer Ablehnungspraxis. Am 10. Januar 2024 ließ Genslers SEC elf Bitcoin-Spot-ETFs gleichzeitig zu.

Wann und warum trat Gensler zurück?

Gary Gensler trat am 20. Januar 2025 zurück, dem Tag der Amtseinführung von Donald Trump. Ein freiwilliger Rücktritt vor dem Amtsantritt des neuen Präsidenten war angesichts der klaren Differenzen in der Krypto-Politik erwartet worden. Als Nachfolger nominierte Trump Paul Atkins, der im April 2025 vom Senat bestätigt wurde.

Was lehrte Gensler am MIT?

Gary Gensler lehrte von 2018 bis zu seiner SEC-Nomination am MIT Sloan School of Management. Sein Kurs “Blockchain and Money” behandelte die technischen Grundlagen von Blockchain-Technologie, Kryptowährungen und deren regulatorische Implikationen. Aufzeichnungen des Kurses sind öffentlich zugänglich und zeigen seine intensive Beschäftigung mit Blockchain-Technologie.

Was änderte sich mit Paul Atkins als Genslers Nachfolger?

Paul Atkins gilt als deutlich kryptofreundlicher als sein Vorgänger. Nach seiner Bestätigung im April 2025 leitete er eine Neubewertung laufender Krypto-Verfahren ein. Mehrere unter Gensler gestartete Klagen wurden pausiert, neu bewertet oder teilweise eingestellt. Die SEC unter Atkins signalisiert eine stärker auf Dialog und klare Regelgebung ausgerichtete Krypto-Politik.