De-Dezentralität Stahl statt Bitcoin: Chinas Nutzen der Blockchain-Technologie

Moritz Draht

von Moritz Draht

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Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

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Chinas größter Handelsverband für Metalle entwickelt eine Lieferketten-Blockchain für die landeseigene Stahlindustrie und formt somit das nächste Puzzlestück in der DLT-basierten Vernetzung ganzer Wirtschaftszweige.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 4. Juni 2020 07:06 Uhr von Moritz Draht

Im globalen Vergleich etabliert sich China in puncto Blockchain-Technologie an vorderster Spitze. Kaum ein anderes Land vermag aktuell die Potenziale der Technologie derart auszuschöpfen wie das Reich der Mitte. Der nächste Anwendungsfall stammt aus der heimischen Stahlindustrie.

Die Zeiten, in denen die Stahlproduktion eine Domäne der Deutschen war, liegen weit zurück. Die Konkurrenz aus Fernost hat Deutschland schon lange den Rang abgelaufen. Im internationalen Vergleich ist China mit Abstand der größte Lieferant und Abnehmer. Allein im April entfielen 85 Millionen Tonnen der weltweit produzierten 137,1 Millionen Tonnen Rohstahl auf das Land – ein Anteil von knapp 62 Prozent. Zudem befinden sich 28 der 50 größten Stahlkonzerne in chinesischer Hand.

Angesichts des damit verbundenen Verwaltungsakts – von der Herstellung bis zur Auslieferung – erklärt sich die Entwicklung des geplanten Blockchain-Netzwerks der China National Association of Metal Material Trade. Wie Chen Leiming, stellvertretender Vorsitzender und Generalsekretär der Organisation, gegenüber Huoxon erklärt, könne eine DLT-Plattform den bürokratischen Aufwand minimieren bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung des Warenverkehrs.

Die Blockchain-Technologie kann in der gesamten Verbindung der Stahlindustrie eine Rolle spielen, wie zum Beispiel bei der Rohstoffbeschaffung, der Produktion und Verarbeitung, dem Handelsverkehr, der Logistik und dem Transport, der Verarbeitung und dem Vertrieb bis hin zum Terminal-Link,


so Leiming. Geplant sei daher eine KI-basierte und interoperable Konsortiums-Blockchain mit IoT-Anwendungen, über die sich die verschiedenen Wirtschaftszweige der Stahlindustrie vernetzen. Laut Leiming ermögliche die Blockchain die Rückverfolgbarkeit von Stahl von der Mine bis zum fertigen Produkt einschließlich Lagerung, Handel, Verarbeitung und Logistik. Zudem ließen sich auf Grundlage einer einheitlichen Plattform Betrugsrisiken verringern.

Das Projekt wird unter anderem von Baosteel, Wuhan Iron and Steel, Anshan Iron and Steel und weiteren Unternehmen unterstützt. Außerdem sind das chinesische Eisenbahnministerium, die chinesische Bauabteilung sowie einige Bau- und Automobilunternehmen an der Entwicklung beteiligt.

China im Blockchain-Wahn

Das rege Interesse Chinas an der Blockchain-Technologie setzt sich aus unterschiedlichen Motiven zusammen. Mit dem Blockchain-based Service Network hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ein Netzwerk geschaffen, das verschiedene Unternehmen an eine Plattform andockt. Ein Segen für die Wirtschaft, könnte man meinen. Schließlich können Unternehmen effizienter Dienstleistungen tauschen und der Staat somit Wertschöpfungsketten delegieren, aber auch und vor allem: kontrollieren.

Denn so sehr die Technologie auch ihre Früchte in Wirtschaft und Industrie trägt: Sie dient den chinesischen Führungskräften vor allem als verlängerter Arm staatlicher Kontrolle. Insbesondere wenn die digitale Zentralbankwährung schlussendlich ihren Weg in die Wallets der Bevölkerung finden sollte, lassen sich Bürger noch mehr als zuvor durchleuchten – Von Dezentralität keine Spur. Im Gegenteil: Das Blockchain-Ideal invertiert geradewegs zum Gegenteil und die dahinter steckende Technologie zum Instrument staatlicher Unterdrückung.


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