ICO-Blase 2.0? So lange geht es noch gut: Die DeFi-Blase unter der Lupe

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 7 Minuten

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Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Seifenblase

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Einige Nutzer fahren im DeFi-Ökosystem enorme Spekulationsgewinne ein. Doch wie lange kann der Kapitalstrom im DeFi-Ökosystem noch aufrechterhalten werden? Wer die aktuellen DeFi-Spekulanten sind, warum sich DeFi gegenwärtig in einem Wertschöpfungsdilemma befindet und wann ein Platzen der Blase droht.

Der Hype um dezentrale Finanzanwendungen, kurz DeFi, steigert sich von Woche zu Woche. Dass es sich bei den Milliarden, die in das DeFi-Ökosystem oder genauer gesagt in die Blockchain-Protokolle fließen, nicht um nachhaltiges Wachstum handelt, bestreitet kaum jemand. Waren es im Juni dieses Jahres gerade einmal 1 Milliarde US-Dollar, die in DeFi-Protokollen gebunden waren – man spricht hier von Total Value Locked (TVL) – so sind es nur wenige Monate später schon über 10 Milliarden US-Dollar. Dass dieses Wachstum nicht ohne Konsequenzen bleibt, war vorherzusehen. Anfang September ist es nun zu einem ersten Knick gekommen, sodass wir aktuell bei rund 7,6 Milliarden US-Dollar TVL stehen.

Ethereum erlebt zweiten Frühling – Wolkenbruch inklusive

Die ICO-Welle in 2017 hat den Ether-Kurs in die Höhe schießen lassen. Schließlich bauten die meisten ICOs auf dem Ethereum–Token-Standard ERC-20 auf. Gleichermaßen schossen aber auch die Transaktionskosten in die Höhe. Das Ethereum-Netzwerk war damals vollkommen ausgelastet und konnte nicht gleichermaßen hochskalieren. Überweisungen mit Kryptowährungen konnten damit horrende Kosten und lange Wartezeiten verursachen.

Das Spiel scheint sich nun gleichermaßen zu wiederholen. Nicht ICOs, sondern DeFi-Anwendungen sind es diesmal, die die Ethereum Blockchain in die Knie zwingen. So konnte sich der Ether-Kurs seit Juni ungefähr verdoppeln. Allerdings erreichen auch die Transaktionskosten inzwischen ungeahnte Höhen, sodass sich immer mehr Nutzer im Netz über die mangelnde Skalierung beschweren. Wenn man für eine 1.000 US-Dollar-Transaktion umgerechnet 100 US-Dollar an Gas-Kosten hat, dann ist das alles andere als nachhaltig. Entsprechend kommt hier auch das Ethereum-Entwicklerteam unter Druck, schneller an den anvisierten Skalierungslösungen zu arbeiten.

Wer sind die DeFi-Spekulanten?

Im Vergleich zu ICOs sind DeFi-Anwendungen durchaus komplexer und erfordern mehr Krypto-Kompetenz. Beispielsweise erlaubt einem das so genannte Yield Farming viel mehr Steuerungsmöglichkeiten als dies bei ICOs der Fall war. Bei DeFi geht es um viel mehr als nur Bitcoin oder Ether an eine Adresse zu senden und zu hoffen, dass die erhaltenen Token im Kurs steigen. DeFi umfasst eine ganze Palette an Finanzanwendungen, wobei Krypto-Kredite (Crypto Lending) und dezentrale Börsen (DEXes) im Mittelpunkt stehen und verlockende Renditen bieten. Entsprechend verteilt sich ein Gros des TVL auf Lending Protokolle wie Aave, Compound sowie Maker oder die DEXes Uniswap und Curve Finance.

Theoretisch dürfte dies viele, weniger erfahrende Personen davon abhalten, bei der Blase mitzumachen. Schließlich ist das Thema immer noch recht unbekannt und die technischen Hürden nicht gerade gering. Laut Daten der Analysefirma Dune sollen bislang nicht mehr als 400.000 Menschen aktiv im DeFi-Sektor unterwegs gewesen sein. Auf der anderen Seite zeigen die geringen DeFi-Nutzerzahlen, dass noch sehr viel Luft nach oben für das so genannte „Stupid Money“ ist. Folglich kann die DeFi-Kapitalisierung noch massiv in den nächsten Monaten ansteigen. Voraussetzung dafür ist, dass der Zugang zu den DeFi-Anwendungen erleichtert und der Bekanntheitsgrad erhöht wird.

DeFi: Ein gefährliches Buzzword

Korrespondierend dazu drängen immer mehr halbgare Projekte auf den Markt. Einige davon werden schlichtweg als offensichtlicher Betrug respektive Schneeballsystem entstehen und andere wiederum als naiver Versuch, innerhalb weniger Wochen ein stabil laufendes und wirklich dezentrales Protokoll auf die Beine zu stellen. Die aktuelle Möglichkeit, schnell Geld zu machen, steht einer Produktreife eher im Wege.

Wie fehlerhaft und unreif viele der DeFi-Protokolle sind, zeigen zum Beispiel Yam oder aktuell SushiSwap, die innerhalb von wenigen Tagen unzählige Millionen an Kapital für ihre Anwendung gewinnen konnten, um dann genauso schnell wieder zusammenzubrechen.

Spekulation ja, Investment nein

Letztlich muss jedes Investment einen langfristigen Nutzen ergeben respektive eine Wertschöpfung zur Folge haben, um bestehen zu können. Beim Kauf einer Aktie hilft man einem Unternehmen sich zu finanzieren und dadurch Investitionen zu tätigen. Diese können wiederum die Wertschöpfung in der Realwirtschaft erhöhen. Bei Bitcoin oder Gold hat man einen Wertspeicher, der das eigene Vermögen schützt.

Doch was ist bei DeFi der aktuelle Nutzen? Nur die Spekulation an sich, genau wie bei den ICOs von denen nur die allerwenigsten bis heute Bestand haben. Niemand finanziert über einen dezentralen Kredit einen realwirtschaftlichen Nutzungsgegenstand oder eine Unternehmung. In Zukunft mag sich das ändern, aber gegenwärtig ist dies schlichtweg nicht der Fall.

Woher kommt das Geld für die „Jetons“?

Dennoch findet eine private Geldschöpfung wie im Bankensystem statt. Schließlich sind Zinszahlungen für die DeFi-Kredite notwendig. Dieses Kapital muss, wenn man das gesamte Ökosystem betrachtet, von außen zugeführt werden. Die Zinskomponente führt im DeFi-Sektor dazu, dass bei Versiegung der Kapitalströme von außen, das DeFi-Kartenhaus zusammenbricht. Zumal es wie bereits erwähnt viele andere Risiken gibt, sei es das Smart-Contract-Risiko oder das Kursänderungsrisiko der hinterlegten Token.

Losgelöst von dem Zinsaspekt ist das in etwa mit einem Casinobesuch vergleichbar, bei dem man 100 Euro in Jetons umwechselt, um Roulette zu spielen. Im Casino findet keine Wertschöpfung, sondern lediglich eine Umverteilung des eingebrachten Kapitals statt.

Shitcoins coming home

Verstärkt wird die Blase durch das „Verfeuern“ von so genannten Shitcoins. Konkret geht es dabei um Token von gescheiterten Blockchain-Projekten, die noch in den Wallets vieler Krypto-Enthusiasten ein nutzloses Dasein fristen. Durch DeFi schafft man nun wieder einen Anwendungsfall für diese Token, indem sie durch die Nutzung innerhalb der DeFi-Anwendungen wieder einen vermeintlichen Sinn bekommen.

Indem man diese gescheiterten Token also wieder „aufwärmt“, pumpt man weitere heiße Luft in das Ökosystem. Die Folge ist eine Destabiliserung des DeFi-Marktes. Das Prinzip ist dabei vergleichbar mit einer Schuldverschreibung, dessen Ausfallwahrscheinlichkeit steigt, wenn die Deckung durch den Basiswert in ihrer Qualität respektive Bonität abnimmt.

Die DeFi-Blase ist gut

So chaotisch und substanzlos vieles im DeFi-Sektor ist, ist dies eine vollkommen normale Entwicklung, die man nur schwer einfach überspringen kann. Wer sich dem bewusst ist, kann nicht nur gegenwärtig hohe Gewinne einfahren – smarte Investoren, die die DeFi-Mechanismen verstanden haben, können sehr schnell sehr viel Geld erwirtschaften – sondern sich auf eine Finanzrevolution freuen. Man muss sich nur im Klaren sein, dass das Kartenhaus jederzeit einstürzen und jedes DeFi-Protokoll implodieren kann.

Die Dezentralisierung unseres Finanzsektors ist als Strukturwandel zu verstehen, der nicht auf ein bis zwei, sondern eher ein bis zwei Jahrzehnte ausgelegt ist. Man sollte also nicht die Hoffnung haben, dass in den nächsten drei Jahren DeFi-Anwendungen zum Standard werden und einen großen realwirtschaftlichen Nutzen erbringen.

Wann platzt nun die DeFi-Blase?

Da DeFi immer noch eine absolute Nische mit geringen Bekanntheitsgrad bei dem Gros der Bevölkerung ist, besteht noch sehr großes Steigerungspotential. Zumal mit knapp über sieben Milliarden US-Dollar an Total Value Locked das in DeFi gebundene Kapital winzig ist. Auch wenn die ICO-Blase noch keine drei Jahre her ist, dürfte dies nur wenige Spekulanten von der DeFi-Blase abhalten. Insbesondere durch DeFi-Anwendungen, die eigentlich nicht wirklich dezentral sind und damit für Menschen außerhalb des Krypto-Sektors einfacher zugänglich sind, kann man einen hohen Kapitalzufluss erwarten. Schließlich interessiert es nur die allerwenigsten, ob eine Anwendung beziehungsweise Dienstleistung dezentral oder zentral ist.

Die Korrektur seit Anfang September dürfte kurzfristig auch wieder etwas Luft aus dem DeFi-Ökosystem lassen. Diese gesunde Marktreaktion ist aber eher als kurze Verschnaufpause zu voraussichtlichen DeFi-Wellen in den nächsten Monaten zu betrachten. Die Blase hat noch längst nicht ihr Potential ausgeschöpft. Sollte allerdings der Total Value Locked in den nächsten Monaten sein gegenwärtiges Niveau ungefähr halten, dann wäre dies ein sehr gutes Zeichen für die Stabilität des DeFi-Ökosystems. Schließlich würde das bedeuten, dass die Markteilnehmer die aktuellen Begrenzungen von DeFi erkannt haben. Als Folge dessen würde sich die Kapitalallokation selektiver gestalten als es gegenwärtig der Fall ist. Die Gefahr einer weiteren Blasenbildung könnte damit eingedämmt werden.

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