Security Token veranlassen BaFin zum „Paradigmenwechsel“

Quelle: Shutterstock

Security Token veranlassen BaFin zum „Paradigmenwechsel“

Die Tokenisierung von Vermögensanlagen sorgt für eine zunehmende Verschmelzung von traditionellen und  Krypto-Finanzinstrumenten. Gleichzeitig stellen Security Token Offerings (STOs) die Regulierungsbehörden weltweit vor neue Herausforderungen: Welche Token bedürfen welcher Regulierung? Wann ist die Rede von einem Wertpapier, wann handelt es sich bei einem Token um eine Vermögensanlage? 

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat sich dieser Frage in einem Fachartikel angenommen. Darin konstatiert die Behörde einen „Paradigmenwechsel“ als Folge der Tokenisierung von Vermögensanlagen in Gestalt von Security Token.

Was ist eine Vermögensanlage?

Das Vermögensanlagengesetz, auf das sich die BaFin in dem Artikel bezieht, definiert eine Vermögensanlage als

  1. Anteile, die eine Beteiligung am Ergebnis eines Unternehmens gewähren
  2. Anteile an einem Vermögen, das der Emittent oder ein Dritter in eigenem Namen für fremde Rechnung hält oder verwaltet (Treuhandvermögen)
  3. partiarische Darlehen (Beteiligungsdarlehen)
  4. Nachrangdarlehen
  5. Genussrechte
  6. Namensschuldverschreibungen
  7. sonstige Anlagen, die eine Verzinsung und Rückzahlung oder einen Vermögenswerten Barausgleich im Austausch für die zeitweise Überlassung von Geld gewähren oder in Aussicht stellen

Security Token als eigene Gattung von Wertpapieren

Die BaFin stellt fest, dass Token – als digitalisierte Form von Vermögenswerten – als eine eigene Wertpapiergattung betrachtet werden müssen. Dies gelte auch, wenn es sich bei dem tokenisierten Finanzinstrument um eine Vermögensanlage handelt.

Wird ein Finanzinstrument, das inhaltlich zwar als Vermögensanlage nach § 1 Absatz 2 VermAnlG [Vermögensanlagengesetz] ausgestaltet beziehungsweise bezeichnet ist, in Form eines frei übertragbaren und handelbaren Tokens […] digitalisiert, handelt es sich im Ergebnis nicht um eine Vermögensanlage im Sinne des VermAnlG, sondern um ein Wertpapier […] Dies zumindest dann, wenn das Instrument aktienähnliche beziehungsweise mitgliedschaftliche Rechte oder ein vermögensmäßiges Recht schuldrechtlicher Natur beinhaltet.

Bei einem Wertpapier handelt es sich laut Wertpapierprospektgesetz um:

  • a) Aktien und andere Wertpapiere, die Aktien oder Anteilen an Kapitalgesellschaften oder anderen juristischen Personen vergleichbar sind, sowie Zertifikate, die Aktien vertreten
  • b) Schuldtitel, insbesondere Schuldverschreibungen und Zertifikate, die andere als die in Buchstabe a) genannten Wertpapiere vertreten
  • c) alle sonstigen Wertpapiere, die zum Erwerb oder zur Veräußerung solcher Wertpapiere berechtigen oder zu einer Barzahlung führen, die anhand von übertragbaren Wertpapieren, Währungen, Zinssätzen oder -erträgen, Waren oder anderen Indizes oder Messgrößen bestimmt wird

Nun lassen sich die allermeisten Token bzw. Kryptowährungen aufgrund ihrer technischen Beschaffenheit besonders gut übertragen. Auch die Handelbarkeit am Finanzmarkt ist gegeben – denn auch Bitcoin-Börsen zählt die BaFin zum Finanzmarkt. Was Security Token von Utility Token und Kryptowährungen unterscheidet, sind also die wertpapierähnlichen Ansprüche, die sie repräsentieren.

Beispiel Bitbond: Deutschlands erstes Security Token Offering 

Anhand dieser Kriterien lässt sich nachvollziehen, warum die BaFin zum Beispiel Bitcoin nicht als Wertpapier betrachtet. Übertragbar? Check. Handelbar? Aber hallo. Doch erwirbt man mit Bitcoin Ansprüche, etwa auf eine Rendite oder ein Mitspracherecht bei einem Unternehmen? Nein.

Anders verhält es sich mit dem Token „BB1“ der Firma Bitbond. Diesen stufte die BaFin als Wertpapier ein – ein Präzedenzfall in der deutschen Regulierungsgeschichte. Das zugrundeliegende Finanzinstrument, also das, was tokenisiert wird, ist eine Namenschuldverschreibung. Eine solche fällt eigentlich unter die Definition der Vermögensanlage und gilt nicht als Wertpapier – es fehlt an der freien Handelbarkeit, da eine Übertragung auf eine andere Person nicht vorgesehen ist. Diese erreichte Bitbond jedoch, indem sie die Anleihe in Token-Form goss:

Das zugrundeliegende Instrument war ursprünglich als Namensschuldverschreibung, also als Vermögensanlage, konzipiert und wäre dem VermAnlG unterfallen. Durch die Übertragung auf die Blockchain wurde jedoch die Handelbarkeit am Finanzmarkt deutlich erhöht. Die auf diese Weise tokenisierte Vermögensanlage war als Wertpapier sui generis [eigener Art] einzuordnen […],

heißt es in dem Fachartikel weiter.

Vorteile für Emittenten und Anleger

Für den Emittenten – in diesem Falle Bitbond – entsteht dadurch unter anderem der Vorteil, dass die Schuldverschreibung ohne die sonst übliche Verbriefung in Form einer physischen Urkunde auskommt. Der Eigentumsnachweis erfolgt über den Token und benötigt kein Papier. Das bedeutet wiederum, dass Intermediäre wie Clearstream, eine in Luxemburg ansässige internationale Verwahrstelle für Wertpapiere und vollständige Tochter der Deutschen Börse AG, entfallen.

Weniger Mittelsmänner bedeutet schlankere Prozesse und schlankere Prozesse bedeuten wiederum vor allem eines: geringere Kosten. Von der Kostenersparnis profitieren indes auch die Anleger, denn sie benötigen für den Erwerb eines Security Token keine Depotbank, die ihrerseits Gebühren verlangt; dafür genügt eine Wallet.

Weitere STOs in Sicht

Die BaFin spricht hinsichtlich der Tokenisierung von Vermögenswerten von einem „Paradigmenwechsel“ – und verrät gleichzeitig, dass sie aktuell eine Reihe Wertpapierprospekte für anstehende Security Token Offerings prüft. Bitbond hat mit der Tokenisierung den Anfang gemacht. Man darf nun gespannt sein, welche Vermögensanlagen als nächstes auf der Blockchain landen – den Segen der höchsten deutschen Finanzregulierungsbehörde vorausgesetzt.

Aufgepasst: Der Kryptokompass ist das erste digitale Magazin für digitale Währungen und Blockchain-Assets. Er liefert dir monatlich exklusive Einschätzungen, spannende Insights und umfassende Analysen zur aktuellen Lage an den Blockchain- & Krypto-Märkten. Nur jetzt und nur solange der Vorrat reicht: Im Monatsabo inkl. GRATIS Bitcoin Whitepaper (Deutsche Fassung gedruckt)

 

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

BaFin genehmigt ersten Immobilien-Token
BaFin genehmigt ersten Immobilien-Token
STO

Die BaFin genehmigt das erste deutsche Security Token Offering (STO) für blockchainbasiertes Immobilieninvestment und das zweite deutsche STO überhaupt. Damit gibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Startschuss für digitale Wertpapiere im Real-Estate-Bereich. Ein neues Anlagevehikel?

Bitcoin-Regulierung: FINRA appelliert an Unternehmen
Bitcoin-Regulierung: FINRA appelliert an Unternehmen
Regierungen

Letztes Jahr hat die US-Genehmigungsbehörde FINRA eine Bekanntmachung herausgegeben, derzufolge sich Finanzdienstleister, die mit digitalen Assets zu tun haben, melden sollen. Ein Jahr später folgt die Konsolidierung der aufgeführten Kriterien. Insgesamt zeigt sich die FINRA zufrieden. Überzeugung geht jedoch anders.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Steve Wozniak: Apple-Mitgründer will nach Malta
Steve Wozniak: Apple-Mitgründer will nach Malta
Tech

Der Apple-Mitgründer Steve Wozniak gab bei einer Podiumsdiskussion seine Zukunftspläne bekannt. Was ihn bewegt, nach Malta zu gehen und welche Unternehmensidee er unterstützen will.

Datenleak bei Bitcoin-Börse QuickBit enthüllt Kundendaten
Datenleak bei Bitcoin-Börse QuickBit enthüllt Kundendaten
Sicherheit

Die Bitcoin-Börse QuickBit hat versehentlich große Datenmengen geleakt. Über Tage kursierten sensible Kundendaten ohne Firewall für jedermann einsehbar im Internet. QuickBit-Kunden wird geraten, ihr Passwort zu ändern.

Deutsche Bundesbank sieht Bitcoin als „spekulatives Nischenprodukt“
Deutsche Bundesbank sieht Bitcoin als „spekulatives Nischenprodukt“
Unternehmen

Für die Deutsche Bundesbank hat das Kursgebaren von Bitcoin & Co. in den letzten Jahren vor allem eines gezeigt: Dass Kryptowährungen weder als Zahlungsmittel noch als Wertspeicher taugen. Anders blickt die Zentralbank auf das Potenzial von Stable Coins. Gegenüber dem Facebook-Coin Libra nimmt die Bundesbank eine argwöhnisch-abwartende Haltung ein.

Trading-App Robinhood sammelt 323 Millionen US-Dollar ein
Trading-App Robinhood sammelt 323 Millionen US-Dollar ein
Invest

Die Trading-Plattform Robinhood sammelt in einer Series-E-Funding-Runde 323 Millionen US-Dollar ein. Damit ist das Unternehmen mit 7,6 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Geld soll auch in den Ausbau der Krypto-Sparte fließen, diese ist jetzt bereits in 30 US-Bundesstaaten verfügbar.

Angesagt

Bitcoin-Gerüchteküche: Justin Sun in China angeklagt
Szene

Neues aus der Bitcoin-Gerüchteküche. Gegen Justin Sun soll aktuell ermittelt werden. Die Gerüchte kamen auf, als der Gründer und Vorsitzende der Kryptowährung TRON sein Krypto-Dinner mit Warren Buffet und „Größen“ aus dem Bitcoin-Ökosystem abgesagt hat.

Bitcoin-Börse BitFinex und Tether ziehen sich aus der Verantwortung
Krypto

Der Gerichtsprozess rund um die in Verruf geratene Bitcoin-Börse BitFinex und den Stable-Coin-Anbieter Tether geht in eine neue Runde. Nun sagt einer der Anwälte der Firmen, dass weder BitFinex noch Tether Kunden in den USA betreuen würden.

BaFin genehmigt ersten Immobilien-Token
STO

Die BaFin genehmigt das erste deutsche Security Token Offering (STO) für blockchainbasiertes Immobilieninvestment und das zweite deutsche STO überhaupt. Damit gibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Startschuss für digitale Wertpapiere im Real-Estate-Bereich. Ein neues Anlagevehikel?

WEX: Ex-CEO von Bitcoin-Börse festgenommen
Szene

In dieser Akte stecken eine Menge Fragezeichen. Im Fall um Alexander Vinnik und btc-e.com ist nach über zwei Jahren zwar noch lange kein Ende in Sicht. Nun wurde außerdem der mutmaßliche Nachfolger Vinniks, Dmitry Vasiliev, in Italien gefasst. Unklar ist, ob er die Börse überhaupt übernommen hat. Die zuständigen Behörden halten sich (noch) bedeckt.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: