Roland-Berger-Studie: Blockchain birgt großes Potenzial in der Finanzdienstleistungsbranche

Gregor Hallmann

von Gregor Hallmann

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Gregor Hallmann

Gregor Hallmann ist seit 20 Jahren Wirtschaftsjournalist. Als Redakteur einer Nachrichtenagentur verfolgte der studierte Politologe um die Jahrtausendwende hautnah den Internet-Boom und das folgende Platzen der Dotcom-Blase. Seitdem schreibt er als freier Journalist kritisch über Wirtschaft, Finanzen und Geldanlage – und hat dabei auch Kryptowährungen und Blockchain im Blick.

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Quelle: Analytic managers team working with paper charts and laptops at the office via Shutterstock

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Die Unternehmensberatung Roland Berger hat Chancen und Risiken der Blockchain für die Finanzwirtschaft untersucht. Ergebnis: Die Technologie wird in den kommenden Jahren verstärkt Einzug in die Finanzbranche halten und die digitale Transformation der Geschäftsmodelle zusätzlich verstärken. Schon in drei bis fünf Jahren rechnet Roland Berger mit breiteren Anwendungsmöglichkeiten im Markt.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

“Blockchain wird die Art, wie weltweit Geschäfte gemacht werden, verändern”, glaubt Wolfgang Hach, Partner von Roland Berger. Zum Beispiel bei Handelstransaktionen oder Vertragsabschlüssen könne durch die Blockchain-Technologie auf vermittelnde Institutionen oder Treuhänder verzichtet werden. Nicht nur dadurch, sondern auch durch die mit der Blockchain mögliche hohe Automatisierung der Prozesse könne die Finanzindustrie erhebliche Kosten sparen. “Gerade in der Finanzbranche mit ihren großen Datenmengen, zahlreichen Intermediären und Dienstleistungen, die abgesichert und verifiziert werden müssen, ergeben sich für die Blockchain viele Anwendungsmöglichkeiten”, ergänzt Roland-Berger-Partner Sebastian Steger.

Neue Kunden und Geschäftsmodelle

“Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob Finanzdienstleister ihr eigenes Geschäft kannibalisieren, wenn sie Transaktionen über die Blockchain anbieten”, erklärt Hach. Sie könnten dadurch aber neue Produkte und Services anbieten und sogar zusätzliche Kunden gewinnen, etwa in Entwicklungsländern, wo viele Menschen bislang keine Bankkonten oder Versicherungen haben. Zudem seien Blockchain-Transaktionen schneller als traditionelle Transfers und Vertragsabschlüsse. Die Technologie biete auch hohe Sicherheitsstandards.

Als mögliche Anwendungsbereiche für Blockchain-Technologien innerhalb des Finanzsektors nennt die Studie weltweite Überweisungen, den Wertpapierhandel, die Handelsfinanzierung einschließlich der Absicherung von Transportrisiken sowie den Versicherungssektor.

Hürden und Probleme

Die Studie zählt auch Herausforderungen auf, die vor dem weitverbreiteten Einsatz von Blockchain-Technologien zu überwinden seien. So müssten rechtliche Grundlagen geschaffen werden. Derzeit gebe es noch keinen gesetzlichen Rahmen, der die Anwendung von Blockchain-Technologien für die Abwicklung von Finanztransaktionen reguliert.

“Einen weltweit einheitlichen Rahmen wird es zwar nicht geben, dazu sind die politischen Interessen der einzelnen Länder zu unterschiedlich”,

sagt Steger auf Anfrage von BTC-ECHO.

“Alleine die Unterschiede zwischen zum Teil sehr kleinen Ländern mit hoher Digitalaffinität wie den baltischen Staaten und traditionellen Finanzplätzen wie der Schweiz sind erheblich. Aber im Vergleich zur bisherigen Regulierung der Finanzmärkte sehen wir beim Thema Blockchain schon eine größere Bereitschaft, länderübergreifende Regeln zu schaffen.”

Technisch müsse die Skalierbarkeit der Blockchain-Technologie gewährleistet sein, um täglich weltweit hunderte Millionen Transaktionen abwickeln zu können. Dafür sei eine hohe Rechenleistung nötig, zudem müsste das gesamte System effizienter werden. Schließlich müsse die Architektur jedes Blockchain-Systems die Komplexität heutiger Transaktionen unterstützen und reflektieren.

Im Sinne eines ganzheitlichen Blockchain-Ökosystems empfehlen die Studienautoren zudem, Standards einzuführen und Blockchain-Lösungen in der Banken- oder Versicherungswirtschaft untereinander kompatibel zu machen.

“Ohne weltweit einheitliche Standards für Protokolle und Blockchain-Modelle besteht die Gefahr, dass die Technologie ihr Potenzial einbüßt”,

meint Steger.

“Um dies zu verhindern, ist eine intensive internationale Zusammenarbeit nötig.”

Eine weitere Hürde für den Blockchain-Durchbruch seien die großen Veränderungen, die dafür in der technologischen Architektur der Finanzdienstleister erforderlich seien. Die traditionell eher risikoscheuen Banken stellten infrage, ob die Vorteile der Blockchain die dafür nötigen Investitionen rechtfertigten. Um das Potenzial der Blockchain voll zu nutzen, müssten sie aber bereit sein, einige Risiken auf sich zu nehmen, auch wenn der kurzfristige Ertrag nicht offensichtlich sei. Dafür sei ein tiefgreifender Kulturwandel nötig. Auch treibe viele Finanzdienstleister die Sorge um, dass ein Durchbruch der Blockchain-Technologie ihre bereits laufenden Bemühungen zur Digitalisierung von Prozessen nutzlos machen könnte.

Das größte Hindernis für den Durchbruch der Blockchain-Technologie im Finanzsektor ist aber aus Sicht der Roland-Berger-Experten die Einstellung der Beteiligten. Steger sagt auf Anfrage von BTC Echo:

“Die Technologie ist da und es gibt auch Gesetze, auf deren Basis man trotz noch fehlender spezieller Blockchain-Regulierung arbeiten kann – diese Hürden sind also relativ leicht zu nehmen. Viel wichtiger ist daher die Bereitschaft, sich dem Neuen zu öffnen, zu akzeptieren, dass man sein eigenes Geschäft zumindest teilweise komplett verändern muss, und sich zu trauen, am Anfang auch ein bisschen zu experimentieren, obwohl noch nicht ganz absehbar ist, wohin der Weg führt. Sonst riskiert man, zu spät zu kommen.”

Die Frage, ob sich am Ende private oder öffentliche Blockchain-Infrastrukturen im Banken- und Versicherungssektor durchsetzen werden, ist nach Ansicht von Roland Berger noch offen: Vor allem in der Anfangsphase dürften private Blockchains dominieren, weil einzelne Marktakteure mit ersten Anwendungsfällen vorangehen. Je weiter sich das Thema entwickelt, desto größer und integrierter können die Blockchains werden. Dann werde es vielleicht eine Art fließenden Übergang in Richtung mehr öffentliche Infrastruktur geben.

Breite Marktreife in drei bis fünf Jahren

Grundsätzlich sind die Roland-Berger-Experten optimistisch: “Sowohl Politik, Regulatoren und Blockchain-Aktivisten als auch die Industrie arbeiten an dem Thema, und weitere Lösungen werden bald bereitstehen”, ist sich Sebastian Steger sicher. Momentan befinde sich die Blockchain-Technologie in der Finanzbranche noch in einer Testphase. Marktfähige Anwendungen zeichneten sich aber schon ab, und mit einer breiteren Nutzung der Blockchain sei in drei bis fünf Jahren zu rechnen. Entsprechend sollten sich Finanzdienstleister vorbereiten, um sich frühzeitig Wettbewerbsvorteile zu sichern. Neue Prozesse und Systeme beispielsweise sollten offen und flexibel gestaltet werden, sodass sie mit der Blockchain-Technologie kompatibel sind, um nicht in naher Zukunft überflüssig zu werden.

Liegt die Studie richtig, könnte die Blockchain-Revolution im Finanzdienstleistungssektor schneller voranschreiten, als viele Teilnehmer derzeit glauben. Die Autoren verweisen auf das World Economic Forum, das davon ausgeht, dass bis zum Jahr 2025 insgesamt 10 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts mithilfe der Blockchain-Technologie abgewickelt werde.

BTC-ECHO

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