“XRP wird Japans Schulden zwar nicht tilgen, könnte dem Land aber dabei helfen, seine Liquidität effizienter zu nutzen” – das schreibt ein populärer Krypto-Analyst angesichts der derzeitigen Yen-Krise. Als Resultat der jahrelangen Niedrigzinspolitik fiel der Yen zuletzt auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten gegenüber dem US-Dollar. Erstmals seit 1998 kaufte auch Washington kürzlich Yen und schloss sich damit der Bank of Japan bei dem Versuch an, die japanische Währung zu stabilisieren.
Doch das eigentliche Dilemma bleibt bestehen: Japan muss entweder einen schwächeren Yen akzeptieren oder riskieren, seinen Anleihemarkt durch aggressive Zinserhöhungen respektive erzwungene Kapitalrückführungen zu destabilisieren. Ausgangspunkt für das XRP-Gedankenspiel des Krypto-Analysten ist das Problem der “Vorfinanzierung”: Japanische Finanzinstitutionen legen Kapital in Fremdwährungen bei Korrespondenzbanken an, um die Abwicklung von Zahlungen sicherzustellen. Dies führt jedoch zu einer Bindung des Kapitals.
XRP als internationales Brücken-Asset
XRP könnte nun als neutrales Brücken-Asset fungieren, sodass bei einer Zahlung Yen zunächst in XRP und anschließend in die Zielwährung umgewandelt wird – mit einer kostengünstigen Abwicklung binnen weniger Sekunden. Das würde das Kontrahentenrisiko und die Notwendigkeit, dauerhaft Fremdwährungsguthaben im Ausland ungenutzt liegen zu lassen, erheblich reduzieren.
“XRP könnte den Geldfluss verbessern, die Abwicklung von Transaktionen beschleunigen und die effiziente Nutzung von Liquidität durch Institutionen fördern”, meint Egrag Crypto. Das würde Japan effektiv mehr Spielraum bei der Steuerung seines geldpolitischen Wandels verschaffen. Jedoch bräuchte es zunächst einmal ausreichend hohe Liquidität beim Handel von XRP in Yen und klare regulatorische Rahmenbedingungen sowie eine umfassende Integration in das Bankensystem. Vorerst bleibt es daher wohl zuallererst Aufgabe der japanischen Zentralbank, das Vertrauen der Finanzmärkte wiederherzustellen.
