EUR / BTC vs. BTC / EUR Wann Bitcoin zu einer “echten” Währung werden könnte
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Bitcoin und alte D-Mark-Banknoten

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Innerhalb des letzten Monats haben Euro und US-Dollar rund 25 Prozent gegenüber Bitcoin einbüßen müssen. Nur weniges deutet darauf hin, dass die Talfahrt bald stoppt. Warum diese Sichtweise der Kursbetrachtung noch nicht mehrheitsfähig ist und was sich ändern muss, damit Bitcoin zu einer “richtigen” Währung wird.

Betrachtet man die Wertentwicklung des Wertepaares Euro / Bitcoin, zeichnet sich ein klares Bild: Innerhalb eines Monats hat sich der Außenwert gegenüber BTC um ein Viertel reduziert. Auf Jahressicht ist der Euro sogar um rund 75 Prozent gegenüber dem Bitcoin eingebrochen. Bei der Fünfjahressicht zeigt sich ein Rückgang von 98,8 Prozent nahezu ein Totalverlust. Die Währung Euro könnte man indes beliebig durch jede andere staatliche Währung – sogenanntes Fiatgeld – austauschen. Das Ergebnis beziehungsweise der Wertverlust gegenüber Bitcoin wäre nahezu identisch.


Bitcoin ist keine Währung – oder doch?

Die oben vorgestellte Sichtweise dürfte selbst Bitcoin-Enthusiasten fremd vorkommen. Die Kursumrechnung erfolgt immer nur von Bitcoin zu Euro und niemals umgekehrt. Schließlich sind wir es gewohnt, von “unserer” Währung in eine andere Währung umzurechnen. Selbst bei einer zukünftig größeren Etablierung von BTC würde unsere Referenzwährung immer der Euro bleiben. Doch kann man Bitcoin überhaupt als eine Währung einordnen und diese mit Fiatwährungen vergleichen?

Was eine Währung ist oder nicht, entscheiden weniger die Eigenschaften, sondern primär der Staat. Als soziales Konstrukt hängt Geld immer von der Wahrnehmung und Akzeptanz der Menschen ab. Eine intersubjektive beziehungsweise objektive Währung, die geradezu naturgegeben ist, kann es im eigentlichen Sinne gar nicht geben.

Unsere Gesellschaft ist daran gewöhnt, dass der Staat bestimmt, was eine Währung ist und was nicht. Wenn der Staat – über seine Stellvertreterin, die Notenbank – festlegt, dass der Euro eine Währung ist, dann entsteht daraus im kollektiven Verständnis der Konsens, dass es sich bei dem Euro um eine Währung handelt. Gemeinsam mit den grundlegenden Geldeigenschaften wie unter anderem Homogenität oder Teilbarkeit als Voraussetzung entsteht somit ein Standard, auf den sich eine Gesellschaft einigt.

Kryptowährungen: besser als Zigaretten?

In Notsituationen können Währungen sogar von den festgelegten Geldeigenschaften abweichen. Man denke hier an Zigaretten, die in Gefängnissen oder Währungskrisen als Tauschmittel respektive Geldersatz zum Einsatz kommen.

Genau wie Zigaretten fehlt es auch Bitcoin an einer offiziellen Rechtsprechung beziehungsweise Ernennung zur Währung. Da BTC nicht von einem Staat ausgegeben werden, sondern durch eine dezentrale Logik entstehen, fehlt es Bitcoin an initialer Deutungshoheit. Es gab nie den wirkungsmächtigen Akteur, der Bitcoin im Rahmen einer Konstitution als Währung festlegen konnte. Entsprechend ist der Prozess der “Währungswerdung” bei BTC ein anderer und vor allem viel längerer als bei Fiatwährungen.

Umdenken mit Bitcoin als Landeswährung?

Doch selbst wenn ein Staat wie El Salvador Bitcoin als offizielle Landeswährung festlegt, greift der Währungsstatus nur eingeschränkt. Schließlich ist BTC wie ein Fremdkörper im Ökosystem der Fiatwährungen. Er funktioniert nach anderen Gesetzmäßigkeiten. Was “normal” ist und was nicht, definiert sich durch die Dominanz der global vorherrschenden Währungsgattung. Und diese ist nach wie vor Fiatgeld. Der Euro ist daher “normal” – sprich: systemkompatibel – und Bitcoin eben nicht.


Die Abweichung von der Norm zeigt sich auch in der Schwankungsbreite von Bitcoin zu Fiatwährungen. Große Währungsräume beziehungsweise die “Fiat-Elite” wie US-Dollar, Euro, Yen etc. zeichnen sich dadurch aus, dass sie zueinander nur relativ geringe Schwankungen aufweisen. Schließlich repräsentieren sie die größten Volkswirtschaften dieser Welt. Zwar ist Währungsspekulation auf vielfältige Art und Weise möglich, doch besitzen private Haushalte und Unternehmen eine gewisse Sicherheit, dass sich die Volatilität in Grenzen hält. Auch wenn sich manch Bitcoin-Enthusiast an der Aussage stören mag, so stellt doch die Volatilität das mit größte Problem für BTC als Alltagszahlungsmittel dar.

Eine Währung, die jede andere Währung auf der Welt gelegentlich um monatlich 25 Prozent outperformt, eignet sich nur bedingt für den Kaffeehausbesuch. Die enormen Kurssteigerungen machen Bitcoin mehr zu einem spekulativen Wertspeicher als zu einer Währung.  

Währungsdurchbruch in 2030?

Doch was ist, wenn Bitcoin an den Punkt gelangt, an dem eine gewisse Sättigung eintritt. Was wenn Bitcoin in rund zehn Jahren bei beispielsweise 800.000 US-Dollar steht, ergo eine Marktkapitalisierung von rund 14,5 Billionen US-Dollar aufweist, und sich kaum noch vom Fleck bewegt sowie ähnlich volatil ist wie das Währungspaar Euro / US-Dollar. Sicherlich mag BTC dann immer noch als Wertspeicher herhalten, der attraktiver als die jeweiligen Fiatwährungen ist, doch würde gleichzeitig auch die Spekulation runtergefahren und die Währungsfunktion hochgefahren werden.

An diesem “Endpunkt” würde der Kaffee oder der Friseurbesuch, den man in Bitcoin in der Eurozone oder im US-Dollarraum bezahlt, preislich stabil bleiben. Der Kaffee würde beispielsweise in einem Monat genauso seine 600 Satoshi kosten wie in sechs Monaten. Theoretisch könnte sich dann viel eher als heute der Fall ein Währungsverständnis von Bitcoin in der Breite kultivieren.

Insbesondere im Urlaub oder auf Geschäftsreise könnte sich Bitcoin zum internationalen Standard entwickeln, um Wechselgebühren zu umgehen und Umrechnungen vermeiden zu müssen, da die einzige Fremdwährung, die man kennen müsste, der Bitcoin wäre. Genau wie in El Salvador könnte es dann zum Standard werden, dass alle Waren und Dienstleistungen einmal in der nationalen Währung und einmal in Bitcoin, genauer gesagt in Satoshi, ausgewiesen werden.

Sollte sich Bitcoin in Zukunft als Währung etablieren, dann muss natürlich klar sein, dass die Transaktionen nicht direkt über die Bitcoin Blockchain abgewickelt werden, sondern über Second-Layer-Lösungen wie das Lightning Network. Für die “Währungswerdung” sind also auch noch technische Herausforderungen zu meistern.


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