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Wegfall der Haltefrist nur der Anfang Bundesfinanzministerium bringt Krypto-Regulierung ins Rollen

Das Bundesfinanzministerium will die zehnjährige Haltefrist bei Staking streichen. Die Branche jubelt. Weitere Vorstöße sind geplant.

Giacomo Maihofer
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Das Tor zum Bundesministerium in Berlin.

Quelle: Picture Alliance

| Das Tor zum Bundesministerium in Berlin.

Das Bundesfinanzministerium streicht die zehnjährige Haltefristverlängerung von Kryptowährungen, die für Staking und Lending eingesetzt werden. Das wurde gestern, den 28. April 2022, beim ersten Blockchain-Roundtable der FDP-Bundestagsfraktion bekannt gegeben.

Demnach können für Staking oder Lending genutzte Kryptowährungen in Zukunft regulär nach einem Jahr steuerfrei verkauft werden. Einen entsprechenden Entwurf für ein BMF-Schreiben veröffentlicht das Bundesfinanzministerium bald. Er dient den deutschen Finanzbehörden fortan als Richtlinie. Die alte Bundesregierung unter CDU und SPD hatte letzten Sommer noch ein BMF-Schreiben veröffentlicht, in dem sie an der Haltefrist von zehn Jahren festhalten wollte.

Schreiben zu weiteren Bereichen von Krypto sollen dieses Jahr folgen, berichten Branchenvertreter, die bei der Veranstaltung dabei waren, gegenüber BTC-ECHO. Nach Jahren der Rechtsunsicherheit bringt das Bundesfinanzministerium unter der FDP die Regulierung von Krypto in Deutschland endlich ins Rollen. Die Szene jubelt.

“Das ist ein ganz wichtiger Schritt”, erklärt der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler gegenüber BTC-ECHO. Er initiierte den ersten Blockchain-Roundtable seiner Partei. “Das Bundesfinanzministerium sendet mit diesem Entwurf ein starkes Signal an die Krypto-Branche in Deutschland, insbesondere bei den Themen Staking und Lending.”

Entscheidung zu Staking überraschte Branche

Insgesamt waren über 50 Gäste zum Blockchain-Roundtable im Bundestag eingeladen, um über den Entwurf des Bundesfinanzministeriums zu diskutieren, darunter FDP-Abgeordnete, Mitglieder des BMF und führende Blockchain-Experten aus dem deutschsprachigen Raum, beispielsweise von Bitpanda, einer österreichischen Krypto-Börse.

“Die Überraschung über das neue Schreiben war sehr groß”, erklärt der Krypto-Steuerexperte Werner Hoffmann gegenüber BTC-ECHO. Er ist Mitgründer der auf Krypto-Steuerrecht spezialisierten Firma Pekuna. “Ich ging nach mehreren Gesprächen mit dem Finanzministerium nicht davon aus, dass sie von der alten Linie abweichen werden. Dass sie auf die Community mit so offenen Ohren zugeht, sehe ich als sehr positiv. Der Entwurf hat meine Erwartungen übertroffen.”

Auch DeFi-Spezialist Peter Großkopf zeigt sich euphorisch. “Das BMF hat sich im Vorfeld kritisch mit dem Feedback aus der Community beschäftigt und Änderungen aufgenommen”, so der Gründer der DeFi-Plattform Unstoppable Finance gegenüber BTC-ECHO. “Es ist sehr begrüßenswert, dass die neue Bundesregierung und das FDP-Regime im Bundesfinanzministerium den Krypto-Standort Deutschland stärken will.”

Bei gewerblichem Staking noch Diskussionsbedarf

Für die deutsche Branche ist es nicht nur ein Sieg bei den Themen Staking und Lending. Im Entwurf des BMF-Schreibens, das BTC-ECHO vorliegt, werden erstmals ganz allgemein klare Definitionen für grundsätzliche Kryptobegriffe dargelegt, beispielsweise Konsensalgorithmen. “Zu wissen, auf was man sich in diesem Bereich einstellen muss, ist bereits positiv, selbst bei nachteiligen Regelungen”, so Werner Hoffmann. Bei vielen Themen ist es allerdings noch ein weiter Weg bis zur vollständigen rechtlichen Klarheit.

“Insbesondere der Bereich gewerbliches Staking wird nochmal zu Diskussionen führen”, glaubt Hoffmann. “Auch der Umfang des Schreibens könnte um einige Themen erweitert werden. Zu NFTs und DeFi-Protokollen wird nichts drinstehen”. Peter Großkopf will sich dafür einsetzen, “dass hier für den Bürger, Unternehmer und Staat akzeptable Lösungen entstehen.” Um im Bereich DeFi am Ball zu bleiben, wird man “vermutlich in der Zukunft einen kontinuierlichen Prozess benötigen”, so der Unternehmer.

Weiteres BMF-Schreiben angekündigt

Auch bei der Dokumentation und Meldepflicht von Krypto-Transaktionen gibt es noch Unklarheiten, die in Zukunft zu beseitigen sind. “Frank Schäffler griff das Beispiel auf, er würde in Deutschland nie seinen Kaffee mit Krypto bezahlen. Aktuell müsste er dies an das Finanzamt berichten. Der Dokumentationsaufwand ist zu hoch”, erzählt Werner Hoffmann.

Laut dem Experten braucht Deutschland eine Kleinbetragsregelung oder eine Regel, dass Transaktionen von Krypto zu Krypto steuerfrei sind. Das Bundesfinanzministerium will laut ihm dem Thema im Herbst 2022 ein eigenes Schreiben widmen. Allerdings bräuchte es für Vorstöße dieser Art auch konkrete Gesetzesänderungen, die gar nicht im “Spielraum des BMFs” sind.

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