Die Woche im Rückblick 

Rekorde an der Wall Street, Frieden im Nahen Osten – warum bleibt Bitcoin zurück?

Die Märkte sind sich selten einig. Noch seltener liegen sie so weit auseinander wie aktuell. Während Aktien neue Höchststände erreichen, fällt Bitcoin zurück. Wer deutet das Makro-Bild richtig?

Philipp Baumgartner
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Händler beobachten Kursentwicklungen an der Wall Street vor mehreren Anzeigetafeln.

Beitragsbild: Shutterstock

| Während Aktien neue Höchststände markieren, bleibt Bitcoin unter den Erwartungen

Während das Iran-Abkommen den Ölpreis abstürzen und den S&P 500 auf neue Höchststände steigen lässt, musste die größte Kryptowährung weitere Kursrückgänge einstecken. Bitcoin kommt zurzeit nicht in Tritt. Grund dafür ist auch die US-Notenbank, die den Märkten in dieser Woche eine Botschaft geschickt hat, die Bitcoin-Investoren deutlich ernster nehmen als die Wall Street.

Die Fed verändert das Spiel

Die US-Notenbank beließ die Zinsen diese Woche zwar unverändert. Der Ton der Sitzung fiel jedoch deutlich restriktiver aus als erwartet. Der neue Dot Plot zeigt, dass inzwischen rund die Hälfte der Fed-Mitglieder für 2026 sogar eine Zinserhöhung erwartet. Die Notenbank hob ihre Inflationsprognose zudem an.

Noch wichtiger jedoch war die Kommunikation von Fed-Chef Kevin Warsh. Konkrete Hinweise auf den weiteren Kurs blieben weitgehend aus. An den Terminmärkten verschwanden daraufhin die Erwartungen an baldige Zinssenkungen nahezu vollständig.

Für Bitcoin ist das ein Problem. Die Kryptowährung profitiert häufig von zusätzlicher Liquidität und sinkenden Finanzierungskosten. Beides ist nach der jüngsten Fed-Sitzung deutlich unsicherer geworden.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Dollar zog an, die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen stiegen, Bitcoin geriet ins Straucheln. Während Aktien vor allem die geopolitische Entspannung feiern, richtet sich der Blick am Krypto-Markt auf die Folgen einer länger restriktiven Geldpolitik.

Warum der Ölpreis nicht hilft

Parallel dazu sorgte das Iran-Abkommen für einen Einbruch am Ölmarkt. WTI verlor auf Wochensicht rund zwölf Prozent und fiel zeitweise unter 74 US-Dollar. Eigentlich wäre das eine gute Nachricht für Risikoanlagen. Niedrigere Energiepreise wirken entlastend und könnten den Inflationsdruck in den kommenden Monaten reduzieren.

Dieser Effekt kommt jedoch erst mit Verzögerung in den Wirtschaftsdaten an. Der Markt reagierte deshalb zunächst auf den Dollar. Nach der Fed-Sitzung stieg der Dollar-Index auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Für Bitcoin wirkt ein steigender US-Dollar wie Gegenwind. Dieser entzieht den globalen Märkten Liquidität und belastet traditionell Risikoanlagen. Die Folge: Während Aktien auf sinkende geopolitische Risiken setzten, orientierte sich Bitcoin stärker an Dollar und Zinsen.

Käufer und Verkäufer liefern sich ein Patt

Unter der Oberfläche zeigt sich ein differenzierteres Bild als der Kurs vermuten lässt. Nach der Fed-Sitzung verzeichneten die Spot-ETFs für Bitcoin und Ether deutliche Abflüsse. Viele Anleger reduzierten ihre Erwartungen an sinkende Zinsen und zogen Kapital aus dem Markt ab.

Langfristige Investoren akkumulieren unbekümmert weiter. Adressen mit einer Haltedauer von mehr als 155 Tagen sollen im Juni rund 125.000 Bitcoin aufgesogen haben. Kurzfristige Verkäufer treffen damit auf Käufer mit langem Anlagehorizont. Diese Konstellation erklärt, warum Bitcoin trotz zahlreicher Schlagzeilen weiterhin in einer vergleichsweise engen Handelsspanne festhängt.

Bitcoin gegen die Wall Street

Normalerweise bewegt sich Bitcoin eng mit dem Aktienmarkt. In dieser Woche war davon wenig zu sehen. Während der S&P 500 neue Rekorde markierte, reagierte Bitcoin vor allem auf die Aussicht auf länger hohe Zinsen.

Noch spricht der Kryptomarkt damit eine andere Sprache als die Wall Street. Aktien setzen auf sinkende Risiken und günstigere Energie. Bitcoin preist die Möglichkeit ein, dass die Fed ihren restriktiven Kurs länger beibehält als viele Anleger erwarten.

Welche Sichtweise sich durchsetzt, dürfte sich schon in den kommenden Wochen zeigen. Fallen die Inflationsdaten schwächer aus und verliert der Dollar an Stärke, könnte Bitcoin wieder aufholen. Bleibt die Fed hart, dürfte die aktuelle Skepsis des Krypto-Marktes berechtigt gewesen sein.

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