Angebot und Nachfrage Preisturbulenzen am ASIC-Markt: Bitcoin Mining ordnet sich neu
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 5 Minuten

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Die chinesische Verbotswelle rund um Kryptowährungen zieht einige Turbulenzen nach sich. Wie sich das Bitcoin-Verbot auf die Mining-Industrie auswirkt.

Die Mining-Industrie hat aktuell ordentlich Druck auf dem Kessel. Allen voran China sorgt dieser Tage für bisher ungeahnte Verwerfungen am Markt. Das hat zwei Gründe: Zunächst hatte die Volksrepublik das Mining im Juni dieses Jahres quasi über Nacht gänzlich verboten. Die Hintergründe dessen sind zwar nach wie vor nebulös. In der Szene gelten vorgeschobene Umweltbedenken sowie immer häufigere Stromausfälle aber als mögliche Gründe für den Paukenschlag der Regierung. Letzterer Theorie hängt auch Elon Musk an, wie der Tesla-CEO auf der CodeCon erklärte.

Zweitens ist seit dem 24. September aber klar, dass das Mining-Verbot lediglich Vorbote eines leider konsequenten Plans war, Kryptowährungen wie Bitcoin gänzlich aus dem Land zu verbannen. Denn – wie wir an dieser Stelle bereits berichteten – sind seit etwa einer Woche private Krypto-Transaktionen verboten und selbst ausländische Börsen dürfen im Reich der Mitte künftig keine Geschäfte mehr machen. Für dort ansässige Unternehmen mit Krypto-Bezug ist das keine gute Nachricht. Und selbst Firmen, die den Sektor nur peripher streifen, tut sich mit dem Krypto-Verbot ein Loch auf. Alibaba beispielsweise “wird […] den Verkauf von Minern für virtuelle Währungen verbieten”, wie das Unternehmen in einem Blogpost schreibt. Wer jetzt Miner-Geräte sucht, dürfte es schwer haben, so Peter Marggraff, seines Zeichens Managing Director von Crypto Supply, einem hiesigen Mining-Unternehmen, gegenüber BTC-ECHO:

Durch den Wegfall von Mining-Equipment auf Alibaba fehlt aktuell auch einfach ein Marktplatz, auf dem man zuverlässig Hardware einkaufen kann.

Preisdruck am ASIC-Markt

Dass sich der Mining-Sektor von den Turbulenzen alsbald erholt, ist aktuell nicht in Sicht. Im Gegenteil: Seit Beginn des dritten Quartals sind die Preise für Mining-Geräte, sogenannte ASICs, um durchschnittlich 25 Prozent gestiegen. Das schreibt Compass Mining in einem Blogpost.

Die Gründe dafür sind komplex. Zum einen bleibt auch die Krypto-Industrie von allgemeinen Lieferengpässen nicht verschont. Zum anderen ist Bitmain, der wohl größte Hersteller von Mining-Hardware, in China ansässig – und dass das kein förderlicher Standort ist, liegt auf der Hand. Der Antminer S19j Pro beispielsweise kostet zur Stunde 9.300 US-Dollar; viele andere Geräte sind bereits vergriffen und frühestens Anfang 2022 lieferbar.

Und so nimmt es sich nicht überraschend aus, dass viele Mitbewerber auf Konkurrenzprodukte wie den Whatsminer M20S setzen. Great American Mining etwa hat bereits 2020 eine ganze Reihe der Geräte in North Dakota platziert und nutzt dort gestrandete Energie, um digitales Gold zu schürfen. Aktuell sind die aber auch nicht zu haben. Dass die Miner immer teurer werden, hat indes auch mit dem Anstieg des Bitcoin-Kurses im dritten Quartal dieses Jahres zu tun. Denn sobald der Kurs steigt, steigt auch die Nachfrage der Miner nach neuen Geräten. Das zumindest sagte Blockstream CSO Samson Mow gegenüber dem Bitcoin Magazine.

Miner bald wieder billiger?

Auf der anderen Seite könnte der Preistrend mittelfristig sogar in die andere Richtung gehen. Denn wie BTC-ECHO erfahren hat, ist alsbald mit einer wahren Schwemme an Alt-Geräten auf dem Gebrauchtwarenmarkt zu rechnen. “Mining Hardware wird bald wieder günstiger, da Lieferanten ihre Lagerbestände aufgrund der Verunsicherung am Markt gerne abverkaufen würden. Die Lieferanten spüren einfach die Unsicherheit, die am Markt herrscht”, so Marggraff im Interview.


Das stünde auch nicht zwangsläufig im Widerspruch zur anhaltenden Preisdynamik am ASIC-Markt. Neugeräte von Bitmain seien deshalb nicht zu haben, weil große Farmen ihre Bestellung langfristig tätigen und bereits vor dem Verbot kräftig eingekauft hatten.

Die Bestände von Bitmain und Co. sind bereits seit Wochen ausverkauft, weil es in China immer noch große Player gibt, die sich im Vorfeld mit hunderten Geräten eindecken und damit auch die Preise dominieren. Aufgrund des Verbots in China könnte es aber sein, dass diese Geräte bald wieder günstig abgestoßen werden.

Peter Marggraff

Im Endeffekt sind hier also gegenläufige Tendenzen sichtbar: Einerseits große Bestellungen von chinesischen Minern im Vorfeld des Verbots und andererseits ein Anwachsen des Bestandes auf dem Sekundärmarkt sowie die allgemeine Verunsicherung am Markt, die die Preise bald wieder schrumpfen lassen könnten.

Neuordnung der Hashrate

Erstaunlich ist jedoch, dass die chinesische Führung das Mining in dem Land bisher doch noch nicht gänzlich auslöschen konnte. Denn nach wie vor wird das globale Geschehen von chinesischen Pools dominiert. Das zumindest legt ein Blick auf btc.com nahe; die Plätze eins bis vier belegen chinesische Mining Pools.

Die größten Mining Pools geordnet nach Hash Rate. Quelle: btc.com.

Das muss allerdings nicht heißen, dass die Mining-Geräte tatsächlich in China stehen. AntPool beispielsweise unterhält auch Farmen in Malaysia. Außerdem besagt das Prinzip von Mining Pools ja gerade eine dezentrale Verteilung der tatsächlichen Hardware, die dann nur beim jeweiligen Pool gebündelt wird. Denkbar ist darüber hinaus aber auch, dass selbst das autoritäre China einer derart gewaltigen Industrie nicht mal eben über Nacht den Garaus machen kann. Erst kürzlich erreichte uns etwa die Nachricht, dass chinesische Behörden 10.000 Geräte in der Inneren Mongolei beschlagnahmten, die ungeachtet des Verbots noch monatelang weiter geschürft hatten.

Am Ende ist aktuell noch nicht vollständig absehbar, wie sich die Industrie nach dem China-Schock weiterentwickelt. Eine Chance, dass aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energien nun aber auch Deutschland als Mining-Standort infrage kommt, gibt es aber. Dafür müssten die Strompreise aber noch deutlich sinken.



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