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Der Merge macht sie zum Risiko Läuft Ethereum 2.0 ins offene Messer der Kryptobörsen?

Der Merge verändert die Machtverhältnisse im Netzwerk. Die großen Kryptobörsen profitieren – und werden zum Risiko. Ein Gastbeitrag.

Sergey Vasylchuk
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Merge

Beitragsbild: Shutterstock

| Der Merge verteilt die Machtverhältnisse im Netzwerk neu.

Der Merge naht, das größte Update in Ethereums noch junger Geschichte. Die Umstellung von Proof of Work auf Proof of Stake wird immense Auswirkungen auf das zweitgrößte Blockchain-Netzwerk der Welt haben – und die gesamte Kryptowirtschaft.

Doch bis heute zirkulieren einige Missverständnisse, die selbst die wunderbare FAQ-Sektion der Blockchain nicht beantwortet. Auch Leute, die mit dem Merge verbunden sind, ignorieren wichtige Tatsachen. Oder verstehen sie falsch. Das können wir uns nicht leisten. Deshalb habe ich beschlossen, offen über diese Probleme zu sprechen.

Ethereum Merge: Es gibt keine 400.000 Validatoren

Ich höre immer wieder, dass es angeblich 400.000 Validatoren im neuen Netzwerk geben soll. Um einer zu werden, braucht man mindestens 32 Ethereum (rund 50.000 US-Dollar). Die Zahl der Validatoren ist einfach falsch.

Als CEO eines Unternehmens, das seine Brötchen mit der Validierung von mehr als fünfzig verschiedenen Blockchains verdient, kann ich mir vorstellen, dass Tausende von Menschen Netzwerk-Knoten starten werden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass alle von ihnen eine nahezu 100-prozentige Betriebszeit gewährleisten, die es für das Netzwerk braucht. Bald werden sich viele von ihnen die Finger verbrennen, ihr Geld verlieren und schließlich völlig demotiviert abwenden. Oder finanziell nicht mehr in der Lage, noch einmal von vorne anzufangen.

Das bedeutet, dass die Proof of Stake-Inkarnation von Ethereum nicht annähernd so viele Validierer haben wird, wie manche prognostizieren. Außerdem erwarte ich nicht, dass die Anzahl der Knoten signifikant genug sein wird, um diejenigen zu befriedigen, die einen ernsthaften Hang zur Dezentralisierung haben. Ihre Bemühungen laufen Gefahr, von einer sehr bedrohlichen Präsenz in den Schatten gestellt zu werden: den großen zentralen Kryptobörsen als Validierer.

Kryptobörsen als Validierer sind ein Makel

Schon jetzt halten die Kryptobörsen Binance, Coinbase und Kraken über 32 Prozent des für Staking eingesetzten Ethereums. Mit der Umstellung von Ethereum auf Proof of Stake im Zuge des Merge wird das Risiko, das von ihnen ausgeht, nur noch steigen.

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Dass Börsen an der Validierung teilnehmen können, geht mir persönlich auf den Keks. Es ist ein schwerwiegender Konstruktionsfehler, von dem ich nicht einmal weiß, wie er behoben werden kann. Vielleicht wird irgendein Projekt eines Tages eine Lösung finden, aber im Moment scheint das unmöglich.

Die Validierer in Proof of Stake verhalten sich vertrauenswürdig, weil ein Handeln gegen die Interessen des Netzwerks sie viel Geld kosten wird, und sie sind sich dessen bewusst. Das ist ein Anreiz für sie, gewissenhaft zu arbeiten und beispielsweise eine Betriebszeit von 100 Prozent aufrechtzuerhalten.

Aber die Kryptobörsen verwenden nicht ihre eigenen Mittel für den Stake. Sie schieben einfach das Geld ihrer Nutzer dorthin und machen Gewinne, die sie manchmal nicht einmal offenlegen. Wenn sie gegen die Interessen des Netzwerks handeln, verlieren sie nichts – im Gegensatz zu ihren Kunden, deren Token aufgrund des unfreundlichen Verhaltens einer Börse an Wert verlieren können.

Diese Börsen sind groß genug, um ein ganzes Ökosystem zu schädigen und damit davonzukommen. Da wir den Einfluss und die Größe von Ethereum kennen, könnte das ein großes Problem werden, wenn der Merge stattfindet.

Merge zieht machthungrige Menschen an

Die wichtigste Erkenntnis aus diesen Tatsachen ist kaum überraschend: Wir sind alle Menschen, und wir ziehen unsere menschlichen Unvollkommenheiten selbst in die perfekten Technologien hinein. Solange einige Menschen um der Macht willen nach Macht streben und andere dem schnellen Geld nachjagen, ohne sich Gedanken über die Bedeutung des technologischen Fortschritts zu machen, wird es immer Politik geben, auch in der Kryptowirtschaft.

Und ich befürchte, dass der Merge noch mehr solcher machthungrigen Leute in den Space bringen wird, die das Ökosystem beeinflussen können. Das ist natürlich kein Grund, den Merge selbst zu fürchten. Seine Bedeutung für die Technologie und die Entwicklung der Kryptowährungen ist kaum zu unterschätzen.

Aber wir alle müssen bereit sein, uns dieser neuen Realität zu stellen, wenn sie endlich da ist.

Über den Autoren

Sergey Vasylchuk ist Chef von Everstake, dem größten Staking-Provider der Welt. Die Firma mit Sitz in der Ukraine wurde vor vier Jahren gegründet. Sie zählt 625.000 Nutzer und betreibt über 8000 Netzwerk-Knoten für insgesamt 50 Blockchains, darunter Solana, Cosmos, und Cardano. Unser Interview mit Vasylchuck könnt ihr hier lesen.

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