Die neue Spaltung Krypto-Ökonomie: Diese deutschen Banken zählen zu den Gewinnern
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Pferderennen symbolisiert den Wettkampf unter den Banken

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In diesem Jahrzehnt findet der größte Strukturwandel statt, den die Bankenbranche je durchgemacht hat. Welche deutschen Banken verstanden haben, wie die Krypto-Ökonomie funktioniert, welcher konkrete Denkfehler einige Finanzinstitute in existentielle Not führen wird und wie Banken es schaffen, ihren Kunden wieder Zinsen zu zahlen.

Blickt man auf die Bankenbranche, dann könnten die Positionen der einzelnen Institute nicht widersprüchlicher sein. Während die einen Banken die gesamte Krypto-Ökonomie verurteilen, andere wiederum Blockchain gut finden, Bitcoin aber doof, gibt es noch die dritte Gruppe, die nicht nur die Blockchain als Abwicklungsstruktur gutheißt, sondern auch die auf ihr basierenden digitalen Assets. Gerade letztere Gruppe findet man vor allem im angelsächsischen und asiatischen Raum – und weniger in Europa.


Wasser predigen, Wein trinken

Besonders spannend ist es, wenn sich Bankvorstände wie Jamie Dimon von JP Morgan kritisch gegenüber Bitcoin äußern, selbst aber signifikant in Krypto-Start-ups investieren oder Token-Dienstleistungen, wie Verwahrung oder Brokerage, bereits anbieten respektive gegenwärtig aufbauen. Erst vorherige Woche haben die beiden amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs und JP Morgan bekannt gegeben, ihren Kunden Bitcoin-Derivate anzubieten. Auch hat Goldman Sachs in das Krypto-Start-up Coinmetrics investiert, während die Citibank äußerte, an einem Trading- und Verwahrservice für Kryptowährungen zu arbeiten. Praktisch täglich findet man derartige Meldungen, wobei es oftmals immer wieder die gleichen Institute sind, die von sich reden machen.

Deutsche Banken schicken ihre Kunden lieber zur zukünftigen Konkurrenz

Blickt man auf die bekanntesten deutschen Banken, ergo Deutsche Bank und Commerzbank, dann findet sich bei aller vorgegebenen Blockchain-Empathie keine kommerzielle Dienstleistung mit Bezug zu Kryptowährungen. Bei Sparkassen und Volksbanken sieht es nicht anders aus. Wenn Kunden dieser Banken Mitteilungen zu Kryptowährungen erhalten, dann sind es tendenziell Warnschreiben vor Bitcoin oder wie auf dem Blog der Sparkasse Förde Informationen, wie man bei anderen Anbietern in die digitalen Assets investieren kann.

Letzteres ist ein durchaus sympathischer Zug der kleinen Sparkasse. Auf der anderen Seite zeigt es aber auch: Banken sehen Krypto-Unternehmen nicht als Konkurrenz an. Die Finanzinstitute ignorieren, dass die Krypto-Unternehmen von heute die Banken-Killer von morgen sein können. Bei vielen deutschen Banken fühlt man sich an Buchhändler erinnert, die noch vor zehn Jahren keine Konkurrenz im Amazon sahen oder Hoteliers, die damals Airbnb belächelt haben.

Was die Plattformökonomie im letzten Jahrzehnt mit vielen Dienstleistungsbranchen gemacht hat, steht in dieser Dekade mit der Blockchain-Technologie und dem Finanzsektor an. Die Banken, die diesen Strukturwandel rechtzeitig verstehen, können mehr gewinnen als verlieren. Schließlich werden sich durch neue Geschäftsmodelle die gegenwärtigen Marktanteile signifikant umverteilen.

Die unscheinbaren Innovatoren

Während die meisten Deutschen ein Konto bei einer der oben genannten Banken besitzen, existieren in der Bundesrepublik weitere Banken, die weniger in der Öffentlichkeit stehen. Ihr Dienstleistungsangebot richtet sich eher an sehr vermögende Personen oder institutionelle Kunden. Im Gegensatz zu einigen börsengelisteten Banken oder Banken mit öffentlichem Auftrag, haben einige dieser Akteure die Dringlichkeit erkannt, ihr Geschäft zu transformieren und explizit Services für Kryptowährungen aufzunehmen.

Hier zu nennen wären unter anderem das Bankhaus von der Heydt, M.M. Warburg, Donner & Reuschel sowie Hauck und Aufhäuser. Sie bieten bereits heute Dienstleistungen wie unter anderem Token-Verwahrung oder Wertpapiere zu Kryptowährungen an. Auch gibt es Spezialinstitute wie das Bankhaus Scheich (Wertpapierhandel) sowie die WEG Bank (Wohnungswirtschaft) mit ihrer Marke TEN31, die digitale Assets in ihr Geschäftsmodell aufnehmen oder sogar Schnittstellen zu DeFi-Anwendungen respektive Blockchain-Protokollen bauen.


DeFi als Katalysator der Banken-Selektion

Eine Bank, die ebenfalls verstanden zu haben scheint, dass der DeFi-Sektor die Bankenbranche disruptieren wird, ist die niederländische ING Bank. Das kryptofreundliche Geldhaus erläutert in seinem Paper “Lessons Learned from Decentralized Finance”, warum die Kombination von zentral bereitgestellten Dienstleistungen (klassisches Bankgeschäft) enorm durch Schnittstellen zu dezentralen Angeboten (Blockchain-Protokolle) profitieren kann. Für eine Fallstudie hat die Bank bereits mit dem DeFi-Kredit-Protokoll Aave zusammengearbeitet.

An genau dieser Stelle zeigt sich die massive Spaltung unter den Banken. Während einzelne Institute hoffnungslos mit der Krypto-Ökonomie überfordert sind, verstehen es andere Banken, auf den Strukturwandel einzugehen. Denn Blockchain hin oder her: Banken wird es auch noch in 10, 20 oder 30 Jahren – notwendigerweise – geben. Sehr wohl wird sich aber ihre Struktur massiv verändern und verschlanken. Auch traditionelle Banken können damit zu den Gewinnern der Krypto-Ökonomie zählen.

Der große Denkfehler  

Wie das Beispiel der ING und Aave zeigt, geht es um weit mehr als die spekulative Geldanlage mit Kryptowährungen. Längst ist es auch das Kreditgeschäft, das durch Blockchain-Protokolle und ihre Token erschlossen wird. Der Sparkassen-Direktor, der an dieser Stelle zuversichtlich erklärt, dass sein Institut problemlos auf das Geschäft mit der Geldanlage in Bitcoin verzichten kann, ignoriert diesen Umstand. Sollten sich in den nächsten Jahren dezentrale Kredit-Dienstleistungen etablieren, dann haben auch die Kreditinstitute ein Problem, die nicht wissen, wie sie einen hybriden Weg zügig umsetzen können.

Bereits heute können Banken ein dezentrales Einlagengeschäft anbieten. Banken, die sich aufgeschlossen gegenüber dem sogenannten Open Banking oder API-Banking zeigen, können bereits heute attraktive Zinsgeschäfte mit Bitcoin oder DeFi-Komponente anbieten. Auch hier gibt es konkrete Beispiele wie Bitwala aus Berlin.

Wie Tagesgeld, nur mit Zinsen  

Während Banken positive Zinsen auf Einlagen abgeschafft und dafür Negativzinsen eingeführt haben, kann das Ertragskonto von der Berliner Krypto-Bank Bitwala als Gegenbeispiel für “geht halt doch” aufgeführt werden. Die Neo-Bank kooperiert dafür mit dem Kredit-Protokoll Celsius. Bitcoin oder Ether können von den Bankkunden hinterlegt werden, sodass sie für ihre Einlagen Zinsen via Celsius erhalten. Natürlich ist das Risiko höher als bei einem klassischen Tages- oder Festgeldkonto. Dennoch zeigt das Beispiel, wie eine Bank Zinsalternativen für seine Kunden schaffen kann, auch wenn diese keine Kenntnisse von der Krypto-Ökonomie besitzen.

Während manch Bankvorstand Tee trinkend auf steigende Zinsmargen hofft, entsteht eine neue Generation von Banken, die sehr wohl mehr Digitalisierung, trotz regulatorischer Hürden, umsetzen kann. Die weitere Verstaatlichung einiger deutscher Banken – der deutsche Staat hält seit der Bankenrettung immer noch über 15 Prozent an der Commerzbank – dürfte im Laufe dieser Dekade nur schwer zu umgehen sein.

Dieser Artikel erschien bei BTC-ECHO bereits am 14. Mai. Er wurde nun erneut geprüft und aktualisiert.



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