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Tulpenmanie 2.0?  Commerzbank blamiert sich mit Anti-Bitcoin-Schreiben

Krypto-skeptische Töne haben aus dem Bankenumfeld Tradition. Die Commerzbank hält an dieser Tradition fest und offenbart in einem “Insight-Bericht” vor allem eines: Bildungslücken.

Moritz Draht
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Commerzbank-Firmengebäude

Beitragsbild: Shutterstock

Bitcoin und die Commerzbank kommen wohl so schnell nicht auf einen grünen Zweig. In einem “Insight-Bericht” legt die Großbank ihre kritische Sicht auf das Asset dar und offenbart dabei einige Kenntnislücken. Die Vorurteile sind die altbekannten: Bitcoin diene der Geldwäsche, habe keinen inneren Wert und überhaupt zeige der Krypto-Markt Parallelen zur Tulpenmanie.

Commerzbank seziert Bitcoin

Bitcoin ist kein Geld: Zu diesem vernichtenden Urteil kommt der Bericht “Edelmetalle gegen Kryptowährungen”, in dem die gleichen Bedenken ertönen, wie sie seit Anbeginn der Bitcoin Blockchain zu hören sind. Auch wenn die Commerzbank richtige Argumente anführt, führt die Kernaussage des Berichts an der Wirklichkeit vorbei.

Denn der Bericht suggeriert, es handle sich bei Bitcoin um eine Schattenwährung, die Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung Tür und Tor öffne. Die zugrundeliegende Blockchain-Technologie sei “vollkommen anonym, mit allen Vor– und Nachteilen”. Ein noch immer weit verbreiteter Trugschluss: Die Blockchain-Technologie ist nicht anonym, sondern pseudonym.

Alle Transaktionen sind für alle Netzwerkteilnehmer zu jeder Zeit einsehbar. Die Bitcoin Blockchain ist eine transparente Datenbank, in der sich die Geldflüsse nachvollziehen lassen – auch für Strafverfolgungsbehörden. Durch KYC-Verfahren ist es ein Leichtes, illegale Geldströme auf Urheber zurückzuführen. Auch wenn Kriminelle den Umweg über Mixer oder Privacy Coins wie Monero gehen können, ist das Krypto-Ökosystem nicht das schwarze Loch, als das es gerne dargestellt wird. Möchte man einen Sündenbock finden, bleibt Fiat-Geld das nach wie vor beliebteste Geldwäsche-Vehikel.

Bitcoin ohne “ideellen Wert”?

Einen weiteren Kritikpunkt sieht die Commerzbank in der vermeintlichen Fehldarstellung von Bitcoin als digitale Goldversion. Durch die coronabedingte “ultraexpansive Geldpolitik” flüchten Anleger aus Inflationsschutz in die sicheren Häfen. Bitcoin werde diesem Status jedoch nicht gerecht, da es “an dem Gebrauchswert und auch am ideellen Wert” fehle.

Das Edelmetall hingegen habe “seit jeher einen hohen ideellen Wert”, was daran liege, dass “Gold nicht beliebig vermehrbar ist und seine Gewinnung mit entsprechenden Förderkosten verbunden ist”. Die These, dass Bitcoin keinen ideellen Wert habe, ist angesichts dieser Schlussfolgerung umso bemerkenswerter, treffen die gleichen Prämissen doch auch auf Gold zu. Die Förderkosten finden bei Bitcoin schließlich ihr Pendant im Proof-of-Work-Verfahren und lassen sich in Form der aufgebrachten Rechenleistung bemessen.

Wenn der Commerzbank zufolge ein entscheidendes Kriterium für den ideellen Wert sei, dass “Gold nicht beliebig vermehrbar ist”, dann müsste Bitcoin zudem das bessere Gold sein. Die Angebotsmenge von Bitcoin ist auf 21 Millionen Einheiten limitiert. Es werden nie mehr Bitcoin im Umlauf sein. Während die Bitcoin-Fördermenge transparent ist, hatte die Goldförderung in den vergangenen zehn Jahren eine Schwankungsbreite von rund 1.000 Tonnen. Das noch vorhandene Goldvorkommen basiert zudem auf Schätzungen.

Reine Glaubenssache

So kommt der Bericht zu dem wenig versöhnlichen Ergebnis, dass “digitale Währungen keine Alternative zu offiziellem Notenbankgeld und auch nicht zu Gold oder anderen Edelmetallen” sind. Einem “minimalen volkswirtschaftlichen Nutzen” stünden letztlich “große Nachteile” gegenüber. Ob Bitcoin einen Cent oder eine Million Euro wert sei, “ist reine Glaubenssache”. Der Krypto-Markt sei eine gewaltige Spekulation, vergleichbar mit einem Casino oder dem “Hütchenspiel auf der Straße”.

Auch wenn die Commerzbank in dem Schreiben zu Recht vor den Risiken eines hochvolatilen Markts warnt, zeugen diese Urteile doch von einigen unhaltbaren Vorurteilen. Die Ansicht eines “minimalen volkswirtschaftlichen Nutzen” verhöhnt geradezu Anleger, die ihr Kapital aus Sorge vor einer Geldentwertung in inflationsgeschützte Assets umschichten. Ob Bitcoin zudem eine Alternative zu Gold ist, liegt nicht im Ermessen der Commerzbank. Dass vermehrt Unternehmen Barmittel in das Reserve-Asset Bitcoin parken, belegt diesen Entwicklungsprozess. Ob Bitcoin auf lange Sicht Gold ablöst, ist letztlich eine Vertrauensfrage. Und das Vertrauen der Wirtschaft in digitale Assets wächst stetig. Nicht zuletzt ist die Wertzuschreibung von Bitcoin und Co. zudem ebenso “reine Glaubenssache” wie der Wert von Euro und Co.

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