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JP Morgan, Deutsche Bank und Co. Krypto-Etablierung im Bankensektor: Die Würfel sind gefallen

Warum J.P. Morgan ein guter Gradmesser für die Krypto-Etablierung im Bankenbereich ist, wieso Deutschland hinterherhinkt und warum Technologieunternehmen Kreditinstitute dazu zwingen, sich zeitnah mit Token-Infrastrukturen auseinanderzusetzen.

Sven Wagenknecht
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Würfel

Beitragsbild: Shutterstock

| Die Würfel sind gefallen – zumindest fast. Den Banken bleibt nicht mehr viel Zeit zur Krypto-Etablierung.

Manch einer ist sich noch unsicher, ob die Bankenwelt wirklich auf Token-Infrastrukturen umsattelt und sich Finanzinstitute auf Geschäfte mit Kryptowährungen einlassen. Wenn man genauer hinschaut, dann stellt man fest, dass sich diese Frage nach dem „Ob“ nicht mehr stellt.

J.P. Morgan begräbt Pseudo-Blockchains

Wer wissen möchte, wohin die Reise im Bankensektor geht, der muss auf die großen Finanzinstitute und Vermögensverwaltungen der USA schauen. Diese sind, so zumindest der Eindruck, den europäischen Instituten um einiges voraus. Insbesondere J.P. Morgan scheint in puncto technologischer Integration den Ton anzugeben, auch wenn ihr CEO Jamie Dimon ein Bitcoin-Kritiker ist.

Waren bislang eher private Blockchain-Lösungen, außerhalb des Kryptomarktes, die Spielwiese für Banken, so sind es nun endlich die „richtigen“ öffentlichen Blockchains. Nachdem private Blockchain-Lösungen wie Corda von R3 oder die Quorum Blockchain von J.P. Morgan nie den Absprung in die kommerzielle Nutzung geschafft haben, steigt man jetzt auf Polygon, Aave und Co. um. So hat J.P. Morgan gemeinsam mit der Zentralbank Singapurs mehre Krypto-Transaktionen auf den genannten Protokollen durchgeführt.

Deutsche Banken hinken hinterher

Manch deutsche Finanzinstitutionen scheinen aus den Fehlern von J.P. Morgan mit ihrer Quorum-Blockchain hingegen nicht zu lernen. So baut die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, an SWIAT. Dabei handelt es sich um eine DLT-Infrastruktur, die eben noch nach dem alten Prinzip einer privaten Blockchain aufgebaut ist.

An diesem Beispiel lässt sich aufzeigen, warum unsere Banken international hinterherhinken. Schließlich ist abzusehen, dass internationale Transaktionen, seien es Geldüberweisungen in US-Dollar, die Abwicklung von Wertpapieren oder das Verleihen von Kapital respektive Kryptowährungen über offene DeFi-Infrastrukturen laufen werden.

Fremdwährungskonto für Jedermann

Ein Beispiel für die Adaption von frei handelbaren Kryptowährungen im Bankenbereich ist der Stablecoin Circle, der unter anderem von Goldman Sachs gestützt wird. Immer mehr institutionelle Kunden, die internationale Geschäfte abwickeln wollen, greifen lieber auf den Stablecoin zurück als auf ein Fremdwährungskonto, das über ein Korrespondenzbankensystem über Tage hinweg seinen Weg zum entfernten Kunden sucht.

Mit Ausnahme von regulatorischen Vorbehalten und mangelnder Krypto-Etablierung gibt es kaum einen Grund, warum eine Bank ihren Firmenkunden mit internationalem Geschäft noch ein traditionelles Fremdwährungskonto einrichten sollte. Selbst für Kleinanleger aus dem Kryptosektor ist es inzwischen vollkommen normal, in Form von US-Dollar-Stablecoins eine Art Fremdwährungskonto zu besitzen. Banken, die sich auf Dauer dieser Krypto-Integration entziehen, schaffen sich letztlich selbst ab. Niemand wird in fünf Jahren noch derart langsame, teure und kaum programmierbare Infrastrukturen akzeptieren.

Altersvorsorge mit Bitcoin

Während sich manch deutsches Kredithaus in der Kriminalisierung von Kryptowährungen übt, ist es in den USA inzwischen möglich, Kryptowährungen in seine staatliche geförderte Altersvorsorge zu integrieren. So bietet Fidelity Investments, eine der fünf größten Vermögensverwaltungen der Welt, bereits sechs Kryptowährungen für die sogenannten 401k-Altersvorsorgepläne an.

Gleichzeitig baut Goldman Sachs mit Kryptodienstleistern an einem neuen Krypto-Terminal zur Informationsaggregation. Schließlich möchte sich die Wall Street auch bei digitalen Assets die Informationshoheit sichern. Jene strategischen Ansätze sind es, die man hierzulande noch zu sehr vermisst.

Technologiekonzerne zwingen Banken zur Krypto-Integration

Apple, Tesla, Visa, Mastercard, Samsung oder Meta: Sie alle gehören zu den größten und mächtigsten Unternehmen auf dieser Welt und sie alle hantieren mit Kryptowährungen beziehungsweise NFTs. Die spannende Frage lautet: Werden sie ihre Milliarden und in wenigen Jahren Billionen US-Dollar an Kapital, das in Token gebunden ist, bei Banken verwahren oder bei neuen Kryptodienstleistern? Die Bitcoin von Tesla liegen schließlich nicht bei einem traditionellen Finanzinstitut ab, sondern bei Coinbase.

Es spricht durchaus einiges dafür, dass sich zumindest die großen Institute nicht die Butter vom Brot nehmen werden. Andernfalls droht ein gigantischer Mittelabfluss von Alt- zu Neu-Instituten. Dies erklärt beispielsweise, warum Custody-Dienstleister wie Fireblocks auch im Bärenmarkt weiter stark wachsen. Zu ihren Kunden gehören unter anderem eine BNY Mellon oder BNP Paribas.

Nicht zu unterschätzen: Brain-Drain

Einen sogenannten Brain-Drain gibt es nicht nur, wenn Menschen ein Land verlassen, sondern auch, wenn sie einer bestimmten Branche den Rücken zukehren. So entscheiden sich vor allem immer mehr junge Menschen, die sich bislang für eine Karriere bei der Bank entschieden hätten, dazu, die Infrastrukturen der Zukunft aufzubauen.

Es lässt sich nicht vermeiden, dass sich engagierte und wissbegierige Mitarbeiter fragen, wo sie an der Zukunft mitarbeiten können und wo große Chancen für sie lauern. Dass die Zukunft bei den Web3-Infrastrukturen liegt, kann auch ein Bankvorstand nicht mehr kleinreden, ohne sich dabei selbst unglaubwürdig zu machen. Die zwangsläufige Krypto-Integration bei Banken geht also nicht nur auf das Management zurück, sondern ist auch eine Entwicklung, die vom Mindset eines jeden einzelnen Mitarbeiters ausgeht. 

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