Geduld, statt Panik  Krypto-Angriff: Darum werden die USA scheitern

Die USA und insbesondere die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC gehen weiterhin hart gegen den Kryptosektor vor. So schwer es die Branche aktuell treffen mag, ist dennoch nicht von einem nachhaltigen Schaden auszugehen.

Sven Wagenknecht
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USA, Krypto und Bitcoin

Beitragsbild: Shutterstock

| Der Kryptosektor hat in den USA aktuell keinen guten Stand.

Was haben Flugzeuge und Autos gemeinsam? Beide verfügen über gummierte Reifen. Sollte deswegen alle Flugzeuge und der Flugverkehr so reguliert werden wie Autos und der Straßenverkehr? Sicherlich nicht. Aus gut nachvollziehbaren Gründen kommt die Straßenverkehrsordnung nicht im Flugverkehr zum Einsatz. Die beiden Fortbewegungsmittel und ihre Umgebung, in der sie zum Einsatz kommen, sind einfach zu unterschiedlich.

In den USA, insbesondere bei der amerikanischen Wertpapieraufsicht SEC, scheint diese Logik nicht ganz zu verfangen. Weil die meisten Kryptowährungen gewisse Eigenschaften mit Wertpapieren teilen – man kann sie beispielsweise mit der Absicht auf Kurssteigerungen erwerben – sind für die SEC die meisten Kryptowährungen auch Wertpapiere. Man ignoriert die Unterschiede und konzentriert sich auf die Gemeinsamkeiten.

Die Grundlage dafür: der sogenannte Howey-Test aus dem Jahr 1946. Nach diesen Schemata wird seit über 75 Jahren festgelegt, was in den USA als Wertpapier gilt und was nicht. Lieber SEC-Vorsitzender Herr Gensler, Tradition in allen Ehren, aber finden Sie nicht, dass sich die Welt in der Zwischenzeit etwas gewandelt hat?

Krypto ist nicht Porno

Wenn Technologieunternehmen in andere Länder abwandern, ist das ein großes volkswirtschaftliches Problem. Know-how und Kapital verlassen die eigene Jurisdiktion und kommen im Gegenzug einer anderen zugute. Die USA sind nicht gerade bekannt dafür, dass sie derartige Abwanderungen begrüßen beziehungsweise ohne Weiteres zulassen.

Sicherlich, bei der Porno- und Glücksspielindustrie haben die USA das in der Vergangenheit forciert, unliebsame Branchen aus dem eigenen Land zu drängen. Das im Rahmen der sogenannten Operation Chokepoint verlorene Know-how dürfte allerdings zu verschmerzen sein.

Bei ihrer aktuellen Operation Chokepoint 2 geht es allerdings um das Web3, eine Grundlagen- beziehungsweise Infrastruktur-Technologie. Eine vollkommen andere Situation als noch 2013 als man gegen Escort-Dienste, Silvester-Raketen und den Verkauf von Tabak vorgegangen ist.

Angst bestimmt die USA

Dass die USA so hart gegen die Krypto-Industrie vorgehen, lässt sich primär mit der Angst vor einem US-Dollar-Dominanzverlust sowie einem generellen Bedeutungsverlust erklären. Die Ängste mögen in Teilen verständlich sein, nur wäre es naiv zu glauben, dass man davor die Augen verschließen könnte.

Wie bereits geschrieben: Wir leben nicht mehr im Jahr 1946. Auch ohne die Zustimmung der USA etabliert sich die Krypto-Ökonomie rund um den Globus.

China und EU als Nutznießer

Derweil dürfte den krypto-freundlichen Vertretern in den USA der Mund vor Wut schäumen. Während die eigenen Regulierungsbehörden auf die Krypto-Unternehmen einschlagen, lädt Hongkong Coinbase und andere Branchenvertreter zu sich ein, um über zukünftige Geschäftstätigkeiten in der chinesischen Sonderwirtschaftszone zu sprechen.

Absurd, bedenkt man, dass die Stimmung zwischen den USA und China alles andere als gut ist. Der Umstand, dass man Kapital und Know-how in chinesische Hände spült, erhöht das politische Eskalationspotential ungemein.

Zumal es längst nicht nur Hongkong ist, das sich der Krypto-Ökonomie öffnet – siehe MiCA in der EU. Genau dieser Umstand stimmt positiv: Immer mehr Menschen in den USA sind nicht mehr bereit, den Krypto-Angriff von Gary Gensler und Politikern wie Elizabeth Warren zu unterstützen. Zu viele Menschen in den USA besitzen bereits Krypto, zu viele Investoren und Unternehmen sind nicht bereit, sich an der Nase herumführen zu lassen.

Die USA werden zurückrudern (müssen)

Mit jedem weiteren Tag gerät die Anti-Krypto-Kampagne der US-Regierung immer stärker unter Druck. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis die Ambitionen der Krypto-Gegner endgültig in Leere laufen.

Selbst eine Autokratie wie China, die es deutlich leichter hat, gegen Krypto vorzugehen als die USA, hat es nicht wirklich geschafft. Dass sich Hongkong öffnet, ist ein Zeichen dafür, dass China von seinem harten Anti-Krypto-Kurs scheibchenweise Abstand nimmt. Zumal man in China die Krypto-Aktivität in der Bevölkerung nie ganz zum Erliegen gebracht hat.

Als liberale Demokratie sind der US-Regierung die Hände um ein Vielfaches enger gebunden. Regulierungsbestrebungen, die signifikante Einschränkungen des Kryptosektors vorgeben, sind daher kaum nachhaltig umzusetzen. Wenn es nach den Republikanern gehen würde, wäre der SEC-Chef Gary Gensler längst nicht mehr im Amt. Doch selbst bei einem Wahlsieg der Demokraten in kommenden Jahr dürfte der steigende Druck einen Rücktritt immer wahrscheinlicher werden lassen.

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