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Hosting-Wettrüsten Wird Ethereum so wieder dezentraler?

Nach dem Merge gerät das Ethereum-Netzwerk wegen zunehmender Zentralisierung unter Druck. Was helfen soll? Gesunder Wettbewerb zwischen Cloud-Providern und Node-Hostern.

Dominic Döllel
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Ethereum

Beitragsbild: Shutterstock

| Dezentralität strebt nach einer gleichmäßigen Verteilung aller Bestandteile, unter allen Netzwerk-Teilnehmern.

Vor knapp einem Monat ist die Umstellung des Konsensmechanismus von Ethereum geglückt. Was seit mehreren Jahren geplant war, konnte endlich zufriedenstellend umgesetzt werden: der Merge. Mit dem vermeintlichen Upgrade sollte Skalierbarkeit erhöht und der Stromverbrauch gesenkt werden. Was allerdings schon vorher klar war: Die Dezentralität schrumpft.

Dezentralität bei Ethereum bröckelt

Das Staking will gelernt sein. Nicht jeder “0815-Kryptobro” kennt sich mit den exakten Restriktionen aus. Um ein ETH-Staking-Validator zu werden, muss man 32 Ether staken. Zudem muss jeder Validator rund um die Uhr online sein und eine bestimmte Software auf einem Computer ausführen, um sich am Validierungsprozess von Transaktionen beteiligen zu können. Im Gegenzug dafür erhalten Validatoren Staking-Belohnungen in ETH. Derzeit lässt sich damit eine jährliche Rendite von etwa 5 Prozent auf Ether erzielen.

Dieser Umstand hat einen Markt für Projekte wie Lido und andere Staking-Anbieter geschaffen, die es auch Kleinanlegern ermöglichen, sich mit einem beliebigen ETH-Betrag am Staking zu beteiligen. Lido und andere Anbieter bündeln die Einlagen ihrer User in 32-ETH-Blöcken und übergeben diese an eine Vielzahl von professionellen Staking-Betreiber, die die Hardware für die Validatoren bereitstellen und diese verwalten.

Ethereum-Staking-Rangliste nach Prozent. Quelle: Rated.

Weil größere Staking-Pools wie Lido eine höhere Chance haben, den nächsten Block zu validieren – und damit die Staking-Belohnung zu kassieren – vertrauen immer mehr Kunden ihre Ether Lido an. Perfekte Voraussetzungen für die zunehmende Zentralisierung.

Dezentralität durch Hosting-Optimierung

Zugespitzt hat sich die Situation Ende August. Der deutsche Cloud-Dienst Hetzner GmbH hat sich damals in seinen AGBs klar gegen jedwede Aktivitäten rund um Kryptowährungen ausgesprochen. Kurz vor dem Ethereum Merge bedeutete das einen 16-prozentigen ETH-Knotenpunkt-Verlust. Das Vertrauen in zentral gesteuerte Hoster ist ein noch ungelöstes Dilemma für die Blockchain.

Eine Kooperation zwischen OVHcloud, dem europäischen Marktführer für Hosting-Dienstleistungen und dem Unternehmen Bitfly, das hinter dem ETH-Pool Ethermine steht, setzt hier an. Um gegen die Zentralisierung vorzugehen, stellen die beiden Unternehmen weltweit verteilte Rechenzentren zur Verfügung. Gegenüber BTC-ECHO erklärt Robert Jandt, Business Development Manager bei OVHcloud, wie mit dieser Verantwortung umgegangen wird.

OVHcloud unterstützt als multilokaler Cloud-Anbieter den dezentralen Ansatz auch innerhalb unseres Netzwerks, indem wir Nutzer:innen die Wahl zwischen mehreren internationalen Rechenzentren bieten – aktuell sind dies 33 Datacenter auf vier Kontinenten.

Robert Jandt, Business Development Manager, OVHcloud

Wettbewerb begrüßenswert

Funktionierender Wettbewerb ist essenziell für das Bestehen eines jeden Marktes. Bündelt sich der größte Marktanteil bei einem Anbieter, kann dieser über Preis, Zensur und Angebot entscheiden. Das beste Beispiel hierfür: AWS-Hosting. Rund 54 Prozent aller Ethereum-Nodes laufen nämlich über den Amazon Web Service. Sollte sich der Internet-Großhändler gegen Kryptowährungen und deren Staking entscheiden, käme es zum temporär einschneidenden Validatoren-Verlust. Die gefürchtete 51 Prozent Attacke: ein Katzensprung entfernt. Bitfly sieht hier Verbesserungsbedarf.

“Butta”, CMO und Sprecher bei Bitfly, bestätigt BTC-ECHO, dass die Grundvoraussetzung für die Dezentralität von Ethereum ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Home-Stakern und unternehmensseitig betriebenen Nodes ist.

Solange die [Dezentralität] gegeben ist, ist auch ein gesunder Wettbewerb zwischen den Cloud-Providern begrüßenswert, da er Wahlfreiheit ermöglicht.

“Butta”, CMO und Sprecher, Bitfly

Mit dem Energie-Staatskonzern Électricité de France (EDF) gibt es bereits einen kleinen Teilnehmer am gesamten Wettbewerb. Jüngst gab der größte Energieversorger Frankreichs bekannt, aktiv mehr als 150 Ethereum Knotenpunkte zu betreiben.

Wieder mehr Dezentralität in Aussicht?

Quit pro Quo. Der Plan von OVHcloud und Bitfly eine “langfristige Sicherheit für das Node-Hosting” zu bieten, um zur Dezentralität beizutragen, ist schön und gut. Wechseln allerdings Validatoren von AWS zu OVHcloud, verschieben sich lediglich die Marktanteile der jeweiligen Anbieter. Mit den “internationalen Rechenzentren” wird immerhin das Problem der politischen Zensur aufgegriffen.

Podcast

Ob der wachsende Wettbewerb zu Lido oder AWS zu mehr Dezentralität auf dem Ethereum-Netzwerk führt, bleibt abzuwarten. Es ist und bleibt ein Blockchain-Trilemma.

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