Unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh zeichnet sich eine geldpolitische Kehrtwende ab. Dominic Weibel, Head of Research bei Bitcoin Suisse, erkennt darin einen grundlegenden Wandel: “Wie erwartet, zeichnet sich unter Kevin Warsh ein neues Fed-Regime ab, das weniger Leitplanken setzt und dem Markt wieder das Steuer überlässt.” Drei Notenbankmitglieder stimmten bereits für eine Zinserhöhung, was die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Schritts im September erhöhen dürfte.
Die Marktteilnehmer müssen diese veränderten Bedingungen erst noch verdauen. “Für Bitcoin und andere Risikoanlagen bedeutet das kurzfristig Gegenwind, denn höhere Finanzierungskosten binden Liquidität und machen vermeintlich ‘sichere’ Renditen wieder zu einer ernsthaften Alternative”, schreibt Krypto-Experte Weibel in einer BTC-ECHO vorliegenden Pressemitteilung.
US-Zinskurve klettert auf Niveaus von 2007
Obwohl die Notenbank den Leitzins vorerst unangetastet ließ, übernimmt der Anleihemarkt die geldpolitische Straffung schrittweise selbst. Das lange Ende der Zinskurve liefert dabei ein deutliches Signal: Während die zweijährige US-Rendite nach der Entscheidung nachgab, stieg die 30-jährige Rendite auf über 5,2 Prozent. “Dass die 30-jährige Rendite damit wieder auf Niveaus von 2007 zurückkehrt, ist zumindest symbolisch bemerkenswert”, konstatiert Weibel. Damals nahm die globale Finanzkrise ihren Anfang, aus deren institutionellem Vertrauensbruch wenig später Bitcoin als erste Kryptowährung hervorging.
In diesem historischen Kontext wird die fundamentale Stärke dezentraler Protokolle deutlich. Steigt die Risikoprämie auf Staatsverschuldung und leidet das Vertrauen in traditionelle Wertspeicher, öffnet sich neuer Handlungsspielraum am Markt. “Gold, Bitcoin und Ether verkörpern diese These am unmittelbarsten“, stellt Weibel fest. Auch wenn die hohen Renditen der Staatsanleihen aktuell auf die Liquidität schlagen, unterstreichen sie die langfristige Relevanz des Krypto-Sektors.
Der Research-Chef von Bitcoin Suisse bilanziert abschließend: “Kurzfristig drücken hohe Renditen auf Liquidität, langfristig erinnern sie den Markt aber auch an die Investmentthese hinter knappen und nichtstaatlichen Vermögenswerten.”
