DeFi-Monitor Fallende Kurse und ein “Bank Run” – was passiert gerade im DeFi-Sektor?
Leon Waidmann

von Leon Waidmann

Am · Lesezeit: 4 Minuten

DeFi Fire

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Fallende Kurse und ein “Bank Run” bei Iron Finance. Der Sektor für Decentralized Finance (DeFi) kommt nicht so richtig vom Fleck und einige Investoren sind verunsichert – zu Recht?

Nicht nur die Kurse vieler DeFi-Projekte sind in den letzten Wochen gefallen, auch das Handelsvolumen an dezentralen Börsen (DEX) ist deutlich zurückgegangen. Wenn man einen Blick auf die Ethereum-Transaktionskosten und das DEX-Volumen wirft, sieht man, dass diese ebenfalls stark gesunken sind. Dabei scheint der Rückgang nicht rein zyklischer Natur gewesen zu sein.


Das Handelsvolumen an dezentralen Börsen wie SushiSwap (SUSHI) oder UniSwap (UNI) ist auf der Ethereum Mainchain um über 80 Prozent gefallen.

DeFi
Quelle: sushiswap.vision, SushiSwap-Handelsvolumen (Ethereum Blockchain)

Gleichzeitig zeigen die Daten von etherscan.io, dass der Gebührenwucher bei Ethereum ein Ende hat. Zum Vergleich: Am 23. Februar mussten Investoren durchschnittlich 373 Gwei zahlen, während es derzeit gerade einmal neun Gwei pro Transaktion sind.

Etherscan.io
Quelle: etherscan.io, Gas-Gebühren

Das stellt einen Rückgang von über 95 Prozent dar. Darüber hinaus musste auch der “ETF-Token” DeFi Pulse Index (DPI) einen Kursrückgang verzeichnen. Auf Wochenbasis fällt DPI um 6,68 Prozent. Aber warum sinkt das DEX-Handelsvolumen auf der Ethereum Mainchain und wieso fallen die ETH-Transaktionskosten derzeit so stark?

Veränderungen bei Decentralized Finance auf Ethereum

Wie so oft sind mehrere Faktoren für die Rückgänge verantwortlich. Zuallererst wäre da Polygon. Die Ethereum-Skalierungslösung hat in den letzten Wochen einen regelrechten Boom erlebt. Der Total Value Locked (TVL), also das auf der Blockchain von Polygon befindliche Kapital, umfasst inzwischen über sechs Milliarden US-Dollar.

Darüber hinaus sind Liquiditätspools für Liquiditätsanbieter auf Plattformen wie SushiSwap oder Quickswap derzeit äußerst profitabel und die Transaktionskosten sind gering. Sie haben sogar dafür gesorgt, dass Starinvestor und Milliardär Mark Cuban in Polygon (MATIC) investiert hat.

Zudem ist es mittlerweile so, dass ein großer Teil des Handelsvolumens das einst auf der Ethereum Blockchain von dezentralen Börsen abgewickelt wurde, mittlerweile zu Polygon gewandert ist. Am besten erkennt man das am Beispiel von SushiSwap. Während das Handelsvolumen von SushiSwap auf der Mainchain von Ethereum kontinuierlich gesunken ist (siehe oben), ist das SushiSwap-Handelsvolumen und der TVL auf Polygon stetig wachsen.

DeFi SushiSwap Polygon
Quelle: SushiSwap Analytics, SushiSwap-Handelsvolumen und Liquidität (Polygon)

Aber das ist nicht der einzige Grund, warum die ETH-Transaktionskosten derzeit so niedrig sind. Insbesondere der Rückgang der Volatilität und Kurse vieler Kryptowährungen ist dafür verantwortlich, dass die Aktivität im DeFi-Space gesunken ist.


Wenn die Märkte volatil und auf dem Weg nach oben sind, bedeutet das, dass es deutlich mehr Transaktionen gibt, da Trader ihre Positionen aktiver verwalten. Zudem gibt es in solchen Marktphasen viel mehr Transaktionen auf Ethereum, da mit risikoreicheren Kryptowährungen wie SafeMoon oder Shiba Inu spekuliert wird.

Daher führen niedrigere Volatilität und sinkende Kurse dazu, dass es weniger Spekulations- und Arbitragemöglichkeiten für Trader gibt. Das hat wiederum zur Folge, dass die gesamte Aktivität im DeFi-Space ebenso wie die Transaktionsgebühren zurückgehen.

Ist der DeFi-Sektor tot?

Wohl kaum. Nach wie vor befinden sich mehrere Milliarden US-Dollar in den Smart Contracts von DeFi-Anwendungen und immer mehr Entwickler strömen in den aufstrebenden Sektor. Zudem investieren Anleger nach wie vor massiv in den DeFi-Space – zuletzt sammelte das DeFi-Projekt dYdX in einer Finanzierungsrunde 65 Millionen US-Dollar von Investoren ein.

Dennoch steckt der Sektor nach wie vor in den Kinderschuhen und unerfahrene Investoren müssen vorsichtig im Wilden Westen der Decentralized Finance sein. Der jüngste “Bank Run” bei Iron Finance stellt das erneut unter Beweis.

Von 100 auf 0: “Bank Run” vernichtet Millionen

Der Kurs des DeFi-Projektes Iron Finance (TITAN) ist in der Nacht zum 17. Juni massiv eingebrochen. Von 65 USD ist TITAN binnen weniger Stunden auf fast 0 USD (0.000008225 USD) gefallen und damit praktisch wertlos geworden. Das Team von Iron Finance hat mittlerweile einen Bericht veröffentlicht, der aufklärt, warum es zum TITAN-Crash kam.

Demnach hätten große Investoren massive Verkäufe vorgenommen, die bei den anderen TITAN-Inhabern Panik verursacht haben. Die Folge: Viele verkauften massenweise ihre Titan Token. Das Team spricht von einem modernen “Bank Run”.

Was wir gerade erlebt haben, ist das Schlimmste, was dem Protokoll passieren könnte, ein historischer Bank Run im modernen High-Tech-Krypto-Space. Denkt daran, dass Iron.finance ein teilweise besicherter Stablecoin ist, der ähnlich wie das Mindestreserve-Banking der modernen Welt ist. Wenn die Leute in Panik geraten und zur Bank rennen, um ihr Geld in einem kurzen Zeitraum abzuheben, kann und wird die Bank zusammenbrechen.

Auch Mark Cuban wurde zum Opfer dieses Vorfalls und hat sich nun zum Vorfall bei Iron Finance geäußert. Gegenüber dem US-Nachrichtenportal Bloomberg räumt der Starinvestor ein, “zu faul” gewesen zu sein, um die Mathematik des algorithmisch gedeckten Stablecoins IRON zu durchdringen. Dabei regte Cuban an, dass es regulatorische Richtlinien für Stablecoins geben sollte.


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