Fundamentaldaten Evolution der Token: Haben DeFi-Projekte einen inneren Wert?
Leon Waidmann

von Leon Waidmann

Am · Lesezeit: 4 Minuten

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Seit einiger Zeit erstellen Blockchain-Entwickler alle Arten von Token auf Ethereum. Vor allem Token aus der Decentralized Finance (DeFi) sind seit letztem Jahr äußerst beliebt im Krypto-Space. Einige von ihnen haben tatsächlich einen inneren Wert – woher kommt dieser?

Die Möglichkeit, einen Token auf Ethereum (ETH) zu erzeugen, existiert im Grunde schon seit der Erfindung von Ethereum und ist im Vergleich zu DeFi kein neues Phänomen. Im Laufe der Zeit sind so viele verschiedene Varianten von Token entstanden.


Von Utility Token, die über ein Initial Coin Offering (ICO) verkauft werden, über Non-fungible Token (NFT), bis hin zu den im DeFi-Space weit verbreiteten Governance-Token oder eben auch Memecoins, hat die Ethereum-Community schon allerlei Token-Experimente miterlebt.

Dieses für Neulinge schwer verständliche Wirrwarr an Token hat in vielen Köpfen dafür gesorgt, dass Token als nutzlos angesehen werden. Viele denken, dass sie lediglich zu Spekulationszwecken dienen und keinen fundamentalen Mehrwert bieten. Aber wie bei so vielen Dingen in der Krypto-Welt ist das nur ein Teil der Wahrheit.

Vor allem in der Welt der Decentralized Finance entstehen derzeit fast täglich neue Token-Modelle. Diese Modelle unterscheiden sich grundlegend von NFT oder Memecoins. Sie könnten in naher Zukunft insbesondere für Investoren aus der traditionellen Finanzwelt äußerst interessant sein.

Was sind Governance-Token?

Die meisten DeFi-Token auf Ethereum sind in erster Linie Koordinationswerkzeuge. Sie ermöglichen es Menschen auf der ganzen Welt zusammenzukommen, um gemeinsam Ziele zu erreichen. Um das zu erreichen, erhalten Inhaber vieler DeFi-Token Mitspracherechte oder in manchen Fällen auch monetäre Belohnungen oder andere Vorteile.

Das bekannteste Beispiel für diese Art von Token sind “Governance Token”. Viele DeFi-Projekte haben seit Mitte letzten Jahres “Governance Token” an ihre Community ausgegeben. Zu den bekannteren Projekten, die das getan haben, gehören beispielsweise SushiSwap (SUSHI), Uniswap (UNI), Compound (COMP) oder 1inch (1INCH). Diese Protokolle haben unter anderem Liquidity-Mining-Programme oder Airdrops genutzt, um Governance-Token an ihre Community-Mitglieder zu verteilen.

In der Regel werden diese Art von Token als “wertlos” verkauft (wahrscheinlich aus regulatorischen Gründen). Ihre Inhaber können sie daher in den meisten Fällen nur dazu nutzen, um bei Protokolländerungen abzustimmen oder um Protokolländerungsvorschläge miteinzubringen. Bekannte Token, die derzeit ausschließlich zu diesem Zweck einsetzbar sind, sind UNI, COMP und Index Cooperative (INDEX).

Der Sinn dieser Token besteht daher darin, DeFi-Protokolle zu dezentralisieren. Die Community soll so ein Gefühl der gemeinsamen Eigentümerschaft bekommen. Zudem sollen dadurch sowohl die Nutzerinteressen als auch die Interessen der DeFi-Protokollbetreiber miteinander verschmelzen. Governance-Token können deswegen alles andere als nutzlos sein.


Ein Kritikpunkt an Governance-Token ist die Verteilung der Token. Bei manchen DeFi-Projekten kommt es nämlich vor, dass ein Großteil der Token bereits in frühen Investitionsrunden in den Besitz von wenigen Personen oder Gruppen fließen. Diese zentralisierte Verteilung kann zur Folge haben, dass langfristig nachteilige Effekt für das DeFi-Protokoll entstehen.

Können DeFi-Token einen inneren Wert haben?

Viele User erachten existierende Governance-Token als vollkommen wertlos, weil sie lediglich Stimmrechte und keine Beteiligungen an den Einnahmen eines DeFi-Protokolls gewähren. Anthony Sassano, Mitgründer der Ethereum-Analyseseite ethhub.io, erachtet diese Sichtweise als kurzsichtig:

Ich denke, dass dies eine kurzsichtige Sichtweise ist, da viele DeFi-Protokolle noch unglaublich jung sind. Ich halte es deshalb für sinnvoll, dass der Großteil der Einnahmen, die sie generieren, wieder in das Wachstums des Protokoll reinvestiert werden, anstatt diese an passive Token-Inhaber auszuzahlen.

Es ist nämlich sehr wohl schon heute möglich, dass Token-Inhaber von DeFi-Protokollen an den Einnahmen eines DeFi-Projekts beteiligt werden. Beispielsweise haben die Token-Inhaber von SushiSwap und Aave (AAVE) bereits dafür gestimmt, dass SUSHI- und AAVE-Inhaber an einem Teil der Protokolleinnahmen beteiligt werden, wenn sie ihre Token staken.

SushiSwap DeFi Prtokolleinnahmen
Quelle: Token Terminal, SUSHI-Marktkapitalisierung vs. SUSHI-Protokolleinnahmen

Wenn man sich die obige Grafik von Token Terminal anschaut, erkennt man, dass SushiSwap mittlerweile fast täglich über 300.000 US-Dollar an Protokolleinnahmen generiert. Derzeit hat die SUSHI-Community dafür gestimmt, dass knapp 0,05 Prozent dieser Einnahmen, also knapp 15.000 US-Dollar täglich, direkt zurück an alle SUSHI-Staker fließen.

Aus diesem Grund können Governance-Token tatsächlich einen fundamentalen Wert haben. Die Community eines DeFi-Projekts muss sich dafür lediglich dazu entscheiden, Protokolleinnahmen an Token-Inhaber auszubezahlen. Der fundamentale Wert eines Tokens lässt sich dann direkt aus den Einnahmen des DeFi-Protokolls ableiten. Wie viel Einnahmen die verschiedenen DeFi-Token generieren, kann man auf Token Terminal einsehen.

Fazit

In den kommenden Monaten und Jahren ist es wahrscheinlich, dass wir noch eine Vielzahl von Token-Modellen erleben. Viele der Modelle werden scheitern, aber einige von ihnen könnten durchaus Substanz haben und genutzt werden, um über kapitalstarke Netzwerke zu regieren.

In Zukunft wäre es daher denkbar, dass insbesondere Anleger aus der traditionellen Finanzwelt in den DeFi-Space strömen. Das liegt daran, dass sich eine Vielzahl der DeFi-Token in naher Zukunft auch mit Bewertungsmaßstäben aus der traditionellen Finanzwelt bewerten lassen werden.


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