Ciphertrace Jede zweite Bitcoin-Börse erhebt zu wenig Kundendaten
Anton Livshits

von Anton Livshits

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Schreibmaschine schreibt „Do you know your customer?“

Quelle: Shutterstock

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Bitcoin und Geldwäsche. Bis heute ist es Kryptowährungen nicht gelungen, ihre Assoziation mit zwielichtigen Finanzpraktiken gänzlich abzustreifen. Eine neue Studie von Ciphertrace zeigt: Krypto-Börsen und vergleichbare Dienstleister haben in puncto Anti-Geldwäsche-Maßnahmen ungebrochen großen Nachholbedarf.

 56 Prozent aller Bitcoin-Börsen legen im Jahr 2020 zu wenig Wert auf eine angemessene Identifikation ihrer Kunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Blockchain-Analysefirma Ciphertrace. Das Unternehmen untersuchte Know-Your-Customer-Verfahren von 800 Krypto-Börsen und vergleichbaren Dienstleistern aus 80 Staaten.

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Know Your Customer (KYC) ist ein wichtiges Element bei der Bekämpfung von Geldwäsche-Aktivitäten. Die hierfür zuständige internationale Financial Action Task Force (FATF) hatte deshalb bereits vor einem Jahr gefordert, dass Bitcoin-Börsen verstärkt Kundendaten einsammeln. Laut Ciphertrace lässt sich seitdem tatsächlich eine Verbesserung feststellen. 2019 verfügten noch 65 Prozent der 120 beliebtesten Bitcoin-Börsen über unzureichende KYC-Maßnahmen. Im Jahr 2020 gilt zumindest aus Sicht von Ciphertrace indes ungebrochen, dass Krypto-Asset-Dienstleister „in Sachen Compliance noch einen weiten Weg vor sich haben.“

Europas Bitcoin-Börsen schneiden schlecht ab

Die meisten der untersuchten Bitcoin-Börsen und Krypto-Dienstleister befinden sich in Europa. Den vergleichsweise hohen regulatorischen Anforderungen auf dem Kontinent zum Trotz, schneiden dabei 60 Prozent der europäischen Anbieter in Sachen KYC defizitär ab. Europa steht damit im Kontrast zum Asien-Pazifik Raum. Dort finden sich zwar mengenmäßig ebenfalls viele Kypto-Dienstleister, deren KYC-Konzept ausbaufähig ist. Der prozentuale Anteil an Anbietern mit gutem KYC ist jedoch überproportional hoch.

Auf Länderebene bilden die USA, Singapur, Großbritannien und Russland das Schlusslicht der Studie. Ganze 80 Prozent der russischen Bitcoin-Börsen führen laut Ciphertrace eine mangelhafte Überprüfung von Kundendaten durch.

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In Afrika kristallisieren sich unterdessen die Seychellen als Geldwäsche-Hotspot heraus. 72 Prozent aller Bitcoin-Dienstleister aus Afrika sind auf den Inseln gemeldet, 70 Prozent von ihnen attestiert Ciphertrace dürftige KYC-Maßnahmen. Da scheint es kaum verwunderlich, dass der Großteil der Kunden jener Börsen aus dem Ausland stammt.

DeFi könnte „Oase für Geldwäscher“ sein

Neben den Bitcoin-Börsen stehen auch DeFi-Dienste im Fokus der Studie. Die Verfasser weisen dabei darauf hin, dass DeFi-Plattformen als Folge von regulatorischen Unklarheiten sehr anziehend für Geldwäscheoperationen sein können.

90 Prozent aller DeFi-Dienstleister verfügen demnach nur über ein mangelndes KYC-Konzept, ganze 81 Prozent stellen die Identitäten ihrer Kunden überhaupt nicht fest. Hinzu kommt, dass von den 51 untersuchten DeFi-Börsen lediglich 21 überhaupt ein Herkunftsland angegeben haben. Die übrigen verweilen in Anonymität.

Ciphertrace weist in Sachen Decentralized Finance darauf hin, dass die Financial Action Task Force DeFi-Börsen bereits als Krypto-Asset-Dienstleister ansieht. In der Europäischen Union wird die geplante Krypto-Verordnung MiCA ebenfalls nicht nur Bitcoin-Börsen betreffen, sondern auch den DeFi-Space.


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