Hoffnungen erstickt? BMF zeigt sich beim Krypto-Steuerentwurf uneinsichtig
Daniel Hoppmann

von Daniel Hoppmann

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Das Gebäude des BMF in Berlin.

Quelle: Shutterstock

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Ende Juni schockte das BMF den Krypto-Space mit einem Steuerentwurf und lud im Anschluss Experten zu einer Anhörung ein. Diese ist gestern zu Ende gegangen. Das Fazit – ernüchternd.

Als das Bundesfinanzministerium Ende Juni einen Steuerentwurf veröffentlichte, protestierte der Krypto-Space. Sowohl Anleger als auch Experten empfanden die Vorfassung als zu hart. Vor allem die Anhebung der Haltefrist beim Staking und Lending auf zehn Jahre stand im Mittelpunkt der Kritik. Dadurch würde der Krypto-Standort Deutschland unattraktiv – vor allem für Proof-of-Stake-basierte Start-ups. Das BMF versuchte zu beschwichtigen, bat um Feedback aus der Branche und lud im Anschluss Experten aus der Blockchain-Szene zu einer Anhörung ein. Hoffnung keimte auf.


Die Veranstaltung ging gestern zu Ende. Das Fazit – ernüchternd. Denn wie mehrere Teilnehmer gegenüber BTC-ECHO berichten, zeigt sich das BMF uneinsichtig bei der Zehnjahresfrist, obwohl man den Widerspruch zur Kenntnis genommen habe. Der Geschäftsführer des Krypto-Steuerdienstleisters Pekuna, Werner Hoffmann, kommentierte die Anhörung folgendermaßen:

Die Online-Veranstaltung war insgesamt gut organisiert und mit drei Stunden auch sehr intensiv. Die geleitete Diskussion war bei den meisten Themen offen und bei manchen Änderungswünschen, wie beispielsweise dem Airdrop oder Fork, signalisierte das BMF durchaus Kompromissbereitschaft. Die Position zum Staking und Lending wurde jedoch stark verteidigt. Es ist nun relativ unwahrscheinlich, dass die Zehnjahresfrist nicht mehr kommt. Hier hat Deutschland wirklich die Chance verspielt, eine Spitzenrolle für eine neue Technologie einzunehmen.

Werner Hoffman zum Krypto-Steuerentwurf des BMF

Eine Unklarheit wurde aus dem Weg geräumt, allerdings zuungunsten der Krypto-Holder: Wer Staking mit bereits steuerfreien Coins betreibt, unterliegt zukünftig ebenfalls der Zehnjahresfrist.

Darüber hinaus meint der Steuerexperte, dass das BMF noch weitere Defizite im Krypto-Space erkannt habe. Dazu zählten NFT, Gaming Token, Wrapped Assets und Liquidity Mining. Die Arbeitsgruppe werde ihre Tätigkeiten deshalb fortsetzen, um den Entwurf regelmäßig zu ergänzen.

BMF hält an Krypto-Umtäuschen als steuerbaren Vorgang fest

Die Krypto-Steuerkanzlei “Alliance Crypto Crime Defense” war ebenfalls bei der Anhörung des BMF zugegen. Die Ergebnisse stoßen auch den Juristen sauer auf – auch über die Zehnjahresfrist hinaus. So meint etwa Tax Compliance Officer Thorsten Franke-Roericht:


Auch der Ansatz, Umtäusche von einer Kryptowährung in eine andere als steuerbaren Vorgang zu erfassen, wird wohl nicht aufgegeben. Überzeugender ist da zum Beispiel die Umsetzung in Frankreich, die den Steuerfall erst bei einer Umwandlung von Krypto in Fiat-Geld auslöst. Dem konnte das BMF nichts abgewinnen, da es inzwischen möglich sei, beispielsweise per Krypto-Kreditkarte einzukaufen, der Weg zurück in Fiat, also unter Umständen, gar nicht mehr erfolge.

Thorsten Franke-Roericht, Tax Compliance Officer bei Alliance Crypto Crime Defense

Der Fachanwalt für Wirtschaftsstrafrecht erachtet dabei auch ein strafrechtliches Thema als ungeklärt:

Hinzu kommt ein mögliches Steuer-strafrechtliches Thema: Sind Steuerpflichtige zum Beispiel verpflichtet, eine Berichtigung ihrer Steuererklärungen vorzunehmen, wenn sie nun feststellen, dass ihre Ansicht von den Auslegungen der Finanzverwaltung abweicht? Hierzu äußerte ein Vertreter des BMF, es sei in der Tat ein Problem, wenn das Finanzamt nicht in die Lage versetzt werde, den Krypto-Sachverhalt eigenständig zu prüfen.

Thorsten Franke-Roericht, Tax Compliance Officer bei Alliance Crypto Crime Defense

Positionsänderung nach der Bundestagswahl?

Insgesamt scheint das BMF die Konsequenzen der Anhebung der Haltefrist auf zehn Jahre nicht besonders ernst zu nehmen. Im Interview mit BTC-ECHO sprach Pekuna-Chef Hoffmann von einem Abwanderungstrend von Krypto-Start-ups, der sich bereits heute schon abzeichne. Vor allem Portugal gelte innerhalb der Szene als heißer Favorit. Die Auswirkungen des Krypto-Steuerentwurfs auf den Blockchain-Standort Deutschland könnten folglich gravierend sein. Ein Umstand, der die kommende Regierung beschäftigen dürfte.

Mit der Bundestagswahl im September werden die Karten neu gemischt. Unter anderem wäre auch eine Neubesetzung des Finanzministerpostens denkbar. FDP-Parteichef Christian Lindner hatte sich bereits im Vorfeld um diese Aufgabe beworben. Mit den aktuell guten Umfragewerten gelten die Liberalen als wichtiger Verhandlungspartner für eine Koalitionsbildung. Zudem zeigen sich im Wahlprogramm durchaus Krypto-freundliche Töne. Ob sich damit jedoch der Steuerentwurf in dieser Form abwenden lässt, bleibt mindestens so unklar wie die “K-Frage”.

Wenn ihr wissen wollt, welche Positionen die sechs Bundestagsparteien in Bezug auf Krypto und Co. einnehmen, sei euch die kommende Ausgabe des Kryptokompass ans Herz gelegt. Darin werden wir die Wahlprogramme der einzelnen Parteien dem Krypto-Check unterziehen.


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