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Bitfinex-Hack Dieses Ehepaar wollte 4,5 Milliarden US-Dollar in Bitcoin waschen

Ein Rapvideo, diverse Forbes-Artikel und einige Unternehmensgründungen: Das ist über das Ehepaar bekannt, das mutmaßlich 4,5 Milliarden US-Dollar in Bitcoin aus dem Bitfinex-Hack waschen wollte.

Moritz Draht
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Die vermeintlichen Bitfinex Hacker Heather Morgan und Ilya Lichtenstein

Quelle: Instagram: heatherreyhan

| Die vermeintlichen Bitfinex-Hacker Heather Morgan und Ilya Lichtenstein

US-Behörden haben am 8. Februar ein Ehepaar in New York festgenommen, das mutmaßlich Bitcoin aus dem Bitfinex-Hack waschen wollte. Der Wert der 2016 gestohlenen Bitcoin beläuft sich inzwischen auf 4,5 Milliarden US-Dollar, beschlagnahmen konnten die Behörden Bitcoin für umgerechnet 3,6 Milliarden US-Dollar. Verantworten muss sich das Paar nun wegen Verschwörung zur Geldwäsche. Ihnen droht eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren, zusätzlich zu einer Höchststrafe von fünf Jahren für Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten.

Bitfinex-Hack

2016 konnten Hacker 119.754 BTC von der Börse Bitfinex durch eine Sicherheitslücke in der MultiSig-Lösung abziehen. Der Verlust belief sich damals auf 71 Millionen US-Dollar. Zurück blieben zahlreiche geprellte Anleger:innen, die bis heute auf eine Entschädigung warten.

Seitdem spielen Behörden und Täter Katz und Maus. Immer wieder wurden Spuren auf der Blockchain hinterlassen, die Strafverfolger auf die Fährte setzten. Da die Bitcoin aus dem Hack identifiziert und gebrandmarkt wurden, konnten die Täter sie nicht auf regulärem Weg an Handelsplätzen veräußern. Stattdessen: Verdunkelungstaktik.

Ein Labyrinth von Krypto-Transaktionen

“In dem vergeblichen Versuch, die digitale Anonymität zu wahren, haben die Angeklagten gestohlene Gelder durch ein Labyrinth von Kryptowährungstransaktionen gewaschen”, erklärt die stellvertretende Generalstaatsanwältin Lisa Monaco in einer Stellungnahme des Justizministeriums. 25.000 der von Bitfinex gestohlenen Bitcoin seien demnach in den letzten fünf Jahren über einen “komplizierten Geldwäscheprozess” transferiert worden. Die übrigen 94.000 Bitcoin lagen in der Wallet der Hacker.

Die Beschuldigten sollen “ausgeklügelte Geldwäschetechniken” benutzt haben, um ihre Spuren zu verwischen, heißt es weiter. So sollen sie eine Reihe von Online-Konten für fiktive Personen eingerichtet und “Computerprogramme zur Automatisierung von Transaktionen” genutzt haben. Auch über Darknet-Marktplätze und mithilfe von Mixing, einer Methode zur Anonymisierung von Krypto-Transaktionen, sollen Bitcoin gewaschen worden sein.

Schließlich verschafften sich “Spezialagenten” Zugang zu Online-Konten von einem der mutmaßlichen Täter. Dabei konnten sie Dateien mit den private Keys sicherstellen und damit auf die Wallet zugreifen, auf die die von Bitfinex gestohlenen Gelder direkt eingezahlt wurden. Mehr als 94.000 Bitcoin wurden so beschlagnahmt, umgerechnet 3,6 Milliarden US-Dollar.

Krokodil der Wall Street

Laut Justizministerium handelt es sich bei den Beschuldigten um Ilya “Dutch” Lichtenstein, 34, und seine Frau Heather Rhiannon Morgan, 31. So akribisch das Ehepaar dabei vorging, ihre Spuren auf der Blockchain unkenntlich zu machen, so freizügig ging es mit ihrer Internetpräsenz um.

Zwischen 2017 und 2021 hat Heather Morgan für das Wirtschaftsmagazin Forbes geschrieben. In ihrer Biografie heißt es über die “internationale Wirtschaftswissenschaftlerin, Serienunternehmerin und Investorin in B2B-Softwareunternehmen”, Morgan sei “mit dem Reverse-Engineering von Schwarzmärkten beschäftigt, um bessere Wege zur Bekämpfung von Betrug und Cyberkriminalität zu finden”. In Anbetracht der jüngsten Anschuldigungen in Bezug auf den Bitfinex-Hack entbehrt das nicht einer gewissen Ironie.

Auch als Rapperin hat sich Morgan versucht – mit bescheidenem Erfolg. Auf Youtube ist ein Video zu finden, in dem sich Morgan aka “Razzlekhan” als “Krokodil der Wall Street” stilisiert. In einer Textzeile heißt es “This Song is for the Entrepreneurs and Hackers”.

Kein unbeschriebenes Blatt ist auch Lichtenstein. Der “Tech Entrepreneur” mit russischer und US-amerikanischer Staatsbürgerschaft ist Gründer des Blockchain-Start-ups Endpass und war zuvor CEO von MixRank. Seine Expertise liege laut LinkedIn “in der Skalierung des B2B-Vertriebs, der Automatisierung von Geschäftsprozessen und der Skalierung von Outbound-Marketing”.

Kein sicherer Hafen für Geldwäsche

An den Ermittlungen beteiligt waren verschiedene Behörden, darunter das “Cyber Crimes Unit Washington” und das FBI. Auch die Polizeidirektion Ansbach in Deutschland soll die Ermittlungen unterstützt haben.

Mit der Festnahme hat das vor vier Monaten ins Leben gerufene “National Cryptocurrency Enforcement Team”, eine Sondereinheit aus Anti-Geldwäsche- und Cybersicherheitsexperten, schließlich den größten Coup gelandet, wie die stellvertretende Generalstaatsanwältin Monaco erklärt: “Die heutigen Verhaftungen und die bisher größte finanzielle Beschlagnahmung der Abteilung zeigen, dass Kryptowährung kein sicherer Hafen für Kriminelle ist”.

Die Reaktion am Krypto-Markt

Das Echo am Krypto-Markt blieb nicht aus. LEO, der Exchange Token von Bitfinex, steht im Tagesvergleich 50 Prozent im Plus. Anleger:innen spekulieren scheinbar darauf, dass Bitfinex seine Ankündigung wahr macht, und 80 Prozent der zurückerstatteten Gelder aus dem Hack für den Rückkauf und die Verbrennung von LEO-Token verwendet.

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