Makro-Ausblick 

Bitcoin zeigt Stärke – während sich die Lage zuspitzt

Bitcoin trotzt der Zinswende der Fed – doch am Anleihemarkt wächst der Druck. Warum die Marke von fünf Prozent jetzt zum Stresstest für den Krypto-Markt werden könnte.

Philipp Baumgartner
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Bitcoin-Münzen auf Dollarnote

Beitragsbild: Shutterstock

| Wer gibt nach der Fed-Zinserhöhung die Richtung vor?

Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins zum ersten Mal seit Juli 2023 angehoben – und Bitcoin hat den Schritt zur Bewunderung vieler Investoren beinahe regungslos hingenommen. Am Anleihemarkt ging es derweil unruhiger zu. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen durchbrach innerhalb weniger Tage zweimal die Marke von 5 Prozent. Das Problem: Ein gelassener Krypto-Markt und ein nervöser Anleihemarkt vertragen sich selten auf Dauer.

Die Zinserhöhung war das kleinere Signal

Die Federal Reserve hob vergangene Woche den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4 Prozent an. 16 der 19 Mitglieder des Offenmarktausschusses erwarten zudem noch in diesem Jahr mindestens einen weiteren Hike. Fed-Chef Kevin Warsh beschrieb die Anhebung als Rücknahme einer Dosis geldpolitischer Unterstützung. Goldman Sachs rechnet bereits mit einer weiteren Erhöhung im Oktober. Die Märkte preisen über zwölf Monate rund 100 Basispunkte an Anhebungen ein, den September eingerechnet.

Diese Auswirkungen könnten vor allem die Krypto Leitwährung treffen. Bitcoin wirft keine laufenden Erträge ab, hat somit keinen “Cashflow”. Mit jedem Zinsschritt steigen deshalb seine Opportunitätskosten, also der Zins, auf den Anleger beim Halten verzichten. Dass der Kurs kaum reagierte, spricht dafür, dass der Schritt längst im Preis steckte und der Markt dieses Szenario bereits fix eingepreist hat.

Ölpreis schlägt durch

Der Anlass für die Straffung der Geldpolitik liegt an der Zapfsäule. WTI-Rohöl kostet rund 101 US-Dollar je Barrel, Diesel erreichte laut dem Automobilclub AAA mit 6,40 US-Dollar je Gallone einen neuen Rekord. Puffer gibt es kaum: Die strategische Ölreserve der USA ist laut EIA-Daten auf den tiefsten Stand seit 1982 geschrumpft.

Teures Öl verteuert zunächst Tanken und Heizen. In einer zweiten Runde geben Unternehmen die höheren Energiekosten über teurere Lebensmittel oder Transporte an ihre Kunden weiter, und Beschäftigte fordern zum Ausgleich höhere Löhne. An dieser Kettenreaktion, von Ökonomen Zweitrundeneffekte genannt, setzt die Fed an: Teurere Kredite dämpfen die Nachfrage, und Unternehmen können höhere Preise schwerer durchsetzen. Aus einem ähnlichen Grund erhöhte die Bank of Japan am Freitag ihren Leitzins auf 1,25 Prozent, den höchsten Stand seit 31 Jahren.

Warum die langen Laufzeiten nicht mitziehen

Am Tag des Fed-Entscheids stieg die zweijährige Rendite am stärksten, die 30-jährige gab leicht nach. Der Markt akzeptiert eine straffere Geldpolitik für die nahe Zukunft, zweifelt aber offenbar daran, dass hohe Kurzfristzinsen das Wachstum auf Dauer unbeschadet lassen. Am Donnerstag fiel die Zehnjährige auf 4,93 Prozent zurück, ihr Renditeaufschlag gegenüber der Zweijährigen lag bei 27 Basispunkten und damit auf einem der flachsten Werte des Jahres.

Auf den langen Laufzeiten lastet ein zweiter Faktor – die Konkurrenz um Kapital. Goldman Sachs erwartet, dass große Cloud-Konzerne wie Amazon oder Alphabet 2027 rund 420 Milliarden US-Dollar über Anleihen aufnehmen, nach geschätzt 250 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Mit diesem Geld finanzieren sie Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Sie werben damit um dieselben Anleger, bei denen sich der US-Staat verschuldet, und können so die Renditen langer Laufzeiten zusätzlich nach oben drücken.

Der Dollar-Index, der den Wert des US-Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen wie Euro und Yen misst, stieg nach dem Entscheid über 100 und verbuchte seinen stärksten Tag seit Juni. Ein starker Dollar bei hohen Renditen verteuert weltweit die Finanzierung, eine Konstellation, die Bitcoin in früheren Phasen häufig belastet hat. Der Zusammenhang schwankt allerdings stark.

Wann endet die Gelassenheit?

Im Makro-Bild dominiert derzeit die Geldpolitik im Kampf gegen eine energiegetriebene Inflation. Doch die eigentliche Herausforderung liegt im Anleihemarkt. Steigt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen dauerhaft über fünf Prozent, während der Dollar-Index oberhalb von 100 bleibt, verschärft sich der Druck von zwei Seiten. Zweimal prallte die Rendite zuletzt an dieser Marke ab, und beide Male zog der Goldpreis an.

Sorgenvolle Blicke richten sich auch nach Tokio. Steigende japanische Zinsen verteuern den Yen-Carry-Trade, bei dem Investoren günstig in Yen leihen und höher verzinst anlegen. Seine abrupte Auflösung im August 2024 riss Bitcoin mit nach unten.

In dieser Woche treten zahlreiche Fed-Vertreter auf, deren Aussagen die Erwartungen für Oktober schärfen dürften. Am Mittwoch folgen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Europa und die USA, am Donnerstag entscheidet die Schweizerische Nationalbank.

Am 30. September erscheint der PCE-Index, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, das die Preise der privaten Konsumausgaben abbildet. Er zeigt, ob der Ölschock in der Breite ankommt.

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