Politische Repression Die Gefahr eines Bitcoin-Verbotes

Viele befürchten ein Vorgehen des Staates gegen Bitcoin. Es geht schließlich um die Kontrolle des Geldes. Aber wie realistisch ist das?

Tobias Zander
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Beitragsbild: Shutterstock

| Die Sorge vor einem Bitcoin-Verbot hält viele Menschen davon ab, ihre ersten Sats zu stacken – zu Recht?

Gerade unter Bitcoin-Skeptikern findet es noch immer seine Anhänger: Das Argument eines staatlichen Bitcoin-Verbotes, welches eines Tages die ganze schöne Kurs-Rallye beenden und Bitcoin bei all seinem disruptiven Potenzial einfach vom Tisch fegen könnte. Auf den ersten Blick erscheint es durchaus logisch, denn wenn Bitcoin wirklich eine so große Herausforderung für die derzeitige Fiat-Geldordnung darstellt – warum sollten Regierungen und Zentralbanken einfach tatenlos daneben stehen, während ihnen die Kontrolle über das Geldsystem entzogen wird?

Droht das Bitcoin-Verbot?

Doch nicht erst die Genehmigung der Bitcoin-ETFs in den USA spricht gegen ein solches Verbot. In den letzten Jahren hat der gesamte Krypto-Space eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht und ist von einer verrückten Nische am Rande der Finanzwelt direkt in deren Mitte vorgestoßen. Trotz des FTX-Skandals Ende 2022, trotz des harten Vorgehens der SEC gegen verschiedene Krypto-Unternehmen und trotz der Anti-Haltung einflussreicher CEOs – Bitcoin hat sich weiterentwickelt und das Netzwerk zeigt sich heute stärker denn je. Hier sind drei besonders wichtige Gründe, warum ein BTC-Verbot auch im Rahmen eines pessimistischen Zukunftsszenarios zum Scheitern verurteilt wäre.

1. Die Mainstream-Adoption läuft

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde Bitcoin in der Wirtschaftswelt skeptisch beäugt. Deshalb machte Tesla 2021 große Schlagzeilen, als CEO Elon Musk eine größere BTC-Investition und die Einführung der Kryptowährung als Zahlungsmittel ankündigte. Seitdem hat sich Vieles getan und beliebte Zahlungsanbieter wie PayPal und Block ermöglichen ihren US-Kunden inzwischen verschiedene Kryptowährungen direkt zu handeln. Immer mehr Großunternehmen nutzen Bitcoin für ihre Kapitalrücklagen, wobei die aggressiven Käufe von MicroStrategy mit CEO Michael Saylor hier das wohl extremste Beispiel sind.

Diese Entwicklung hat große Finanzinstitute aufs Spielfeld gelockt, die mit BTC-Finanzprodukten ein großes Geschäft wittern und für zusätzliche Legitimität sorgen. Sie öffnen wiederum die Tür für Milliardeninvestitionen von Pensionsfonds oder Versicherungen, die aus regulatorischen Gründen zuvor gar keine Bitcoin kaufen durften. Die Dominosteine fallen immer schneller und je mehr große Akteure investiert sind, desto unwahrscheinlicher werden Anti-BTC-Gesetze. Gleichzeitig nutzen immer mehr normale Menschen Bitcoin und Bitfinex-Analysten gehen sogar von einem Anstieg auf bis zu 950 Millionen Krypto-Nutzer weltweit noch im Jahr 2024 aus.

Bitfinex Alpha I Schätzung der globalen Krypto-Marktbreite

Was noch wichtiger sein könnte: Auch Nationalstaaten halten bereits große Mengen an Bitcoin und das gilt keineswegs nur für El Salvador mit seinem Bukele Portfolio. Allein den USA gehörten zum Jahresbeginn etwa 200.000 BTC im Wert von acht Milliarden US-Dollar. Dieser enorme Bitcoin-Bestand stammt aus verschiedenen Beschlagnahmungen im Zusammenhang mit Silk Road und Bitfinex-Hacks. Damit lässt die Weltmacht Nummer 1 alle anderen Staaten weit hinter sich, die offiziell Bitcoin besitzen. Mithalten könnte bestenfalls der geopolitische Rivale China, der als Resultat der Zerschlagung eines Ponzi-Systems im Jahr 2020 womöglich noch etwa 195.000 BTC hält.

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2. Das Bitcoin-Verbot wäre ein Eigentor

Vom Markt gewünschte Waren oder Dienstleistungen zu verbieten, war schon immer eine nahezu unmögliche Aufgabe für Regierungen. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist die amerikanische Prohibition der 1920er Jahre. Ob Bitcoin nun in bestimmten Ländern auf dem Papier verboten wird oder nicht, hat aber auch wegen seiner digitalen Natur kaum Bedeutung. Im Gegensatz zu Gold oder Dollar bleibt BTC von Kapitalverkehrskontrollen unbeeindruckt. Sogar mit dem wortwörtlich letzten Hemd am Leib könnte man durch zwölf gemerkte Wörter problemlos große Vermögen transferieren. Darüber hinaus macht ein Verbot die Krypto-Leitwährung im Zweifel nur interessanter für die Menschen.

Als bevölkerungsreichstes Land Afrikas erließ Nigeria im Februar 2021 ein de facto Bitcoin-Verbot. Doch die Initiative endete als peinlicher Fehlschlag, weil es die Popularität der Kryptowährung unter der von hohen Inflationsraten geplagten Bevölkerung erst recht steigerte. Im Chainalysis Crypto Adoption Index 2023 ist Nigeria ganz weit oben. Das Transaktionsvolumen auf Peer-to-Peer (P2P)-Plattformen gehört tatsächlich zu den höchsten weltweit. Durch das repressive Vorgehen der Regierung hat sich die BTC-Adoption in Nigeria rapide beschleunigt, sodass kein westlicher Staat mithalten kann.

Chainalysis I Die Top 5 des Krypto-Adoptionsindex

Wenn Land A gegen Bitcoin vorgeht, dann fließt Kapital ab zu Ländern, in denen weniger restriktiv vorgegangen wird. Das beweist vor allem das Beispiel des chinesischen Mining-Verbots. Mittlerweile sind zahlreiche Miner aus China abgewandert und der weltweit größte Mining-Pool befindet sich in den Vereinigten Staaten. Gegenüber der frühen Geschichte von Bitcoin eine große Veränderung, denn einstmals waren über 70 Prozent der Miner im Reich der Mitte. Durch die Resilienz des Netzwerkes wurde diese umfassende geografische Verlagerung kaum spürbar. Was China verloren hat, haben andere Länder wie die Vereinigten Staaten gewonnen. Und das ginge im Zweifel auch wieder andersherum.

3. Die Gedanken sind frei

Welche realen Konsequenzen kann ein staatliches Bitcoin-Verbot überhaupt hervorrufen? Bitcoin ist kein Unternehmen, dessen Firmensitz von der Polizei gestürmt werden könnte. Es gibt auch keinen Geschäftsführer, den man ins Gefängnis stecken kann. Bitcoin ist ein dezentrales Netzwerk, das gar keinen klaren Angriffspunkt bietet. Man kann den Zugang erschweren durch das Vorgehen gegen zentralisierte Krypto-Börsen und Wallet-Anbieter, aber auch dafür gibt es schon Alternativen. Letztlich ist Bitcoin nichts weiter als Information. Es braucht nur zwölf im Gedächtnis abgespeicherte Wörter.

Seed Phrase Beispiel I Ein BTC-Verbot ist so effektiv ein Sprach-, Mathematik-, und Denkverbot

Gerade ein von alteingesessenen Goldanhängern angeführter Hauptkritikpunkt ist Bitcoins größter Vorteil: Bitcoin ist überall und nirgendwo. Bitcoin kann man nicht greifen. Wenn BTC auf einer Cold-Wallet selbst verwahrt werden, dann können sie genauso wenig beschlagnahmt werden wie die Gedanken eines Menschen. Jeder Versuch, seine Verbreitung mit Gewalt zu unterdrücken, wird Bitcoin in Zukunft nur noch stärker und langlebiger machen. Deshalb gibt es auch keinen Grund, sich vor einem Verbot zu fürchten. Als ein dezentrales und disinflationäres Geld repräsentiert Bitcoin eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

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