Malta: EZB-Chefaufseher fordert strengere Regulierung

Quelle: shutterstock

Malta: EZB-Chefaufseher fordert strengere Regulierung

Der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der Europäischen Zentralbank (EZB) Andrea Enria hat am Mittwoch, dem 2. Oktober, die Behörden Maltas aufgefordert, ihre Banken strenger zu überwachen. Seit der Schließung der maltesischen Bank Pilatus und der Festnahme ihres Chefs im vergangenen Jahr, stehen die Behörden Maltas unter besonderer Beobachtung. Der EZB-Chefaufseher zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass der Inselstaat den Forderungen nachkommt.

Der Vorsitzende des EZB-Aufsichtsgremiums Andrea Enria übt Kritik an den Methoden der maltesischen Behörden, die Finanzgeschäfte ihrer Banken zu kontrollieren. Enrias Einwand folgt auf die scharfe Kritik, die aus dem vor zwei Wochen veröffentlichten Bericht von Moneyval hervorgeht. Darin hat der Expertenausschuss des Europarats zur Bekämpfung von Finanzkriminalität Malta wegen unzureichender Bekämpfung der Finanzkriminalität angeprangert und die Behörden aufgefordert, ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung verstärkt anzuwenden.

Druck auf Malta steigt

Immer wieder steht der kleine Inselstaat im Zentrum von Korruptions- und Geldwäscheskandalen. Im vergangenen Jahr hat die EZB der maltesischen Bank Pilatus die Lizenz entzogen. Zuvor wurde der Chef der Bank, Ali Sadr Haschemi Nedschad, in den Vereinigten Staaten wegen Geldwäsche- und Betrugsvorwürfen angeklagt. Der ehemalige Präsident der Bank, die im Zusammenhang von Korruptionsskandalen steht, soll sich außerdem an Planungen beteiligt haben, US-Sanktionen gegen den Iran auszuhebeln. Da die maltesischen Behörden den Fall nicht sorgfältig genug bearbeiten, hat die Europäische Kommission ein Disziplinarverfahren gegen die Behörden eingeleitet: Der Druck auf Malta steigt.

Moneyval bemängelt, dass die Behörden nicht vehement genug gegen illegale Finanzgeschäfte und Geldwäsche beim Online-Glücksspiel vorgehen. Laut der Organisation würden Ermittlungen durch „begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen“ behindert. Die maltesische Polizei könne „Fälle, die im Zusammenhang mit Finanz-, Bestechungs- und Korruptionsdelikten“ stehen, nicht effektiv untersuchen und verfolgen. Malta müsse seine Bemühungen zur Ermittlung und Verfolgung der Geldwäsche sowie seine Kontrollmechanismen erweitern.

Andrea Enria ist seit Anfang dieses Jahres Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der EZB. Er fordert strengere Aufsichts- und Kontrollmechanismen Maltas für die Banken. Trotz des Skandals versucht der Inselstaat, sich als internationalen Knotenpunkt für Finanztechnologie – Stichwort „Blockchain Island“ – zu etablieren. Laut Enria muss Malta „nichtfinanzielle Risiken wie Verhaltens-, Compliance-, Reputations- und IT-Risiken strenger und kohärenter überwachen“. Dies sei „insbesondere im Hinblick auf Maltas führende Rolle bei Blockchain- und Krypto-Technologien“ von hoher Relevanz, so Enria. Er sei jedoch „zuversichtlich, dass die maltesischen Behörden es schaffen werden, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen“.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

China Construction Bank setzt auf Blockchain
China Construction Bank setzt auf Blockchain
Regierungen

Das Volumen des chinesischen Bankenriesen China Construction Bank (CCB) übersteigt nun die 53-Milliarden-US-Dollar-Marke. Infolgedessen erweitert die Bank ihre Blockchain-Plattform, die erst im April dieses Jahres startete. Die Geschäftsbank hat die Plattform zudem um neue Funktionen im Bereich der Handelsfinanzierung erweitert.

Bitcoin-Börse Coinbase erhält E-Money-Lizenz in Irland
Bitcoin-Börse Coinbase erhält E-Money-Lizenz in Irland
Regulierung

Die Krypto-Börse Coinbase hat von der irischen Zentralbank offiziell eine E-Money-Lizenz erhalten. Dadurch ebnen sich für die Plattform neue Wege auf dem europäischen Finanzmarkt.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Dubai goes Blockchain: Großbank engagiert sich bei der „digitalen Seidenstraße“
Dubai goes Blockchain: Großbank engagiert sich bei der „digitalen Seidenstraße“
Blockchain

Die Industrie- und Handelskammer von Dubai DCCI konnte die Bankengruppe Emirates NBD als Partner für die Initiative „Digital Silk Road“ gewinnen. Wie das saudi-arabische Nachrichtenportal Saudi Gazette (SG) berichtet, haben DCCI und NBD vor Kurzem eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht das Projekt „Digital Silk Road“, eine für 2020 angekündigte Handelsplattform auf Blockchainbasis.

Die Harten im „Walled Garden“: Libra-Partner unterzeichnen Charta
Die Harten im „Walled Garden“: Libra-Partner unterzeichnen Charta
Unternehmen

Bei der Umsetzung seines Krypto-Projekts Libra tritt Facebook offenbar den Kampf nach vorn an. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass die Libra Association mit 21 Mitgliedern ein Treffen in Genf abhielt. Dabei unterzeichneten die Akteure am Montag, dem 14. Oktober, die Gründungsurkunde der Digitalwährung. In den letzten Wochen gab es aus Politik und Wirtschaft viel Gegenwind für das ambitionierte Projekt.

Bitcoin-Kurs- und Marktbetrachtung: Long trotz starker Resistance
Bitcoin-Kurs- und Marktbetrachtung: Long trotz starker Resistance
Kursanalyse

Der Bitcoin-Kurs kann den gleitenden Mittelwert der letzten 200 Tage nicht überschreiten. Trotz dieser anscheinend starken Resistance dominieren Long-Positionen. Jenseits vom Kursgeschehen soll über Bitcoins langfristigen Wert mithilfe von Amaras Gesetz nachgedacht werden.

Ripple investiert in größte Bitcoin-Börse Mexikos
Ripple investiert in größte Bitcoin-Börse Mexikos
Ripple

Ripple hat am 14. Oktober in einer offiziellen Mitteilung bekanntgegeben, dass das Unternehmen in Lateinamerikas größte Bitcoin-Börse Bitso investiert. Die Handelsplattform stellt für viele wirtschaftsschwache Länder der Region eine Alternative zu traditionellen Bankinstituten dar.

Angesagt

Sicher ist Sicher: Schweizer Gold im Bitcoin-Netzwerk
Unternehmen

Blockchain, CoinShares und die MKS aus der Schweiz nutzen die Bitcoin Blockchain, um Gold digital abzubilden. Der daraus entstandene DGLD Token ist durch 20 Millionen US-Dollar in Form des Edelmetalls gedeckt.

Europol: Monero (XMR) wird unter Kriminellen immer beliebter
Sicherheit

Kryptowährungen erfreuen sich in Kreisen der organisierten Kriminalität nach wie vor großem Zuspruch. Dies unterstreicht der jüngste Bericht der europäischen Polizeibehörde Europol. Laut den Experten würden dabei Privacy Coins wie Monero (XMR) immer beliebter. Nun gelte es, das zuständige Personal auf den anhaltenden Trend vorzubereiten und Ermittler zu schulen.

Autobauer testen Blockchain-Identität für PKWs
Blockchain

Die Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) schreitet bei ihrer Zusammenarbeit mit großen Autobauern voran. Die Kooperation, der Unternehmen wie BMW, Ford und General Motors angehören, entwickelt blockchainbasierte Identitätssysteme für PKW. Zu diesem Zweck arbeiten die Beteiligten an einem Proof of Concept (PoC) für die „blockchain-based Vehicle Identity“ (VID), die in den USA erprobt werden sollen. Die Entwickler streben dabei nichts Geringeres als „eine neue Mobilitätsökonomie mit Blockchain“ an.

China Construction Bank setzt auf Blockchain
Regierungen

Das Volumen des chinesischen Bankenriesen China Construction Bank (CCB) übersteigt nun die 53-Milliarden-US-Dollar-Marke. Infolgedessen erweitert die Bank ihre Blockchain-Plattform, die erst im April dieses Jahres startete. Die Geschäftsbank hat die Plattform zudem um neue Funktionen im Bereich der Handelsfinanzierung erweitert.