Auf einem Bankenforum in Spanien bezog EZB-Präsidentin Christine Lagarde am heutigen 8. Mai klar Stellung zur wachsenden Bedeutung von Stablecoins. Lagarde warnt vor einer vorschnellen Adoption privater Euro-Stablecoins. Europa dürfe den Fehler nicht begehen, Instrumente blind zu kopieren, nur um wettbewerbsfähig zu scheinen.
Das Risiko der monetären Fragmentierung
Lagarde differenziert strikt zwischen der monetären Funktion und der technologischen Komponente von Stablecoins. Insbesondere der US-amerikanische “GENIUS Act” ziele darauf ab, die Vormachtstellung des Dollars durch Stablecoins zu zementieren.
Für die Eurozone sieht die EZB-Chefin hier jedoch erhebliche Gefahren für die Finanzstabilität. Private Verbindlichkeiten seien nur so stabil wie ihre Deckung. Lagarde erinnert in diesem Zusammenhang an das De-Pegging von USDC.
EZB will öffentliche Infrastruktur statt privater Notlösung
Zudem gefährde eine großflächige Migration von Bankeinlagen in Stablecoins die Wirksamkeit der Geldpolitik. Wenn Einlagen in Nicht-Banken-Stablecoins abfließen, schwächt dies den Transmissionskanal über das Bankensystem. “Die Fähigkeit der EZB, Preisstabilität zu gewährleisten, hängt davon ab, dass Zinsentscheidungen Haushalte und Unternehmen effizient erreichen”, so Lagarde in ihrer Rede.
Trotz der Skepsis gegenüber privaten Emittenten erkennt die EZB das transformative Potenzial der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) an. Die Fragmentierung der europäischen Finanzmärkte mit hunderten Handelsplätzen biete eine Chance für Integration durch Tokenisierung.
Euro-Stablecoins bereits in Arbeit
Anderer Meinung sind wohl die Emittenten von Euro-Stablecoins. Mit EURA hat das deutsche Unternehmen AllUnity den ersten BaFin-regulierten Euro-Stablecoin begeben. Europäische Banken folgen diesem Beispiel und arbeiten an einem eigenen Projekt auf Basis des Euros.

