Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet das technische Fundament für die Einführung einer digitalen Gemeinschaftswährung vor. Wie die Notenbank am Freitag bestätigte, wurden Abkommen mit der European Card Payment Cooperation, den Nexo Standards und der Berlin Group unterzeichnet. Ziel dieser Kooperationen ist die Integration bereits existierender, offener Zahlungsstandards in das Ökosystem des digitalen Euro.
Kostendruck für den Bankensektor
Die Entscheidung zur Nutzung etablierter Protokolle folgt auf Berichte über die massiven Investitionskosten für Finanzinstitute. Schätzungen gehen davon aus, dass auf europäische Banken Kosten zwischen vier und sechs Milliarden Euro zukommen könnten.
Durch die Wiederverwendung bewährter Standards für kontaktlose Zahlungen und die Anbindung von Händlern an Zahlungsdienstleister versucht die EZB, diese Integrationslasten zu mindern. Dennoch bleibt die vollständige Umsetzung ein kostenintensives Unterfangen, das weit über die rein technische Ebene hinausgeht.
Unabhängigkeit von internationalen Systemen
Europa verfügt derzeit über keinen universell verfügbaren, offenen Standard für Zahlungsterminals. Die Abhängigkeit von proprietären Systemen internationaler Kartenanbieter und globaler Wallet-Betreiber ist hoch.
Die EZB möchte diese Lücke schließen, um eine souveräne europäische Lösung zu etablieren. Die aktuellen Abkommen decken wesentliche Funktionen wie Tap to Pay am Point of Sale sowie zahlungspflichtige Transaktionen über Mobiltelefonnummern ab.
Pilotphase und Ausblick
Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, stellte bereits im März eine Klärung des technischen Rahmens bis zum Sommer in Aussicht. Die aktuellen Vereinbarungen fördern die frühzeitige Abstimmung zwischen Marktteilnehmern und Standardisierungsgremien. Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 plant die Zentralbank ein zwölfwöchiges Pilotprojekt.
Dieses Vorhaben bezieht ausgewählte Zahlungsdienstleister und Händler ein, um die Verteilung und Nutzung unter Realbedingungen zu testen. Die EZB betont, dass die finalen Entscheidungen über eine Einführung erst nach Abschluss dieser technischen Vorbereitungen fallen.
