Meinungs-ECHO 

Zehntausende Dollar durch heiße Luft: Föhn trickst Polymarket aus

Bei der von Insidertrading-Skandalen umwitterten Prognoseplattform Polymarket kam es erneut zu Manipulation – diesmal mit einem Föhn. Wie sicher sind die Wettmärkte?

Moritz Draht
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Shayne Coplan, Gründer und CEO von Polymarket

Beitragsbild: picture alliance

| Verdächtige Haarpracht? Polymarket CEO Shayne Coplan hat sich zum Föhn-Vorfall noch nicht geäußert

Buchstäblich aus heißer Luft Geld machen: Wo sonst, als auf Polymarket, wäre das möglich? Von Sportevents und Krypto-Kursen über Politik und Weltgeschehen bis zum Release von GTA 6 oder der Wiederankunft von Jesus Christus lässt sich auf der Plattform so ziemlich alles zur Wette machen, auch das Wetter. Bei all den Insidertrading-Skandalen, die Polymarket und Co. überschatten, schienen zumindest noch die klimatischen Bedingungen vor Manipulationen sicher. Wie ein jüngster Vorfall aber zeigt, braucht es dafür offenbar nur einen Föhn.

Aufgeblasene Polymarket-Wette?

Für Kosmopoliten, die sich zwischen den Flughafenterminals etwas Taschengeld dazu verdienen wollen, kann es nicht schaden, immer einen Haartrockner im Handgepäck zu haben. So geschehen in Paris, als ein Unbekannter offenbar eine Wette über die Tagestemperatur manipulierte, indem er am Flughafen Charles-de-Gaulle einen Föhn auf den Sensor richtete, von dem Polymarket letztlich die Daten bezieht. Die kurzfristigen Temperaturspitzen wurden als offizieller Tageshöchstwert erfasst, die Wetten entsprechend ausgezahlt. An zwei Tagen im April gab es deutliche Temperaturabweichungen, die dem Unbekannten rund 34.000 US-Dollar an Gewinn einbrachten.

So skurril der Vorfall auch ist: Er zeigt einmal mehr die Schwachstellen der Prognoseplattformen auf. Wetten lassen sich auf vielfältige Weise manipulieren, scheinbar reicht dafür schon ein Föhn. Insidertrader können an jedem Temperatursensor lauern, und was alles auf Plattformen wie Polymarket oder Kalshi abgekatert ist, lässt sich immer erst dann feststellen, wenn man bereits über den Tisch gezogen wurde. Wer noch an ehrliche Mitspieler oder transparente Regeln glaubt, wettet auch auf die Wiederankunft von Jesus Christus – bei Polymarket versucht jeder, mit gezinkten Würfeln zu spielen.

Failure by Design?

Davon zeugen eine Reihe skandalöser Insidertrades, die dem Hype um Prognosemärkte einen mehr als schalen Beigeschmack geben. Ein skurriles Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Nachdem Onchain-Analyst ZachXBT ankündigte, einen Insiderhandels-Skandal aufzudecken, setzten ebenjene Insidertrader eine Wette auf Polymarket darauf ab, selbst im Zuge dieser Enthüllungen beschuldigt zu werden – und staubten so noch einmal ab. Ein Insidertrade auf Insidertrade-Vorwürfe, sozusagen.

Diese Probleme sind wohl hausgemacht. Prognosemärkte sind nicht nur anfällig für Manipulation, sie fordern sie geradezu heraus. Der große Erfolg solcher Plattformen erklärt sich auch dadurch, dass sie eben nicht reguliert sind. Das könnte auf lange Sicht aber auch der Sargnagel sein. Laut einer Studie der TU Berlin und IU sind nur 30 Prozent aller aktiven Polymarket-Trader wirklich profitabel, und mit dem Wachstum der Plattform sinkt diese Quote kontinuierlich.

Vitalik Buterin fordert mehr unabhängige Quellen

Zum Föhn-Malheur in Paris hat sich auch Ethereum-Gründer Vitalik Buterin auf X geäußert. “Angesichts dieses Vorfalls und des Vorfalls in Myrnohrad ist es ziemlich klar, dass bei solchen Angelegenheiten grundsätzlich mindestens drei unabhängige Quellen (wenn nicht sogar mehr) als Mindestanforderung gelten sollten”, schlägt er vor. Die Invasion des ukrainischen Orts Myrnohrad durch russische Truppen war Ende 2025 Gegenstand einer Wette auf Polymarket, bei der das Ergebnis durch verfälschte Frontkarten manipuliert wurde. Auch hier wurde am Wettausgang durch gefälschte Daten Hand angelegt.

Mehr unabhängige Datenüberprüfungen, wie Vitalik Buterin sie fordert, sind sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung und könnten Manipulationen wohl etwas eindämmen, gegen Insiderhandel sind sie aber machtlos. Das eigentliche Problem: Ob Prognosemärkten selbst daran gelegen ist, den Sumpf trockenzulegen, ist mindestens fraglich.

Also muss der Wetterdienst noch selbst ran. Wie die Financial Times berichtet, hat die französische Wetterbehörde Météo-France nach dem Vorfall am Pariser Flughafen Anzeige “wegen Eingriffs in den Betrieb eines automatisierten Datenverarbeitungssystems” erstattet, die Polizei ermittelt. Vielleicht war das mit dem Föhn doch keine so gute Idee.

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