Südseeblase, Der ICO-Goldrausch und die Südseeblase
Südseeblase, Der ICO-Goldrausch und die Südseeblase

Quelle: © anankkml / fotolia.de

Der ICO-Goldrausch und die Südseeblase

In diesem Artikel stellt Chris DeRose Software Entwickler, Bitcoin Evangelist und Lead Developer bei Drop Zone Parallelen zwischen der Südseeblase und dem ICO-Rausch dar.
Die Südseeblase – a Blast from the past

Die Südseeblase – a Blast from the past

Wagen wir zu Beginn des Artikels einen Blick in die Vergangenheit: Karl II. von Spanien war gestorben, ohne dass es Thron-Nachfolger gab. Dieses Machtvakuum war für die Nationen in Europa natürlich interessant. So kam es 1701 zum fast 15 Jahre andauernden spanischen Erbfolgekrieg.

Am Ende gab es keinen wirklichen Sieger, aber ein Waffenstillstandsvertrag definierte neue Grenzen in Europa und Amerika. Was von Spanien übrigblieb wurde Philip V. gegeben, einem Mitglied des französischen Adelshauses, welches dem alten spanischen Königshaus am nächsten stand. Großbritannien und Frankreich erhielten Territorien der Neuen Welt in Nord- und Südamerika.

Was jedoch alle Parteien gleichsam “gewannen”, war eine ordentliche Menge Schulden – und damit die Notwendigkeit, Handelsrouten in diesen neu verteilten Ländern aufzubauen. Und hier lernen wir die South Sea Company kennen.
Die South Sea Company war eine Handelsgesellschaft, die 1711 im Rahmen einer Partnerschaft zwischen dem britischen Parlament und der Bank of England gegründet wurde.


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Wie viele andere Firmen der damaligen Zeit wurde diese durch eine königliche Satzung ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser wurde ihr eine Monopolstellung bezüglich des Handels in der Südsee eingeräumt. Das Unternehmen konnte Geld durch den Verkauf von Aktien erhalten, ähnlich, wie man es auch heute bei Aktiengesellschaften kennt.
Durch Übernahme der Staatschulden verschiedener Länder wurde der South Sea Company das Recht eingeräumt, weitere Aktien feilzubieten. Viele Investoren sahen im Erwerb von Anteilen an dem Unternehmen mit Monopolstellung für den Handel im Südsee-Raum ein lohnendes Geschäft. Entsprechend boomte der Handel, auch wenn jenen, die die Aktie feilboten, wahrscheinlich das dünne Eis ihrer Gewinnprognosen bewusst war.

Neu an dem Handel mit Aktien der South Sea Company war, dass erstmals nicht nur Mitgliedern des Adels Anteile verkauft wurden, sondern auch normale Bürger an diesen Spekulationsgeschäften teilnehmen konnten – was sie auch taten.

Wie heutzutage Snapchat wurde die South Sea Company in die Sterne gehyped – und der Wert der Aktien stieg. Es dauerte nicht lang, bis die ersten Leute merkten, dass auch sie den Erfolg der South Sea Company emulieren konnten – und eigene Aktien vertreiben konnten.

Bubble Companies und wahnwitzige Behauptungen

Diese sogenannten Bubble Companies hatten allesamt sinnvolle Ziele. Lange vor dem ersten Whitepaper haben diese Firmen in kleinen Broschüren ihre Ziele und Konzepte dem potentiellen Investor schnell klar gemacht.

Viele der Firmen hatten einen Fokus auf Versicherungen und andere damals moderne Ideen, jedoch – um sich von klassischen Geschäftsmodellen zu distanzieren, hatten sie ihre mit “aber mit der Blockchain, äh, neuen Welt” verfeinert.

Mit steigender Nachfrage nach derartigen Investmentmöglichkeiten wurden die Behauptungen der Bubble Companies immer absurder; sie versprachen “Eisen aus Kohle herzustellen”, “Quecksilber in ein Edelmetall zu verwandeln” oder “das Perpetuum Mobile”.

Der Hype ging weiter: Promoter dieser Firmen, auch “Stock-jobber” genannt, traten auf den Straßen Londons auf und verteilten die Broschüren ihrer Firmen zwischen den Kaffeehäusern der Stadt.

Der Anfang vom Ende

Zu Höchstzeiten war das Marktkapital der South Sea Company bei 4 Billionen Dollar. So ziemlich jeder hatte Anteile an dem Vorhaben.

Dann jedoch begann das Ende: 1719 hat das Unternehmen immer noch keinen Profit erzielt und konnte die Jahresend-Dividende an die Shareholder nicht auszahlen.

Das führte zu Sorgen bei Bankern und Politikern gleichermaßen. Banker realisierten, dass man Bewertungen von Unternehmen nicht unbegrenzt in die Höhe schrauben konnte während Politiker sahen, dass bei den angesprochenen Bubble Companies das sich schon hier abzeichnende Drama auch dort wiederholen wird.

Investoren begannen schließlich, ihre Anteile zu verkaufen, was zu einem riesigen Selloff führte. Es kam zu insolventen Firmen und bankrotten ehemaligen Investoren in Zahlen, die es vorher niemals gab. Innerhalb eines halben Jahres ist der Preis der South Sea Company um 90% gefallen. Es kam zu Bürgerkriegsartigen Zuständen. Insgesamt hat die Südseeblase zu einer großen wirtschaftlichen Depression geführt. Die South Sea Company selbst hat nie Profite erwirtschaften können.

ICOs – eine neue Blase?

Springen wir in die Gegenwart: Es sind durchaus Ähnlichkeiten zwischen der Südseeblase und dem ICO-Markt erkennbar. Eine neue Gruppe an Investoren können sich an einem neuen Securities Market beteiligen, der keine wirklichen Regulierungen kennt.

Wie man schon an so manchem Shitcoin sehen konnte und aktuell bei manchem ICO sieht, läuft der Markt Gefahr zu einem wilden Glücksspiel zu werden, bei dem windige Geschäftsmänner den schnellen Profit wittern, ohne etwas wirklich substanzielles zu entwickeln.

Das wirkt sich wiederum auf die wirklich sinnvollen Projekte aus, die dank der Masse an reißerischen, aber schlecht ausgearbeiteten Projekten untergehen.

Ähnliches kennt man teilweise auch bei Crowdfunding-Projekten: Investoren springen auf ein schickes, reißerisches Projekt – ohne Analyse des Unternehmens, der Technologie und der Marktchancen auf.

Ob Bitcoin den Weg der South Sea Company geht muss sich noch zeigen. Sollte jedoch die SEC (US-Wertpapierbehörde) das Wachstum in diesem Sektor einschränken wollen, wird der Wert dieser ICOs und der damit verbundenen Projekte schnell auf null fallen.

Kommentar des Autors (Philipp Giese):

Ich sehe die Situation, speziell was Bitcoin und die etablierten Altcoins betrifft, nicht so dramatisch wie Chris DeRose. Gerade Bitcoin ist zwar sicherlich nicht “too big to fail”, jedoch wird eine Maßnahme der SEC Bitcoin noch lange nicht den Hahn abdrehen können. Was jedoch stimmt, ist, dass man sich, gerade in den aktuellen Zeiten, in denen man sich vor ICOs kaum retten kann und in denen Investoren oft weniger wegen der interessanten Technologie, sondern wegen eines möglichst profitablen Cash-Out nach dem Initial Coin Offerings, besonnen nach Investment-Möglichkeiten umschauen muss.

Der Autor weist auf die Broschüren der Bubble Companies hin und vergleicht diese mit den Whitepapern. Ich denke, dass es gerade die Whitepaper sind, die bei der Wahl zwischen Spreu und Weizen helfen können – es gibt genügend Whitepaper, die nur große Worte enthalten und keine wirklichen Lösungskonzepte o.ä. präsentieren, während andere dies nachvollziehbar tun. Letztere sind durchaus ein Investment wert. An anderer Stelle wurden auf diesem Blog auch Hinweise bezüglich Fundamentalanalyse gegeben, die auch bei der Bewertung von ICOs helfen können.

Schließlich bleibt es dem einzelnen überlassen zu entscheiden, ob es ein Craze oder schlicht eine gute Investment-Möglichkeit wird. Man muss nicht sein ganzes Hab und Gut in den nächsten ICO investieren, aber man kann Geld, was man anderweitig nicht benötigt, was also auch gegebenenfalls “verbrannt” werden kann, durchaus zur Spekulation benutzen. Dann wird man auch nicht zu denen gehören, die zu einem panischen Sellout neigen, wenn die Gewinne nicht so sind, wie man es erwartet.

BTC-ECHO

Englische Originalversion von Chris DeRose via CoinDesk

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