Kann die Blockchain Messenger-Dienste sicherer machen?

Kann die Blockchain Messenger-Dienste sicherer machen?

Milliarden von Menschen nutzen Messenger-Dienste, doch anhaltende Datenskandale bei Social-Media-Konzernen untergraben das Vertrauen der Bürger in ihre Anbieter. Bietet die Blockchain-Technologie Möglichkeiten, dieses Vertrauen überflüssig zu machen und Daten in alle Richtungen abzusichern? Es werden bereits verschiedene Modelle entwickelt, auch ein deutsches Start-up ist mit dabei.

Im letzten Monat erreichte der Streit zwischen dem russischen Geheimdienst FSB und Pavel Durov, dem ebenfalls russischen Gründer des Messenger-Dienstes Telegram seinen vorläufigen Höhepunkt. Ein Moskauer Gericht ordnete rechtswirksam die sofortige Sperre des Messengers in ganz Russland an. Der Geheimdienst hatte vom Telegram-Chef gefordert, Daten privater Chats von Telegram-Nutzern freizugeben. Der FSB begründete die Forderung mit der Bekämpfung von Verbrechen, explizit wurde auch die Verfolgung von Terroristen mit einbezogen. Als Durov sich aus Datenschutzgründen weigerte, Nutzerdaten offenzulegen, sah sich der Kreml zu diesem Schritt gezwungen.

Der Iran hat den Messenger-Dienst Telegram in diesem Jahr ebenfalls gesperrt – wenn auch aus Gründen innenpolitischer Stabilität. So hatten sich in der letzten Zeit viele junge Iraner, die gegen das herrschende Regime protestierten, via Telegram untereinander abgestimmt. In beiden Ländern ist der Messenger sehr beliebt – weshalb es auch beiden Regierungen nicht gelungen ist, die Nutzung des Dienstes wirklich zu unterbinden. Nachdem Millionen von IP-Adressen von staatlicher Seite gesperrt worden waren, wichen die meisten Nutzer einfach über VPN-Dienste aus und entzogen sich der staatlichen Kontrolle.

Blockchain als Lösung

Die Vorkommnisse in diesen beiden Ländern zeigen jedoch auf, dass private Nutzerdaten bei Messenger-Diensten nicht gerade in den sichersten Händen liegen. Zwar weigerte sich Pavel Durov, dem russischen Staat die Daten auszuhändigen. Jedoch sollte allein die Tatsache beunruhigen, dass es überhaupt so weit kommen konnte und es ihm technisch möglich war, dies auch zu tun. Hier offenbart sich das Problem zentralisierter Messenger-Dienste – selbst bei Telegram, das sich als sichere Alternative zu WhatsApp vermarktet.

Einen Lösungsansatz könnte die Blockchain bringen, die der Messenger-Plattform als Intermediär die Kontrolle der Datenströme entzieht. Das viel zitierte Vertrauen in Mittelsmänner will man so durch das Vertrauen in die Technologie ersetzen. Eine solche Version eines kryptografisch gesicherten Messenger-Dienstes hat das Düsseldorfer Blockchain-Start-up Crypviser nun auf den Markt gebracht. Die App arbeitet mit einer End-to-End-Verschlüsselung und einem Authentifizierungsmodell, bei dem sich die Nutzer gegenseitig durch Blockchain-Transaktionen identifizieren.

Datensicherheit und Datenschutz bleiben auch in Zukunft zentrale Themen in Politik und Gesellschaft. Daten werden als Rohstoff immer wichtiger und der Schutz und die Verwaltung der eigenen Daten rückt immer mehr in den Mittelpunkt individuellen Handelns. Blockchain bietet Möglichkeiten, sich der Kontrolle der eigenen Daten zu entziehen – seien es durch Staaten, Konzerne oder sonstige Mitleser.

BTC-ECHO

Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Ähnliche Artikel

UPS will Blockchain-System für globalen Versand patentieren

Der Logistikriese United Parcel Service, besser bekannt als UPS, will im globalen Versandhandel künftig auf Blockchain-Systeme setzen. Einen entsprechenden Patentantrag hat die zuständige amerikanische Behörde US Patent and Trademark Office kürzlich veröffentlicht. Mithilfe von Blockchain und Smart Contracts will UPS nun nicht nur Verwaltungskosten sparen, sondern künftig verschollenen Sendungen auf die Schliche kommen. Derweil bewähren […]

Global Blockchain Survey 2018: Das wird schon.

Das Wirtschaftsunternehmen Deloitte hat unter 1.000 Blockchain-Experten eine Umfrage gestartet. Dabei ging es vor allem um eines: die Zukunft der Blockchain. Das Ergebnis: Das wird schon. Bitcoin? Nein, danke! Blockchain? Ja, gerne! Ein solches oder ähnliches Credo hört man im Umfeld von Bitcoin und der darunterliegenden Technologie immer wieder (und immer häufiger). Die technologische Innovation […]

XRapid: Wie sich Ripple unabhängig von XRP weiterentwickelt

Ripple breitet sich weiter aus. Indem das Unternehmen neue Kooperationspartner zu ihrem Zahlungsnetzwerk xRapid hinzufügt, vergrößert es zunehmend seine Reichweite. Dies geschieht auch durch neue Standorte, vor allem im asiatischen Raum. Der XRP-Kurs befindet sich hingegen – zumindest im Monatsvergleich – auf Abwärtskurs. Dass man den Kurs des „Bankencoins“ XRP streng genommen nicht Ripple-Kurs nennen […]

Binance: 90 Prozent der Mitarbeiter lassen sich mit eigenem Token bezahlen

90 Prozent der Mitarbeiter des mittlerweile japanischen Online-Handelsplatzes Binance haben sich gegen eine Banküberweisung entschieden. Ihr Gehalt wird monatlich per Binance Coin (BNB) ausgezahlt. Dies hat der CEO Changpeng Zhao gegenüber dem Newsportal TechCrunch bekannt gegeben. Zhao war aufgrund der Kooperation mit dem Liechtenstein Cryptoassets Exchange (LCX) in Europa. Am 18. August schrieb der Chefredakteur des […]