Island: Vom Mining-Standort zum Blockchain-Hub

Tanja Giese

von Tanja Giese

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Tanja Giese

Tanja Giese hat Germanistik, Literaturwissenschaft und Philosophie in Potsdam studiert. Mit Leidenschaft lektoriert sie die BTC-ECHO-Artikel und konzentriert sich in ihren eigenen Artikeln vor allem auf die gesellschaftlichen Auswirkungen und den Umgang der Politik mit den Veränderungen, die der Vormarsch der Kryptowährungen fordert.

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Island hat mit seinem kalten Klima und dem kostengünstigen Strom viele Krypto-Interessierte angelockt, die auf der windigen Insel am Polarkreis ihre große Mining-Chance witterten. Nachdem der Ansturm im Dezember letzten Jahres seinen Höhepunkt erreicht hatte, flaut das isländische Mininggeschäft immer weiter ab. Experten sehen nun den nächsten – und womöglich länger anhaltenden – Hype kommen: die Entwicklung der Blockchain-Technologie.

Islands größter Datencenter-Anbieter Advania hatte letzten Dezember mit einer enormen Nachfrage aus dem Ausland zu kämpfen. Das kalte Klima und der günstige Strom, den Island zu 98 Prozent aus geothermischer Energie gewinnt, lockte viele Miner auf die Insel. Wie das Nachrichtenportal Red Herring am 23. September berichtete, ließ jedoch der Kurssturz von Bitcoin und mehrere Diebstähle von Mining-Computern die Mining-Euphorie bald abkühlen. Anstatt sich nun vollständig von der modernen Technologie abzuwenden, konzentrieren sich viele isländische Unternehmen nun auf die Entwicklung der Blockchain.

Die Cowboys ziehen aus Island ab


Wie ein Manager von Advania Red Herring gegenüber betonte, habe er viele „Cowboys“ gesehen, die nur wegen des Minings nach Island kamen und entsprechend schnell auch wieder verschwanden. Insbesondere der günstige Strom hatte die Insel zum idealen Standort für Bitcoin-Mining gemacht. Während der PUE, ein Wert, anhand dessen man die Energieeffizienz eines Datencenters angibt, im europäischen Durchschnitt bei 1,78 liegt, beträgt er in Island nur 1,03. Somit ist Island fast doppelt so kosteneffizient wie viele seiner kontinentalen Nachbarn. Daher wundert es nicht, dass zahlreiche internationale Mining-Unternehmen wie BitFury und Genesis sehr günstige Mining-Möglichkeiten auf der kalten Insel witterten.

Wo viel Geld vermutet wird, sind einfallsreiche Kriminelle nicht fern. So kam es Anfang des Jahres zu mehreren Diebstählen von Mining-Computern. Einige davon könnten es sogar bis nach China geschafft haben.

Nach dem Mining kommt die Blockchain

Die isländische Regierung hatte dem Mining-Hype zwar keinen regulatorischen Strich durch die Rechnung gemacht. Dennoch sah sie die Entwicklung mit Argwohn. Der Ansturm eines neuen Industriezweiges, den viele nach wie vor mit der Silk Road in Verbindung bringen, konnte keine Begeisterungsstürme in der Politik bewirken. Dennoch sorgte er dafür, dass sich viele mit der Welt von Bitcoin und Co und der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie auseinandersetzten. Halldór Jörgensson, Vorsitzender des Borealis Data Center, erklärt dazu:

„Die Nachfrage geht dahin, dass wir uns mehr dem reinen Blockchain-Geschäft zuwenden. Man könnte also sagen, dass die Bitcoin-Welle, die große Welle der Bitcoin-Nachfrage, uns zu einem sehr schnellen Aufbau verholfen hat, weil es wirklich aggressive oder interessierte Parteien gab, die etwas tun wollten, und wir schafften es, den Aufbau zu machen. Wir glauben fest daran, dass sich das ganze Bitcoin-Ding auf eine Ebene reduziert hat, die nicht so verrückt ist wie vor einem Jahr. Wir glauben, dass es eine weitere Welle gibt, die diese Infrastrukturen nutzen wird, die während der Bitcoin-Miningphase aufgebaut wurden.“

BTC-ECHO

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