ICOs: Gesunde Spekulation oder Blasenbildung?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

Fraud concept. The woman's hand holding the needle directed to t
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Mit über fünf Millionen US-Dollar hat Humaniq von seinem ICO Reden gemacht. Das war am 19. April 2017 und wurde als gigantischer ICO, nur um eine Woche später vom gigantischen ICO von Gnosis in den Schatten gestellt. Es brauchte gerade einmal eine Viertelstunde bis die Token für 12 Millionen US-Dollar an die Investoren verkauft waren.

Doch das sind nur zwei Beispiele: Wenn man die Summe, die Projekte über ICOs bekamen, mit dem vergleicht, was VC-Firmen als Funding zur Verfügung stellten, dann ist das Verhältnis zwischen diesen Förderstrategien fast 50/50.
Was einem jedoch Sorgen machen kann: mehr als 75% der Investoren suchen kein Langzeitinvestment, sondern spekulieren auf starke Wertsteigerungen.


An sich ist nichts gegen Investments mit hohem Risiko und hohen Reward-Möglichkeiten zu sagen. Doch sollten die Strukturlosigkeit, die Neuheit der ICOs und die Undurchsichtigkeit vieler Initial Coin Offerings einen zur Besonnenheit mahnen.

Die nächste heiße Währung

Ein großes Problem mit Spekulationen ist, dass letztlich schwache Projekte durch viel Kapital über ihren eigentlichen Wert hochspekuliert werden.

Anders als Anwendungen aus dem klassischen Web 1.0 oder Web 2.0 wie Facebook, Pinterest oder Google besitzen Blockchain-Anwendungen einen recht dünnen, minimalistischen Applikations-Layer auf einem umfangreichen Blockchain-Layer. Im Fall klassischer Webapps ist das eher umgekehrt: auf einem minimalistischen HTTP- oder TCP/IP-Protokoll ist ein umfangreicher Applikations-Layer.

Das bedeutet, dass Applikationen von einer Blockchain zur anderen wandern können – abhängig von dem Erfolg der Blockchain. So gab es schon Anwendungen, die zur Ethereum-Blockchain wanderten – ein Beispiel ist dabei Storj.
Das bedeutet jedoch auch, dass eine Unmenge von oft dünnen Anwendungen auf bestehenden Blockchains gestartet werden.

“Der Boom an ICOs kann auf die App-Explosion der frühen 2010er zurückgeführt werden”, so Brad Hines von der E-Commerce Webseite NerdPlaythings.com, “Auf der Suche nach interessanten ICOs muss man sich nun durch hunderte Kryptowährungen wühlen, die sich oft nicht wirklich unterscheiden.”

Hines fügte hinzu, dass nicht gerade alle ICO-Token erfolgreich waren und viele schnell wieder von Exchanges geworfen wurden.

Die Erfahrung mit Bitcoin hat viele gierig gemacht. “Ach. hätte ich doch 2012 investiert, dann wäre ich jetzt ein Multimillionär” – so oder ähnlich beklagen sich viele. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass im Rahmen der ICOs viele eine Chance wittern.

In einem solchen Umfeld ist es wichtig, gewissenhafte, begründete Investment-Entscheidungen zu treffen. Das machen einem leider die Initiatoren der ICOs nicht leicht, da es keinen Standard hinsichtlich der Darstellung möglicher Risiken gibt. Wie das Projekt The DAO zeigte können zusätzlich signifikante Risiken auftreten, die vorher so nicht klar waren.

Die Suche nach einem ICO-Standard

Fairerweise denken viele, dass das ICO-Modell sich aktuell in einem Optimierungsprozess befindet, so dass es Hoffnung gibt, dass dieser Prozess standardisierter und damit risikofreier wird.

“Aktuell existiert kein Satz an Best Practices für diese Initial Coin Offerings”, so William Mougayar, der Gründer von Startup Management und Author von “The Business Blockchain”.

Letztlich wundert das aber auch nicht: ein großer Vorteil der ICOs ist der schnelle Zugang zu Kapital. Wie Gnosis zeigt, kann ein ICO ein Seed Funding in Extremfällen in wenigen Minuten realisieren.

Das macht die Spekulation natürlich auch gefährlich, da der wahre und hypothetische Wert eines Investments nicht unterscheidbar sind und entsprechend Zeichen, die für die Gesundheit und zukünftige Stellung eines Assets stehen, übersehen werden können.

Liquidität ist Trumpf

That being said ist es zu einfach, wenn man alle Spekulation als Böse bezeichnet. Spekulation ist letztlich sogar notwendig um die Liquidität eines Assets zu verbessern. Das ist für Assets, die ansonsten nicht genügend sichtbar wären, notwendig. Spekulation erhöht das Tradingvolumen eines Assets, was die Liquidität der Anlage bewahrt.

Um das zu illustrieren betrachten wir ein Beispiel jenseits der Kryptowelt: Sagen wir, jemand hat ein Auge auf ein schickes Auto geworfen, welches für 30.000 Euro verkauft werden soll. Der potentielle Käufer hat aber nur 12.000 Euro – jedoch eine Sammlung an originalverpackten Comicbüchern im Wert von 20.000 Euro. Aktuell ist die Sammung nicht liquide, da er diese nicht im Kauf für das Auto nutzen kann.

Der Käufer muss jemanden finden, der die Sammlung kauft – gegebenenfalls mit einem Discount, es soll ja schnell gehen – und entsprechend abwarten, bis der Verkauf der Comicbücher abgeschlossen ist.

Da steht der Autoliebhaber aber vor einem Problem: Selbst wenn er auf der ComicCon seine Sammlung schnell an den Mann bringen kann – die ist jetzt nicht. Auch andere konkrete Möglichkeiten zum Verkauf bieten sich aktuell nicht.
Wenn jedoch eine Spekulationsblase um Comicbuch-Käufe existiert – sagen wir mal ein neuer Avengers-Film oder ähnliches kommt bald heraus – dann kann sich die gesamte Situation anders darstellen. Unser Autoliebhaber könnte seine Sammlung zu einem guten Preis schneller an den Mann bringen und sich seinen Traum eines fahrbaren Untersatzes realisieren.

Übertragen wir dieses Beispiel auf unsere Krypto-Welt: In einem miteinander verknüpften Marktplatz wie dem der Altcoins beeinflusst die Liquidität eines Assets direkt das Handelsvolumen eines anderen. Zum Beispiel würde Spekulation in einem neuartigen, auf der Ethereum-Blockchain basierenden Projekt auch den Ethereum-Preis beeinflussen – der Wertanstieg von Ethereum zu Zeiten vor dem Exploit von The DAO illustriert das sehr gut. Die Liquidität eines Projekts zu erhöhen verbessert also auch den Kurs von Token, die weiter verbreitet sind und erhöht das Tradingvolumen des gesamten Marktes.

Spekulation und Undurchsichtigkeit

Eine weitere positive Eigenschaft an der Präsenz von Spekulatoren auf dem Markt ist, dass diese letztlich ein Ventil gegen Preismanipulation darstellen.

Um das zu verstehen blicken wir auf Herrn Yasuo Hamanaka. Jener kontrollierte als Kupfer-Trader der Sumitomo Corporation 5% des weltweiten Angebots an Kupfer. In dieser Rolle war er für 1.8 Milliarden Dollar unauthorisierten Kupferhandel verantwortlich.

Sumitomo besaß selbst keine Kupferminen, konnte aber dennoch den Kupfermarkt durch billigen Kauf von Futures manipulieren. Durch diesen Kauf wurde eine künstliche Knappheit erzeugt, die den Kurs von Kupfer in die Höhe schoss.

Über Mittelsmänner konnte Hamanaka nun seine Trandingstrategie undurchsichtig lassen. Erst durch Druck seitens verschiedener Spekulatoren wie George Soros, die eine künstliche Angebotsmanipulation vermuteten und dem Weigern seitens Hamanaka, eine Niederlage bei einem fallenden Kupfermarkt zu akzeptieren, konnten seinen Betrug ans Licht bringen.

Entsprechend kann man sagen, dass die Spekulatoren ein Ventil in den Märkten darstellen. Die Lektion in Sachen Kupfer ist wichtig; es gibt auch im Krypto-Markt Sorgen, dass derartige Manipulationen stattfinden. Charlie Shrem beispielsweise bietet jedem ein Kopfgeld an, der beweist, dass ein ICO hinsichtlich der Transparenz des Fundings betrogen hat.

Qualität statt Quantität

Letztlich hoffen alle, dass mit der Zeit die ICO-Prozesse sich entwickeln werden.
Eine Staffelübergabe von Evangelisten, Fanatikern und Idealisten an normale interessierte potentielle Investoren ist etwas, was jede Technologie zur flächendeckenden Adaption benötigt. Entsprechend ist es wichtig, dass der aktuelle Hype einer nüchternen Betrachtung weicht, die bei der Trennung zwischen Spreu und Weizen helfen kann. Entsprechend meint Alan Friedland, der Gründer von Compcoin und der Fintech Investment Group:

“Nicht alle ICOs sind gut für die Industrie, aber die qualitativ hochwertigen sind auf jeden Fall sinnvoll. Immer wenn man neue Leute und neue Investoren dazu bringen kann, anderen von unserer Technologie zu erzählen, ist das letztlich gut für die gesamte Krypto-Branche.”

Friedland hofft darauf, dass der aktuelle ICO-Hype dazu führt, dass hochqualitative Unternehmen weitere interessante Unternehmer und Investoren anlocken. Das bedeutet jedoch auch, dass jene Unternehmen, die das Funding-Werkzeug ICO genutzt haben,  hinsichtlich dem Erfüllen Ihrer Claims geprüft werden sollten.

BTC-ECHO

Englische Original von Frederick Reese via CoinDesk

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