Gründer von Blockchain-Konsole Komodore64 verhaftet

Moritz Draht

von Moritz Draht

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

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Der Gründer von Komodore64 ist in Den Haag verhaftet worden. Sam Narain wird vorgeworfen, Gelder aus dem Konsoleprojekt veruntreut zu haben. Die Spieleplattform mit eigener Kryptowährung (K64) hatte angeblich knapp 78 Millionen Euro von Investoren erhalten. Laut niederländischen Medienberichten hat das Unternehmen nun Konkurs angemeldet. Von gespielten Investoren, falschen Mitgründern und Brotkästen.

Der Gründer des Krypto-Start-ups Komodore64 ist in Den Haag verhaftet worden. Wie das niederländische Nachrichtenmagazin Sprout berichtet, hat das Unternehmen, das 78 Millionen Euro von Investoren gesammelt hat, Konkurs angemeldet. Gründer Sam Narain soll Gelder aus dem blockchainbasierten Konsole-Projekt veruntreut haben. Dies ist der vorläufige Tiefpunkt in einem Krypto-Abenteuer mit betrogenen Lieferanten, vorgetäuschten Investoren und verprellten Mitarbeitern.


Komodore64 ist mit großen Ambitionen angetreten. Als Spieleplattform sollte Komodore64 blockchainbasierte Transaktionen integrieren, die sich über die Plattform Komodo nutzen lassen sollten. Das Projekt konnte zahlreiche Menschen gewinnen, die in die entsprechende Kryptowährung K64 investierten.

Narain hatte noch im vergangenen Juli behauptet, dass Komodore64 78 Millionen Euro Wachstumskapital durch Investoren generiert hätte. Die Nachricht lockte wiederum Investoren in das vermeintlich aufstrebende Projekt.

Investment-Scharade

Laut Sprout hat Narain für die Gewinnung neuer Investoren einen besonders einfallsreichen Trick angewandt. Über die finanziellen Förderungen in Millionenhöhe sagte Narain damals, dass das Geld von einer „bekannten Investmentgesellschaft“ käme. Die jüngsten Untersuchungen ergaben jedoch, dass Narain eine Gruppe von Leuten beauftragt hat, sich als eine Delegation der amerikanischen Bank Goldman Sachs auszugeben, die angeblich Millionen gestiftet haben soll.

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Die Investment-Scharade ist nicht der einzige Streich, den Narain gespielt haben soll. Das Start-up feierte seinen offiziellen Start mit einer Launchparty im Wert von mehreren zehntausend Euro im Fokker Terminal in Den Haag. Nun hat sich herausgestellt, dass Lieferanten von Komodore64 den Veranstaltungsort gemietet haben sollen, die auf den Kosten sitzengeblieben sind.

Doch das Verwirrspiel geht weiter: Max Theyse, der sich bei Auftritten als Mitbegründer von Komodore64 vorgestellt hat, soll diese Rolle eigentlich nie ausgeübt haben. Laut Komodore64-Kurator John Dullaart sei „der eigentliche Mitbegründer jemand anderes“. Diesen habe Narain jedoch kurz nach Unternehmensgründung verdrängt.

Zudem warten die zwölf Mitarbeiter des Unternehmens seit Monaten auf ihr Gehalt. Vor zwei Wochen beantragten die Mitarbeiter von Komodore64 daher den Konkurs des Unternehmens.

Inzwischen hat die niederländische Polizei Narain verhaftet. Ob die Verhaftung direkt mit dem Konkurs der Komodore64 im Zusammenhang steht oder andere Anschuldigungen zur Verhaftung führten, ist bislang nicht geklärt.

Blockchain statt Brotkasten

Der Name Komodore64  spielt auf den legendären Heimcomputer Commodore 64 an, der wegen seiner Form auch liebevoll Brotkasten genannt wurde. Dass sich die Komodore64 von der prominenten Vorlage bei der Namensfindung hat inspirieren lassen: geschenkt. Jedoch hat K64 eindrücklich unter Beweis gestellt, dass ein medienwirksames Marketing, dass einen bekannten Namen heranzieht, damit wohlige Erinnerungen aus dem Kinderzimmer assoziiert und zudem noch blockchainbasierte Transaktionen integriert, noch keine gute Spiele-Plattform garantiert.

Auch der Status quo gibt bislang wenig Anlass zu Freudensprüngen. Neben zahlreichen Kartenspielen stellen insbesondere Tamagochi-artige Sammelanwendungen, welche alle True Ownership durch Blockchain versprechen, die derzeitigen Spieletendenzen dar. Kreative Ansätze, die über eine Blockchain-Ökonomie oder Besitzrechte hinausgehen, müssen sich im Gaming-Bereich erst noch entwickeln.

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