Envion, Envion löst sich auf – und hinterlässt geschädigte Anleger

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Envion löst sich auf – und hinterlässt geschädigte Anleger

Nach aktuellen Informationen steht der Envion AG eine Liquidation bevor. Die Investoren sollen zwar Geld zurückbekommen. Verprellt bleiben sie dennoch. Das liegt an den Geschäftspraktiken der Envion AG. Und am aktuellen Bitcoin-Kurs.

Das Versprechen klang so verheißungsvoll wie alarmierend: 161 Prozent Rendite auf Einlagen beim ICO der Envion AG. Der Use Case sollte ebenso überzeugen: mobile Bitcoin Miner, die überschüssigen Ökostrom nutzen. Mit der Aussicht auf die sogenannten „Mobile Mining Units“ sammelte Envion dann bis Januar 2018 insgesamt 100 Millionen US-Dollar ein. Bei einem damaligen Bitcoin-Kurs von annähernd 20.000 US-Dollar ein verlockendes Angebot.

Envion: Gutes Geschäftsmodell, mehr auch nicht

Das Problem: Es gab dabei weder Geschäftsbetrieb noch Umsätze. Kurzum: Die Investoren erhielten letztlich relativ nutzlose Token.

Inmitten der Geschehnisse standen sich zwei Personen gegenüber: Michael Luckow und Matthias Woestmanns. Letzterer sollte dem Unternehmen als ehemaliger ARD-Korrespondent vor allem ein seriöses Gesicht leihen.

Was darauf jedoch folgte, war weniger seriös. Durch eine Kapitalerhöhung schaffte es Woestmann gemeinsam mit seinem Anwalt Thomas von Aubel, seinen Firmenanteil bei der Envion AG von 31 auf 81 Prozent zu erhöhen. Michael Luckow und sein Team gingen dagegen zwar rechtlich vor. Laut einem Urteil war die Kapitalerhöhung jedoch rechtens. Das Zerwürfnis, das sich bereits seit einer ominösen China-Reise ankündigte, festigte sich.

Einer der „erfolgreichsten“ ICOs


Envion, Envion löst sich auf – und hinterlässt geschädigte Anleger
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Nichtsdestotrotz zählte der ICO zu einem der “erfolgreichsten” Projekte seiner Gattung – mit insgesamt 86 Millionen ausgegebenen Token mit einem damaligen Nennwert von 1 US-Dollar sammelte das vielversprechende Projekt viel Kapital. Nachdem der ICO im Januar beendet war, kam eine für Investoren alarmierende Nachricht – Envion soll die Anzahl der Token um 40 Millionen Einheiten erhöht haben. Im White Paper stand davon jedoch offenbar nichts. So berichtet der Zürcher Tagesanzeiger:

„Am 27. Januar folgt ein Paukenschlag: Am Ende einer Sitzung erwähnt Woestmann, dass er die Zahl der Aktien des Unternehmens erhöht hat. Mit diesem Schachzug werden die Aktien der Gründer derart verwässert, dass ihr Anteil von 81 auf 31 Prozent sinkt. Die Mehrheit besitzt […] Thomas van Aubel – ein Wirtschaftsanwalt, der bereits in mehrere feindliche Übernahmen involviert war (Balda, Q-Cells). Van Aubel ist ein langjähriger Freund Woestmanns und wurde von ihm zuvor schon als Rechtsberater zu Envion geholt. Woestmann macht für diesen Schritt hehre Gründe geltend: Er verweist auf Unregelmäßigkeiten beim ICO – ihm gehe es um den Schutz der Anleger.“

Michael Luckow gegen Matthias Woestmann

Am 22. Juni dieses Jahres kam es dann zu einem Prozess: Die Trado GmbH, vertreten durch Michael Luckow, ging gegen Quadrat Capital, vertreten durch Matthias Woestmann, CEO von Envion, vor. Trado GmbH gab an, dass sie den ICO der Envion AG selbst organisiert und technisch abgewickelt hatte. „Envion AG“ sei nur eine „rechtliche Hülle“ bzw. ein „rechtlich notwendiges Vehikel für den ICO“. Schließlich stand Envion im Verdacht, lediglich eine Briefkastenfirma im schweizerischen Zug zu sein.

Das Problem: Die im White Paper nicht angegebene Vermehrung der Token führte zu einem erheblichen Wertverlust der EVN-Token. Dahingehend berichtet verbraucherschutz.tv:

„Die im White Paper nicht prospektierten Mehrtoken führen nach Auffassung der Kanzlei CLLB zu einem erheblichen Wertverlust des EVN Token, da der Emissionserlös aus dem ICO auf eine größere Anzahl von EVN Token „verteilt“ wurde. Darüber hinaus mehren sich die Stimmen derjenigen Investoren aus dem ICO, die erklären, sie hätten am ICO der Envion AG nicht teilgenommen, hätten sie gewusst, dass neben der im White Paper ausgewiesenen Anzahl an EVN Token weitere Token produziert werden.“

Der Vorwurf lautete damit auf Prospektbetrug. Die Investoren wussten demnach nicht, dass der Anstrich der Envion AG nur der Fassade galt, im Hintergrund jedoch andere Personen agierten:

„So hätten die Anleger geglaubt, bei der Envion AG in eine seriöse Gesellschaft zu investieren. Bei genauerem Hinsehen stelle sich aber heraus, dass alle für den ICO wesentlichen Personen bei der Berliner Trado GmbH tätig sind. Deren faktischer Geschäftsführer sei Michael Luckow und dieser sei im Berliner Schuldnerregister eingetragen,“

berichtet verbraucherschutz.tv an anderer Stelle. Wie es nun aussieht, kommt es zu einer (für Investoren nicht unbedingt befriedigenden) Lösung des Problems: die Liquidation der Envion AG.

Liquidation – Ein ICO löst sich auf

Beide Seite werfen sich nun gegenseitig vor, die entsprechenden ICO Daten nicht einem Wirtschaftspruefer übergeben zu haben. Dieser Organmangel führt nach Schweizer Recht nun zu einer Liquidation. Dementsprechend heißt es nun in einem Medium-Post der Trado GmbH:

„Laut diesem Entscheid solle die Envion AG liquidiert werden, weil der Verwaltungsratspräsident der Envion AG, Matthias Woestmann, einen Organmangel nicht behoben und eine gesetzlich vorgeschriebene Revisionsstelle (Wirtschaftsprüfer) trotz vorgegebener Fristverlängerung nicht eingesetzt hatte.“

Damit ist die Envion AG anschließend dazu verpflichtet, sich aufzulösen. Denn laut Schweizer Recht bleibt die Gesellschaft während der Zeit der Liquidation zwar uneingeschränkt rechts- und handlungsfähig. Ihre Befugnisse werden allerdings soweit eingeschränkt, dass sie ausschließlich Handlungen vornehmen dürfen, die im Sinne der Liquidation stehen. Also: das Geld an die Investoren zurückzahlen. Sollte eine Rückzahlungen in Kryptowährungen folgen, führt das aufgrund des aktuellen Bitcoin-Kurses allerdings zu erheblichen Nachteilen für Anleger. So berichtet der Zürcher Tagesanzeiger:

 „Das Problem dabei: Die Kurse von Kryptowährungen sind stark eingebrochen. Envion hat das Kapital der Anleger größtenteils in relativ stabilen Dollars angelegt. Wird das Geld zum tieferen Kurs in Kryptowährungen an Investoren zurückerstattet, bliebe ein zweistelliger Millionenbetrag zurück.“

Den Schaden tragen die Anleger

Das Schweizer Recht sieht es nun vor, dass im Falle einer Liquidation die Investoren entschädigt werden – allerdings in Fiatgeld. obwohl sie in den ICO mit Bitcoin und Ether investierten. Envion verkaufte die Kryptowährungen jedoch im letzten Dezember – als die Kurse bekanntlich sehr viel höher waren als heute. Diese könnte Envion nun günstig zurückkaufen und ihre Investoren weiter (ent)schädigen.

Derzeit gibt es circa 40 verprellte Anleger, die gegen Envion klagen. Wie István Cocron von CLLB Rechtsanwälte München gegenüber BTC-ECHO feststellt, werden die Klagen vom Liquidationsverfahren nicht beeinflusst:

„Durch die Liquidation werden die Schadenersatzklagen gegen die Trado [GmbH] und weitere, ggf. persönlich haftende Organe nicht beeinträchtigt. Ansprüche gegen die Envion AG müssen nunmehr im Liquidationsverfahren angemeldet werden, was wir gerade für unsere Mandanten und weitere Investoren aus der ganzen Welt organisieren.“

In einem Blogpost vermutet die Trado GmBH jedoch, Woestmann habe alles von langer Hand geplant. Dazu Cocron:

„Der Vorwurf gegen Woestmann ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar, auch wenn sämtliche Token-Inhaber und damit natürlich auch das Management und die Gründer durch ihre Beteiligung am Liquidationserlös im Endeffekt zu Lasten der Investoren und ICO-Anleger von der Liquidation profitieren dürften.“

Und das ist letztlich entscheidend: Entschädigung hin oder her, die Investoren bleiben die Gelackmeierten.

Es zeigt sich wieder: Vorsicht mit ICOs.

BTC-ECHO

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