Zur aktuellen Lage Diese 6 Crash-Szenarien können uns in eine Weltwirtschaftskrise stürzen

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 10 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Weltwirtschaftskrise

Quelle: Shutterstock

So dringlich der Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus ist, gehen wir im Zuge des internationalen Shutdowns auf eine Weltwirtschaftskrise zu. Die Finanzkrise von 2008 wirkt dagegen vergleichsweise harmlos. Welche Crashszenarien uns jetzt drohen und warum in Zukunft ein hybrides Finanzsystem notwendig ist. Ein Kommentar.

Corona ist das, was 2007 die faulen Immobilienkredite waren: der Auslöser für eine neue Weltwirtschaftskrise. Ein Auslöser, der Finanzblasen triggert und die ökonomische Stabilität herausfordert. War die Finanzkrise von 2007 ein Kampf von Zentralbanken, so ist die Corona-Krise ein Kampf der Staaten. Die Zentralbanken haben den Zins ausgeschaltet, ihre Aufgabe ist damit getan. Mehr als ihre Bilanzen für Anleihen und Aktien zu öffnen, können sie jetzt nicht mehr tun.

Die Weltwirtschaft ist trotz der oder gerade wegen der Börsenrallye der letzten 12 Jahre so fragil wie noch nie. Die Risiken im System haben sich aufgestaut, sodass es nun in den nächsten Wochen und Monaten zu folgenden Crash-Szenarien beziehungsweise Zusammenbrüchen kommen kann:

1) Zusammenbruch der Banken 

Seit der Finanzkrise von 2007 haben es viele Banken, insbesondere italienische und spanische, nicht mehr geschafft sich zu erholen. Sie hängen bereits am Tropf der EZB. Auch die deutschen Banken stehen so schlecht wie noch nie da. Nicht nur wegen den Aktienkursen von Deutsche Bank und Commerzbank, sondern vor allem, weil man den Regionalbanken die Existenzgrundlage genommen hat: den Zins. Sparkassen und Volksbanken mussten für das Fehlverhalten der großen Privatbanken durch unnötige Bürokratie (Basel 3) und Niedrigzinsen leiden. Während sie beim Lehman-Crash zu einer Stabilisierung der Volkswirtschaft beigetragen haben, sind sie nun selbst Opfer. Zumal bei ihnen die kleinen und mittleren Firmenkunden ein Konto haben, also jene, ohne große Rücklagen, die jetzt ihre Existenzgrundlage verlieren. Auch viele Häuslebauer, die sich durch niedrige Zinsen den Traum vom Eigenheim auf Pump erfüllt haben, haben ihre Kredite bei den Regionalbanken abgeschlossen.


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Wenn nun die Raten für die viel zu teuer gekauften Immobilien in den nächsten drei bis vier Monaten ausfallen werden und es wie zu erwarten keinen Käufer gibt, werden wir hier eine Negativspirale erleben. Kurzum: Kreditinstitute, praktisch in der ganzen EU und in anderen Teilen der Welt, sind mit einem großen Problem konfrontiert: Forderungen fallen aus und die Vergabe von Krediten ist weder attraktiv noch vom Risikoprofil zu rechtfertigen. Das Risiko eines Dominoeffektes bei dem Banken, aufgrund der wechselseitigen Abhängigkeiten, nacheinander umfallen, ist absolut gegeben.

Folglich ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir massive Fusionen und Verstaatlichungen sehen, sehr hoch. Der Geschäftsbetrieb der ertragreichsten Säule einer Universalbank, nämlich die Kreditvergabe, ist gegenwärtig zum Stillstand gekommen und wird nun komplett durch den Staat, ergo die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), übernommen. Die Verstaatlichung einer ganzen Branche hat also bereits schon angefangen.

2) Das chinesische Schattenbankensystem birgt ungeahnte Risiken

Die Überschuldung der chinesischen Unternehmen ist bereits enorm. Nur im Gegensatz zu Europa und den USA, sind die Zinssätze dort höher und die Transparenz niedriger. Es gibt keine verlässlichen Zahlen wie hoch die Außenstände der chinesischen Firmen genau sind. So haben regionale Regierungen in China gigantische Kreditrisiken angehäuft, ohne, dass diese in den offiziellen Bilanzen auftauchen. Das so genannte Schattenbankensystem lässt die Befürchtung zu, dass die realen Kreditrisiken, die offiziell bekannten, deutlich übertreffen. Bei einer Pleitewelle kann ebenjener Stein ins Rollen kommen, der Risiken zu Tage fördert, die schlichtweg nicht eingepreist oder abgesichert waren.

Gleichzeitig haben wir eine aufgeheizte Immobiliensituation in den chinesischen Großstädten. Diese Kombination ist geradezu tödlich und kann zu einem nachträglichen Schock in den nächsten Wochen und Monaten führen, genau wie bei Crashszenario 1. Hoffnung sind hier die enormen Reserven des chinesischen Staates, mit extremen Maßnahmen gegenzusteuern. Gleichzeitig werden dann weniger ausländische Staatsanleihen aufgekauft. Es wird also weniger Geld von China an ausländische Staaten, insbesondere amerikanische und europäische, fließen.

3) Auseinanderbrechen der Eurozone

Die Eurozone beginnt zu wackeln. Der bereits hoch bewertete Euro macht einigen Unternehmen zu schaffen, was sich gerade bei Exportausfällen besonders drastisch in den Unternehmen bemerkbar macht. Sollte nicht eine deutliche Abwertung gegenüber US-Dollar und Co. zeitnah erfolgen, dann kann in Kombination mit notleidenden Banken und hochschnellender Staatsverschuldung der Süden Europas, wie 2010 zur Griechenlandkrise, eine neue Instabilität in der Eurozone auslösen. Diesmal ist es nicht nur das kleine Griechenland, sondern vor allem Italien, das als erstes droht zu fallen. Anschließend wären Spanien, Portugal und dann Frankreich an der Reihe. Auch Deutschland könnte diesen Dominoeffekt nicht aufhalten. Es werden also neue europäische Rettungsschirme und Stabilitätsmechanismen von Nöten sein, um das Euro-System stabil zu halten. Auch wird jeder zusätzliche Euro an neuen Schulden der Krisenländer zum Nullzins von der EZB getragen werden müssen, um ein Auseinanderbrechen des Euros zu verhindern.

4) Staatliche Burn Rate explodiert schneller als Maßnahmen greifen

Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen ohne große Reserven, wie Restaurants, Taxifahrer und Dachdecker, können in kürzester Zeit in existenzielle Not fallen. Ohne unmittelbare Kompensation durch den Staat droht eine Pleitewelle der KMUs und damit ein Anschnellen der Arbeitslosigkeit, da rund 60 Prozent aller Arbeitnehmer in Europa in Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitern angestellt sind. Während in Deutschland eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote herrscht, dürften Länder wie Spanien und Frankreich noch massivere Probleme bekommen, eine Welle von Arbeitslosigkeit zu verhindern oder abzufedern. Die Sozialsysteme würden in kürzester Zeit vor dem Kollaps stehen, sofern man nicht durch Gelddrucken unmittelbar gegensteuert.

Die einzigen Lösungen sind hier staatliche Direkt-Investitionen und Förderprogramme, ohne große Bürokratie via Gießkannenprinzip. Es ist nicht möglich innerhalb weniger Tage hunderttausende von antragsstellenden Unternehmen auf genaue Bedürftigkeit zu überprüfen. Selbst wenn man eine Prüfung eines Antrages mit den dazugehörigen Dokumenten auf zwei Stunden reduziert, wären KfW und Co. komplett überfordert. Es fehlt an automatisierten und digitalisierten Prozessen, um innerhalb weniger Tage eine gesamte Volkswirtschaft mit Krediten und Finanzspritzen zu versorgen.

Ohne ein unmittelbares Handeln in den nächsten Tagen, besteht die Gefahr, dass gerade schwächere Nationen, überfordert sind und ihr Land nicht mehr zusammenhalten können. Die Kombination aus Wegfall der Steuereinnahmen bei gleichzeitig mangelnden Reserven und hochschnellenden Kosten, kann Ländern wie Italien eher heute als morgen das Genick brechen. Nicht nur in der Bekämpfung des Coronavirus durch einen Shutdown zählt jede Stunde, sondern auch bei den notwendigen Wirtschaftsmaßnahmen der Staaten und Notenbanken.

5) Deflationsschock lässt private Investitionen auf nahezu Null herunterfahren

Gerade Start-ups, die sich von Finanzierungsrunde zu Finanzierungsrunde hangeln, merken es bereits: sicher geglaubte Wagniskapitalgeber ziehen sich zurück. Kaum jemand traut sich aktuell noch in ein Projekt zu investieren. Was bei den Start-ups, die gemessen am BIP jetzt nicht so sonderlich relevant sind, verschmerzbar sein mag, gilt für die gesamte Makroebene. Jeder, ganz gleich ob Kleinanleger oder Investmentfonds, hält erstmal sein Geld zurück. Nur sehr wenige Akteure mit sehr tiefen Taschen werden in der akuten Phase die günstigen Kurse nutzen, um nachzukaufen. Die Angst vor einem nicht aufhörenden Preisverfall von Unternehmen und Immobilien führt dazu, dass ein Markt austrocknet.

Zum Glück hat man aus der Deflationskrise von 1929 gelernt. Notenbanken und Staat werden alles daran setzen, eine Deflation wie damals zu vermeiden und dafür eine Enteignung der Sparer in Kauf nehmen. Dass das Ruder ab einen gewissen Punkt auch in eine Hyperinflation umschlagen kann, wie in den 30er Jahren geschehen, muss gegenwärtig ausgeblendet werden.

Ob Staaten und Notenbanken es allerdings schaffen diese Deflationsdynamik auszubremsen, ist nicht zu beantworten, da es für diese Größenordnung keinen historischen Präzedenzfall gibt. Niemand kann genau sagen, wie viel ein System aushält und wie weit man die konjunkturellen und geldpolitischen Maßnahmen treiben kann. Die übrig gebliebene Geldwertstabilität muss geopfert werden, um das System zu erhalten. Das Sparen wird noch teurer und die Enteignung noch größer als zuvor. Der Prozess, der durch Lehman 2007 in Gang gesetzt wurde, kommt jetzt in eine neue Phase.


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6) Öl-Konflikt verschärft wirtschaftliche Lage

Aktuell befindet sich auch die OPEC in einem Krisenmodus. Die ölfördernden Staaten kämpfen um Marktanteile, insbesondere Russland und Saudi Arabien. Schon vor Corona ist der Ölpreis in sich zusammengesackt. Dies hat zur Folge, dass praktisch kaum noch ein Staat gewinnbringend Öl fördern kann. Erst recht nicht die USA, die durch das Fracking auf deutlich höhere Ölpreise angewiesen sind als beispielsweise Saudi Arabien. Dieser Umstand verstärkt nun die Krise in den USA, da gut bezahlte Jobs in Strukturschwachen Regionen wegfallen. Auch Russland, das signifikant von Rohstoffeinnahmen abhängig ist, erleidet aktuell enorme finanzielle Einbußen. Diese Ölkrise kann das Konfliktpotential in der Welt deutlich erhöhen und zu einem Krisenbeschleuniger für USA und Russland werden. Auf der anderen Seite hat ein niedriger Ölpreis aber auch enorme Vorteile in der Krise. Gerade das ölhungrige China, kann so kostengünstig seine Industrie wieder in Betrieb nehmen.

Wäre die Blockchain-Technologie nur weiter

Die Blockchain-Technologie wird nicht unmittelbar helfen können. Dennoch zeigt gerade das Beispiel der dringendsten realwirtschaftlichen Maßnahme, der Kreditversorgung der kleinen und mittelständischen Unternehmen, die Rückständigkeit der Bankeninfrastruktur, technisch wie regulatorisch. Kreditprozesse, die nun über die KfW laufen müssen, sind überhaupt nicht digitalisiert. Wer einen Kredit benötigt, kommt um das physische Papier und die manuellen Sachbearbeiterprozesse sowie den Mittelsmann namens Hausbank nicht herum. Smart Contracts würden hier nicht nur den Automatisierungsgrad deutlich erhöhen. Auch könnten digitale Identitäten auf der Blockchain helfen, die uns drohende Bürokratie-Ohnmacht zu verhindern. Die Etablierung der Blockchain-Technologie ist leider nicht so weit, auch wenn wir sie jetzt dringender denn je bräuchten. Niemand kann aktuell beantworten, wie einzelne Sachbearbeiter in wenigen Tagen so viel Fälle bearbeiten sollen, wie sonst nicht in einem ganzen Jahr.

Mit Central Bank Digital Currency die Notenbankmaßnahmen erweitern

Digitale Zentralbankenwährungen können einen höheren realwirtschaftlichen Impact ermöglichen. Genau darum geht es jetzt in der Krise, da die Mittelsmänner zwischen Notenbank und Unternehmen/Bevölkerung, ergo die Geschäftsbanken, nicht mehr funktionieren. Dieser wichtige Transmissionskanal ist zum Erliegen gekommen, wie ein verstopftes Rohr, durch das kein Wasser mehr fließt.

Daher braucht es neue Distributionsformen außerhalb der Geschäftsbankeninfrastruktur. So plant die chinesische Zentralbank beim digitalen Renminbi auch Nicht-Finanzinstitute in ihre Geldpolitik miteinzubeziehen, konkret Alibaba und Tencent. Auch besteht die Möglichkeit geldpolitische Maßnahmen wie Zinsanpassungen flexibler und automatisierter zu gestalten.

Natürlich hilft hier kein blinder Aktionismus. Digitales Geld ist nur so gut, wie seine Smart-Contract-Infrastrukturen sind. Bevor eine Zentralbank sich dazu entscheidet, eine programmierbare Währung herauszugeben, muss sie sich im Vorfeld sehr viele Gedanken machen.

Die Vermischung von traditionellem und Krypto-Finanzsystem: Das hybride Finanzsystem

Die uns noch bevorstehende Rettung durch gigantische Schulden und Notenbankmaßnahmen ist unausweichlich. Der Preis dafür wird allerdings sehr hoch sein. Entsprechend müssen wir uns Fragen, wie wir das zentralistische Geldsystem zur Stabilisierung unserer Gesellschaft und politischen Ordnung halten und zugleich wieder einen funktionierenden sowie freien Markt etablieren können.

Eine Lösung kann hier in der Hybridisierung unserer Finanzökonomie liegen. So können dezentrale Finanzanwendungen (DeFi) gänzlich ohne Altlasten und Marktverzerrung dazu führen, wieder gesunde Strukturen zu errichten. Insbesondere der Zins als wichtigster Informationsträger in der Finanzwirtschaft verliert durch die bevorstehenden Maßnahmen an Gewicht. Ohne Zins kann kein freier Finanzmarkt zu Stande kommen. Dezentrale Kredit- und Sparsysteme, die losgelöst von der betroffenen Geschäftsbankeninfrastruktur funktionieren, können daher wieder für gesunde Finanzmarktmechanismen sorgen.

Der Kleinsparer der Zukunft wird seine Zinsen durch Staking bekommen, anstatt durch Sparbuchzinsen, die bereits heute schon nicht mehr existieren. Auch andere Decentralized-Finance-Anwendungen, wie das Lending bei MakerDAO, werden neue Finanzierungs-Ökosysteme schaffen. Insgesamt kann so der angeschlagene Finanzsektor entlastet und unser System – ganz dezentral – auf mehreren Beinen aufgestellt werden.

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