Die Österreichische Schule: Was ist eigentlich Fiatgeld?

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Die Österreichische Schule: Was ist eigentlich Fiatgeld?

Ist der Bitcoin das Geld des 21. Jahrhunderts oder nur eine flüchtige Erscheinung der Neuzeit? Was ist Geld überhaupt? Welche Eigenschaften zeichnen „gutes Geld” aus? Gerade die libertäre Sparte der Bitcoin-Enthusiasten lobt die Kryptowährung als das „Geld der Zukunft”. Ein Grund dafür ist die staatliche Kontrolle der klassischen Geldsysteme.

Das Wort „Fiat“ ist lateinisch und bedeutet „es werde“. Im ersten Buch der Bibel – der Genesis – heißt es „Fiat Lux!“ (also: „Es werde Licht“). Der Begriff „Fiatgeld“ steht für ein Tauschmittel, dass von keiner Ware (wie dem Edelmetall Gold) gedeckt ist. Seinen Geld-Charakter bekommt diese Währung auf der einen Seite durch die Macht der jeweiligen Regierung, die die Währung als gesetzliches Zahlungsmittel vorschreibt. Auf der anderen Seite durch die allgemeine Akzeptanz in der Bevölkerung als Tauschmittel.

Das Fiatgeld war nicht plötzlich in der Mitte der Gesellschaft, sondern entwickelte sich über das 20. Jahrhundert hinweg. Murray Rothbard beschreibt in seinem BuchWhat Has Government Done to Our Money?“ die Etablierung von Fiatgeld von 1914 bis 1973. Für das Verständnis von Kryptowährungen ist es hilfreich, den Ursprung des Fiatgeldsystems zu kennen.

Erste Abweichung von Gold

Im 19. Jahrhundert herrschte in weiten Teilen der westlichen Welt der Goldstandard. Das heißt, alles Papiergeld repräsentierte den Anspruch auf ein bestimmtes Gewicht an Gold. Genauer gesagt war der „Dollar“ ein Synonym für eine 1/20 Unze Gold. Der Pfund Sterling war ein Synonym für etwas weniger als 1/4 Unze Gold. Der Wechselkurs zwischen Dollar und Pfund war daher festgelegt (nämlich 1 Pfund Sterling = 4,86 US-Dollar), genauso wie die Umrechnung von Gramm in Kilo (also 1000 g = 1 Kg) festgelegt ist.

Wichtig: Das Edelmetal Gold wurde nicht von einer Regierung als Geld etabliert, sondern vom Markt über die Jahrhunderte als bestes Geld ausgewählt. Die Geldmenge und Wertschätzung bestimmte sich über die Marktkräfte und nicht die Willkür einer staatlichen Druckmaschine.

Bis 1914 hatten Staaten das Monopol auf die Prägung des Geldes für sich beansprucht. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs endete das „goldene Zeitalter“. Um den Krieg zu finanzieren, druckten die jeweiligen Länder so viel Papiergeld, dass sie eine Inflation hervorriefen und die Ansprüche auf Gold nicht mehr erfüllen konnten. Sie suspendierten den Goldstandard „temporär“ – mit anderen Worten, sie erklärten den Bankrott.

Der Gold Exchange Standard und Bretton-Woods

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wich der Goldstandard dem Gold Exchange Standard. Dabei war der Dollar durch Gold gedeckt, der Britsche Pfund durch den Dollar und alle anderen westlichen Währungen durch den Brischen Pfund. Darüberhinaus setzte Großbritannien den Wechselkurs zwischen Pfund und Dollar auf 4,86 Dollar pro Pfund, was nicht mehr die Realität des gedruckten Papiergeldes widerspiegelte (akkurater wäre ein Preis von 3,50 Dollar gewesen). Der vergleichsweise überbewertete Pfund führte zu einer wirtschaftlichen Stagnation in Großbritannien während der 1920er-Jahre – eine Zeit, in der alle anderen Länder massives wirtschaftliches Wachstum erfuhren.

In dem vergeblichen Versuch, die Great Depression zu überwinden, gab die USA den Goldstandard 1934 auf. Bürgern war das Halten von Gold und Eintauschen von Dollar in Gold verboten. Der Goldstandard wurde an 1/35 Unze Gold pro US-Dollar angepasst und nur noch Zentralbanken und ausländische Regierungen durften Dollar gegen Gold tauschen.

Das Bretton-Woods-System wurde im Jahr 1944 in der gleichnamigen US-amerikanischen Stadt in New Hampshire beschlossen und trat ein Jahr später in Kraft. Der Wert eines US-Dollars wurde an Gold gebunden; genauer: 35 US-Dollar pro Unze Gold. Die anderen Nationen (bspw. Deutschland, Frankreich und Japan) nutzten – ähnlich wie beim Gold Exchange Standard – den US-Dollar als Reserve für ihre nationalen Währungen.

Über die nächsten 20 Jahre verfolgte die Zentralbank der Vereinigten Staaten von Amerika eine aggressive, expansive Geldpolitik. Das heißt, es wurde mehr Papiergeld gedruckt, als es die Goldreserven eigentlich zuließen. Weil die anderen Währungen den US-Dollar als Reserve nutzen, waren sie von dieser Politik auch betroffen. Jedoch konnten sie den US-Dollar für Gold eintauschen – mit einem Wechselkurs von 35 US-Dollar pro Unze Gold. Die Goldreserven der USA begannen zu schwinden – von 25 Milliarden US-Dollar an Gold Anfang der 1950er-Jahre auf 9 Milliarden US-Dollar in den 1960ern. Europa saß hingegen auf ungefähr 80 Milliarden US-Dollar an Papiergeld und Amerika konnte oder wollte das nicht in Gold umtauschen.

„Es werde Geld“

Am 15. August 1971 beendete der damalige US-Präsident Richard Nixon das sogenannte Bretton-Woods-System. Mit der Auflösung des Bretton-Woods-System löste die US-Regierung das Papiergeld von dem Gut „Gold“. Seither schossen die Goldpreise in die Höhe, anstatt wie von Keynsian-Ökonomen vorhergesagt auf den rein industriellen Wert (von ca. 10 US-Dollar pro Unze) zu fallen.

Das Bretton-Woods-System wurde ursprünglich mit dem Versprechen verabschiedet, dass für alle Ewigkeit der US-Dollar eine 1/35 Unze Gold kaufen könnte. Doch schon zwei Jahre nach der Trennung von Papiergeld und US-Dollar im Jahr 1973 kostete eine Unze Gold 215 US-Dollar. Zur Zeit des Schreibens (Mai 2018) kostet eine Unze Gold über 1.300 US-Dollar.

Seit 1973 existieren untereinander fluktuierende Fiatwährungen, ohne Bindung an ein begrenztes Gut. Die Geldpolitik der Zentralbanken kennt keine natürlichen Grenzen mehr. Die Geldmenge kann willkürlich angehoben werden.

Die Bilanz der amerikanischen Zentralbank (FED) beträgt 4.356.129 Millionen US-Dollar (Stand 1. Mai 2018). Seit dem Jahr 2007 hat die FED ihre Bilanz um 3.493.354 Millionen US-Dollar erhöht (3.493.354.000.000 US-Dollar; in Worten: 3,49 Billionen US-Dollar). Das heißt, die Vermögenswerte der FED haben sich in 10 Jahren mehr als verfünffacht. Der Unterschied zwischen der Bilanz einer Zentralbank und der eines herkömmlichen Unternehmen ist, dass die Zentralbank Vermögen aus dem Nichts generieren kann. Dafür druckt sie Geld und bringt dieses dann durch den Kauf von (faulen) Vermögenswerten in den Umlauf. Der Fachbegriff dafür ist Quantitive Easing (QE).

 

Der Kaiser ist nackt!

Ähnlich wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ ist auch unser „Kaiser“ (also die Zentralbanken) nackt. Vor über 40 Jahren verkündete die USA ihren Bankrott, indem sie sich endgültig vom Goldstandard lösten. Doch noch immer hat die Gesellschaft nicht entsprechend darauf reagiert. In dem Märchen von Hans Christian Andersen geben alle Leute vor, dass der Kaiser die schönsten Gewänder trägt; in unserer Welt geben alle Leute vor, dass das Papiergeld noch einen Wert hat.

Das Interessante ist, dass das Medium zum Tausch nicht viel mehr braucht als die allgemeine Akzeptanz, um als Medium zu funktionieren. Wir teilen alle die gleiche Halluzination: „Dieses Stück Papier hat Kaufkraft X“. Allerdings gibt die Geldpolitk der Zentralbanken lediglich die Illusion von Wohlstand. Wenn wir aus dem Traum aufwachen, wird es unangenehm. Die Altersvorsorge ist plötzlich nicht-existent und wovon soll man den Wocheneinkauf bezahlen?

Wann dieser Tag wohl kommen wird?

Bitcoin – die Rettung?

In diesem Kontext kristallisiert sich der Mehrwert von Bitcoin heraus. Während die Inflation und ihre Tücken immer weiter um sich greifen, indem die absolute Geldmenge von Zentralbanken ausgeweitet werden, ist die Geldmenge in Bitcoin fix. Nur 21 Millionen Bitcoin wird es jemals geben. Bitcoin ist ein Open-Source-Protokoll, an dem jeder partizipieren kann. Die Betonung liegt auf „kann“, denn man muss nicht – die Wahl ist jedem selbst überlassen. Bei Fiatwährungen hat man diese Wahl nicht. Dort sind wir alle gezwungenermaßen Spielball der experimentellen Geldpolitik der Zentralbanken.

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