Die Österreichische Schule: Tücken der Inflation

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Die Österreichische Schule: Tücken der Inflation

Ist der Bitcoin das Geld des 21. Jahrhunderts oder nur eine flüchtige Erscheinung der Neuzeit? Was ist Geld überhaupt? Welche Eigenschaften zeichnen „gutes Geld” aus? Gerade die libertäre Sparte der Bitcoin-Enthusiasten lobt die Kryptowährung als das „Geld der Zukunft”. Ein Grund dafür ist die staatliche Kontrolle der klassischen Geldsysteme.

Diese Artikelreihe greift die Erkenntnisse der Österreichischen Schule auf und ordnet Kryptowährungen in die freimarktwirtschaftliche Wirtschaftsphilosohpie ein. Als Quelltext dient „What Has Government Done To Our Money?“ von Murray N. Rothbard. Die vorangegangenen Artikel (1 & 2) stellten dar, dass Geld ein Gut in der Wirtschaft ist, welches primär als Medium zum Tausch verwendet wird. Nun blicken wir auf die Rolle des Staates im Geldsystem.

Inflation – die stille Steuer

Der Staat ist die einzige Organisation in der Gesellschaft, die ihre Einnahmen nicht durch den freiwilligen Austausch von Gütern und Diensten erhält. Stattdessen konfisziert ein Staat, scharf ausgedrückt, das Geld seiner Bürger in Form von Steuern. Während diese eine relativ direkte Einnahmequelle sind, die den Bürgern leicht auffällt, kann der moderne Staat sich einem weiteren, subtileren Mittel bedienen, um seinen „Profit“ zu erhöhen. Dabei handelt es sich um Inflation. Inflation bezeichnet die Vergrößerung der Geldmenge und bedeutet einen Verlust an Kaufkraft der einzelnen Geldeinheit.

Nehmen wir als Beispiel eine Volkswirtschaft mit einer Geldmenge von 10.000 Unzen Gold. Ein Fälscher betritt die Bühne und fügt 2.000 Unzen Falschgeld ein. Was passiert? Zuerst erfährt der Fälscher einen Vorteil: Er ist um 2.000 Unzen Gold reicher. Aber je weiter das neue Geld die Wirtschaft penetriert, desto mehr bieten sich die Preise nach oben. Die Preise steigen, bis sie sich an die neue Geldmenge (von 12.000 Unzen Gold) angepasst haben. Der Vorteil des Fälschers entsteht auf dem Rücken derer, die das „neue“ Geld als letzte bekommen.

Die Folgen sind gefährlich für eine Wirtschaft:

  • „Mehr Geld“ heißt für viele Menschen „mehr Wohlstand“ – im Fall der Inflation folgt dieser Schluss allerdings nicht.
  • Die Inflation passiert meist schleichend und unauffällig.
  • Inflation ist ein Rennen – wer am schnellsten an das neue Geld kommt, hat den größten Vorteil.
  • Bürger mit einem „festen Einkommen“ – beispielsweise Rentner – trifft die Inflation am stärksten.
  • Inflation verzerrt die Preissignale des Marktes.
  • Unternehmen überschätzen durch das zusätzliche Geld ihre Lage.
  • Inflation belohnt das Aufnehmen von Schulden.

Ewig kann ein solches Geldsystem nicht bestehen. Je mehr Geldeinheiten hinzukommen, desto mehr wollen die Leute ihr Geld loswerden. Dies gipfelt in einer sogenannten Hyperinflation – kein Fremdwort für die Bevölkerung Venezuelas oder die der Weimarer Republik vor knapp 100 Jahren in Deutschland. In der Hyperinflation müssen die Preise täglich oder stündlich angepasst werden, weil das Geld so rapide an Wert verliert.

Der Grundstein der Geldabwertung

Damit sich ein Staat dem stillen Steuermittel, der Inflation, bedienen kann, braucht er vor allem eines: das Monopol auf die Prägung von Geld. Viele Schritte sind nötig, damit sich das Volk einem solchen Monopol beugt. Einer ist, den Mythos zu verbreiten, dass einzig und allein der Souverän – der Staat oder der König – das Vorrecht auf die Prägung einer Währung hat. Ein weiterer ist die Trennung des Währungsnamens von jeglicher Gewichtseinheit (so war „der Dollar“ ursprünglich ein Synonym für ein Gewicht – nämlich „1/20 Unze Gold“). Mit gesetzlichen Zahlungsbedingungen wird staatlich festgelegt, welches Gut denn überhaupt als „Geld“ gemeint ist. Solange diese Gesetze mit Geld fungieren, die der Markt ausgewählt hat, spielen sie keine große Rolle. Allerdings etablieren diese Gesetze einen essentiellen Präzedenzfall: die staatliche Kontrolle über das Geld.

Hat der Staat einmal die Hoheit über die Währung für sich beansprucht, löst er alle Verbindungen zu anderen Gütern. Das Messen einer Geldeinheit in ihrem Gewicht hindert diese Bestrebung. Anders ausgedrückt, muss „der Dollar“ von seiner ursprünglichen Bedeutung (also, „1/20 Unze Gold“) gelöst werden und selbst ein „tangibles Gut“ werden. Wenn jegliche Bindung zum realen Gut abgeschafft wurde, hat der Staat endlich die Macht, die Geldmenge willkürlich zu manipulieren. Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Wirtschaft.

Die Monopolstellung im Zahlungsmittel führt zu weiteren, unangenehmen Nebeneffekten. Zum einen gibt es nun keinen Wettbewerb zwischen Zahlungsmitteln mehr – die Menschen können nicht mehr „das beste“ Geld auswählen. Zum anderen herrscht kein Wettbewerb in der Prägung – die Kosten dafür können auf die unfreiwillige „Kundschaft“ abgewälzt werden. Der Monopolist besitzt einfach keinen Anreiz, effektives und effizientes Geld zu produzieren – seine Kunden haben keine andere Wahl. Ist das Geldmonopol gesichert, ist der Grundstein zur Geldabwertung gelegt.

Bitcoins Gegenkonzept: Eine limitierte Geldmenge

Als Satoshi Nakamoto Bitcoin konzipierte, modellierte er die Emission neuer Bitcoin an dem Abbau von Gold. Das heißt konkret, dass sich der Bitcoin Block Reward ungefähr alle 4 Jahre halbiert. Wichtiger noch: Die Anzahl der Bitcoin ist limitiert und unterliegt nicht der Entscheidungsgewalt einer zentralen Autorität (wie einer Zentralbank).

Obige Abbildung zeigt die Emissionskurve von Bitcoin (BTC). Ungefähr alle 4 Jahre halbiert sich der Block Reward. Die finale Geldmenge ist endlich (ca. 21 Millionen BTC).

Dieser Fakt – der limitierten Geldmenge und des dezentralen Konsens – sorgt dafür, dass Bitcoin kein Opfer von Hyperinflation werden kann. Aktuell hat Bitcoin zwar eine Inflation – 0,011 % pro Tag; ca. 3,8 % im Jahr 2018 – diese wird allerdings über die Zeit abnehmen. Vor allem ist sie nicht kontrollierbar und zu jedem Zeitpunkt – auch zu zukünftigen – abschätzbar.

Die Emissionskurve von Bitcoin ist durch Computercode definiert und kann nur mit einem breiten Konsens unter den 12.000 Nodes geändert werden. Bitcoin ist noch keine zehn Jahre alt. Wir befinden uns noch in einer Phase, in der verhältnismäßig viele neue Bitcoins geschürft werden. Durch die festgelegte Geldmenge im Code, lässt sich eine Deflation schon heute voraussagen: Die Kaufkraft eines Bitcoins wird über die Zeit steigen.

Bitcoin löst also ein fundamentales Problem der Neuzeit: Es trennt das Geld vom Staat. Aufgrund seiner digitalen und dezentralen Natur können Zentralbanken & Co. diese Entwicklung nicht aufhalten.

BTC-ECHO

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