Die Österreichische Schule – Was ist eigentlich Geld?

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Die Österreichische Schule – Was ist eigentlich Geld?

Ist der Bitcoin das Geld des 21. Jahrhunderts oder nur eine flüchtige Erscheinung der Neuzeit? Was ist Geld überhaupt? Welche Eigenschaften zeichnen „gutes Geld” aus? Gerade die libertäre Sparte der Bitcoin-Enthusiasten lobt die Kryptowährung als das „Geld der Zukunft”. Diese Artikelreihe greift die Erkenntnisse der Österreichischen Schule auf und ordnet Kryptowährungen in die freimarktwirtschaftliche Denke ein. Als Quelltext dient „What Has Government Done To Our Money?“ von Murray N. Rothbard.
Menschliche Interaktion und Formen des Handels

Menschliche Interaktion und Formen des Handels

Zu einem fundamentalen Verständnis über „Geld”, warum es existiert, welche Eigenschaften es in der Regel besitzt und was es der Gesellschaft ermöglicht, verhilft uns ein einfaches Gedankenexperiment:

Die direkte Tauschwirtschaft

Man stelle sich Crusoe und Freitag isoliert auf einer Insel vor. Crusoe fängt Fische und Freitag sammelt Beeren. Am Ende des Tages tauschen beide miteinander. Hier ist kein Geld nötig; Crusoe gibt Fische, Freitag gibt Beeren – das Tauschverhältnis (der Preis) etabliert sich durch beidseitiges Verhandeln. Der (jeweils subjektive) Wert ist unsichtbar. Offensichtlich ist nur, dass beide einen subjektiven Gewinn erfahren, da sie freiwillig handeln. Schätzt einer der beiden sein eigenes Gut wertvoller ein, so findet kein Tausch statt. Crusoe und Freitag tauschen ihre Güter direkt gegeneinander; es handelt sich also um eine direkte Tauschwirtschaft.

Das Problem der direkten Tauschwirtschaft

Jetzt wird die Gesellschaft etwas komplexer: Jones, der Fahrräder produziert, kommt hinzu. Unmittelbar präsentieren sich zwei Komplikationen der direkten Tauschwirtschaft. Erstens kann Jones seine Fahrräder nicht teilen, d. h. wenn er nur einen Fisch kaufen will, müsste er ein ganzes Fahrrad dafür aufgeben. Zweitens ist Jones darauf angewiesen, dass Crusoe zufällig ein Fahrrad möchte, um an Fische zu kommen. Abstrakt gesagt, die direkte Tauschwirtschaft leidet unter unteilbaren Gütern und einem Mangel an zufällig kompatiblen Bedürfnisse. Es wird klar, dass eine komplexe, zivilisierte Gesellschaft nicht auf direktem Tauschhandel basieren kann.

Die indirekte Tauschwirtschaft

Doch das Dilemma ist nicht ausweglos: Ein Medium zum Tausch ermöglicht den indirekten Tauschhandel. Anstatt die Fische gegen Beeren zu tauschen, verkauft Crusoe seine Fische für das Medium und verkauft dann das Medium für die Beeren. Mit diesem extra Schritt, mit dem Medium zum Tausch, ist „das Geld” geboren. Das Geld ist also das Schmieröl für eine Wirtschaft. Es ermöglicht, dass jeder mit jedem handeln kann. Das Medium erfüllt also eine wichtige Rolle in der Wirtschaft und generiert deswegen seine eigene Nachfrage. Je etablierter ein Medium in einer Wirtschaft ist, desto marktfähiger wird es und je marktfähiger das Geld ist, umso mehr etabliert es sich.

Geld, egal in welcher Form, ist ein Gut. Historisch haben verschiedene Güter als Geld gedient: Tabak, Zucker, Salz, Tee, Muscheln, Korn, Silber und Gold. Vor allem Gold und Silber wurden über die Jahrhunderte vom Markt als Medium benutzt. Gold eignet sich sehr gut als Medium. Es ist im Gegensatz zu Fahrrädern gut teilbar, selten, verdirbt nicht und lässt sich relativ leicht transportieren. Der Wert von einem Geld bestimmt sich über die absolute Geldmenge und die absolute Nachfrage der Käufer und Hodler.

Vorteile von Geld

Geld ist ein Segen für unsere Gesellschaft. Ohne Geld gäbe es keine Arbeitsteilung, keine Spezialisierung und damit keinen sozialen Fortschritt. Jones kann seine Fahrräder jetzt für Geld verkaufen und mit diesem Geld Beeren kaufen. Geld ist teilbar und generell akzeptiert. Alle Güter haben ein Umtauschverhältnis in Geld und können so miteinander verglichen werden. Geld ermöglicht Preise und damit wirtschaftliches Kalkül. Der Unternehmer kann nun eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellen und Ressourcen besser zum Befriedigen der Bedürfnisse der Konsumenten verwenden. Geld dient also zusätzlich zu seiner fundamentalen Funktion als Medium zum Tausch auch als Rechnungseinheit und Wertmaß. Da Geld allgemein akzeptiert ist und gelagert werden kann, um in der Zukunft ausgegeben zu werden, dient es auch als Wertspeicher. Merke: Geld ist primär ein Medium zum Tausch und die Funktionen als Rechnungseinheit, Wertmaß und Wertspeicher sind eine Folge des Mediums.

Fazit – Was ist eigentlich Geld?

Zusammengefasst: Geld ist ein Gut in der Wirtschaft, welches als Medium zum indirekten Handeln von Gütern benutzt wird. Wichtige Eigenschaften sind Haltbarkeit, Teilbarkeit und Seltenheit. Geld ermöglicht Arbeitsteilung, Spezialisierung, einen höheren Lebensstandard, wirtschaftliche Planung, Maß zum Vergleich von Gütern und einen Wertspeicher. Es ist für unsere heutige Welt verantwortlich und daraus nicht mehr wegzudenken.

Der nächste Artikel von “Die Österreichische Schule” beschäftigt sich mit dem kontemporären Zentralbankensystem und Fiatwährungen.

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