Österreichische Perspektive auf die Einschätzung der Deutschen Bank zu den 7 Bitcoin-Standardaussagen

Quelle: FRANKFURT, GERMANY - APR 19: Deutsche Bank headquarter building in the city of Frankfurt Main. April 19, 2015 in Frankfurt, Germany via Shutterstock

Österreichische Perspektive auf die Einschätzung der Deutschen Bank zu den 7 Bitcoin-Standardaussagen

Am 29. Januar veröffentlichte die Deutsche Bank Research ein Paper über sieben Standardaussagen bezüglich Bitcoin und ihre Einordnung und Einschätzung derselben. In diesem Artikel werde ich zuerst die Antworten der Deutschen Bank auf die einzelnen Aussagen zusammenfassen und dann jeweils meine persönliche Meinung aus der Sicht der Österreichischen Schule anmerken.
1 – Bitcoin ist überbewertet.

1 – Bitcoin ist überbewertet.

Deutsche Bank: Für eine „wirkliche“ Bewertung von Bitcoin führt die Deutsche Bank mehrere Komplikationen auf. So sei unklar, ob der Bitcoin als eine Währung, ein Gut oder eine Kapitalanlage einzuordnen ist. Zudem hat der Bitcoin, im Gegensatz zu herkömmlichen Investitionsmöglichkeiten, kein Refinanzierungsbedarf. Er ist dezentral, was ihn robuster gegen Angriffe macht und eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit andeutet. Zuletzt könnte Bitcoin das Bewertungssystem selbst nachhaltig verändern. Doch kommt die Deutsche Bank zu dem Schluss, dass die Bestimmung eines „fairen Preises“ nicht möglich sei.

Österreichische Schule: Wert (ob von Bitcoin oder von allen anderen Gütern der Welt) ist subjektiv. D. h. jeder Mensch hat eine eigene Bewertung eines gegebenen Gutes und diese Bewertung ist rein psychisch und kann nicht in Erfahrung gebracht werden. Alles, was ein Beobachter sieht, sind Marktpreise, die sich als Resultat der verschiedenen subjektiven Bewertungen bilden. Wird ein Bitcoin zum Preis von 10.000 US-Dollar erworben, bewertet der Käufer den Wert der Bitcoin subjektiv höher als den Kaufpreis, der Verkäufer bewertet die 10.000 US-Dollar höher. Wie viel höher die jeweilige Bewertung ist, lässt sich nicht feststellen. Es ist mir daher ein Rätsel was ein „fairer Preis“ überhaupt sein soll. Bewertet ein Käufer einen Preis als „fair“, dann sieht er wahrscheinlich einen höheren Nutzen in dem Gut als in dem Geld, das er dafür aufgibt. Findet er den Preis „unfair“, wird er sein Geld nicht aufgeben. Aber objektive Fairness gibt es hier nicht.

2 – Bitcoin ist eine Konkurrenz zur US-Dollar-Dominanz.

Deutsche Bank: Dass Bitcoin den US-Dollar als Leitwährung in den nächsten Jahren angreift, hält die Deutsche Bank für unwahrscheinlich. Zu viele Fragen seien offen; etwa wie Vergütungen von Arbeitsverträgen bei Kursschwankungen aussehen würden, die Auswirkungen auf staatliche Haushalte und Besteuerung von Bürgern.

Österreichische Schule: Wie die Vergütung von Arbeitnehmern genau aussehen würde, wäre Bitcoin die Leitwährung, ist in der Zukunft und damit ungewiss. Um Kursschwankungen in der Gehaltsauszahlung zu reduzieren, könnte man beispielsweise den Preisdurchschnitt des letzten Monats als Wert nehmen. Die Frage ist ein ökonomisches Kalkül und wird durch das individuelle Handeln aller Akteure in der Wirtschaft beantwortet. Die Auswirkungen einer unabhängigen, deflationären Währung auf staatliche Haushalte wären fatal für letztere. So könnte nicht einfach neues Geld gedruckt werden, um Staatsschulden zu „tilgen“ und der Wert/die Kaufkraft der Schulden würde – Deflation sei Dank – mit der Zeit steigen.

3 – Sobald die Regulierer einschreiten, stirbt Bitcoin.

Deutsche Bank: Regulierungen können den Preis von Bitcoin beeinflussen, allerdings ist Bitcoin als globales Phänomen nicht an eine spezielle juristische Zuständigkeit gebunden. Länder reagieren unterschiedlich auf die Kryptowährung und eine globale Regulierung ist daher nur schwer durchzusetzen. Bitcoin wurde seit 2010 schon über 200-mal für „tot“ erklärt, existiert allerdings nach wie vor. Er lebt also!

Österreichische Schule: Ein signifikanter Mehrwert von Bitcoin ist, dass man es eben nicht abschalten kann. Ein Regulator hat nur einen begrenzten Handlungsspielraum im Kampf gegen Bitcoin. Das Tor, welches Staaten überwachen können, ist das sogenannte „Fiat Gateway“, also der Schritt von Fiat zu Krypto. Zum Beispiel durch die Know-Your-Customer-Politik können Leute vom Kauf von Bitcoin ausgeschlossen werden. Hat man allerdings den Schritt in die Kryptowelt einmal geschafft, gibt es etliche Peer-to-Peer-Lösungen, die von niemandem mehr zensiert werden können. Ein Verbot von Bitcoin würde wahrscheinlich ähnliche Effekte auf den Preis haben wie bei anderen Schwarzmärkte: Das Angebot sinkt, die Nachfrage sinkt verhältnismäßig weniger, ergo steigt der Preis.

4 – Die Bitcoin-Community ist bankenfeindlich.

Deutsche Bank: Die Deutsche Bank erkennt einen bankenfeindlichen Teil in der mittlerweile sehr breiten Bitcoin Community. Allerdings trifft diese Charakterisierung nicht auf alle Bitcoin-Nutzer zu. Bitcoin sei zwar bankenkritisch, allerdings gibt es auch für Banken die Möglichkeit, von dem Grundsatz „banking the unbanked“, beispielsweise durch die Vergabe von Krediten, zu profitieren.

Österreichische Schule: Historisch gesehen war eine Bank nichts anderes als ein Lagerhaus für Gold und Silber. Die Menschen konnten ihr (relativ unpraktisches) Gold in der Bank lagern und erhielten im Gegenzug einen Schuldschein dafür – die Geburt des Papiergeldes. An diesem Mechanismus ist nichts auszusetzen, allerdings richtet sich die Kritik am Bankensystem auf einen anderen Umstand: Seit den 1970er-Jahren gibt es die Verbindung vom Papier-Schuldschein zu Gold nicht mehr! Das momentane Fiat-System ist an keinerlei realen Wert gebunden und verzerrt durch die expansive Geldpolitik der Zentralbanken den Markt. Bitcoin ermöglicht es, ein Gut individuell zu lagern und auszutauschen, nicht nur ein IOU über dieses Gut. Wer mit Bitcoin bezahlt, bezahlt also mit „Goldstücken“ anstatt mit Papierscheinen. Nicht zuletzt muss erwähnt werden, dass Banken nicht immun gegen Bankrott sind, auch Fehler machen können (und 2008 gemacht haben) und Leben ruinieren können, indem sie das Geld anderer verzocken. Die Kritik gegen das zentralisierte Bankensystem ist daher nicht grundlos, wird von der Deutschen Bank aber verschwiegen.

5 – Bitcoin macht den klassischen Zahlungsverkehr obsolet.

Deutsche Bank: Bitcoin ist noch nicht an einem Punkt angelangt, an dem es dem aktuellen Finanzsystem ernsthafte Konkurrenz machen könnte. Gerade die Skalierung macht Bitcoin (aktuell maximal 7 Transaktionen pro Sekunde) zu schaffen. Lösungsansätze wie das Lightning Network werden getestet, sind allerdings noch nicht bereit für die Massen. Die Deutsche Bank sieht Bitcoin daher als ein alternatives Zahlungsmittel mit Vor- und Nachteilen. Banken können in Koexistenz mit Bitcoin leben. Obsolet wird der klassische Zahlungsverkehr dadurch nicht.

Österreichische Schule: Bitcoin ist noch nicht perfekt. Das lässt die Skalierungsdebatte erkennen. Doch auch wenn Bitcoin noch nicht massentauglich ist, sind die Vorteile gegenüber dem momentanen, inflationären Fiatgeldsystem eklatant. Vor allem die Deflation (also das Steigen der Kaufkraft über Zeit) bietet einen sicheren Hafen, um Erspartes aufzubewahren, ohne Wert einzubüßen. Das Halten der eigenen Bestände wird von der Deutschen Bank als Schwäche angesehen, da viele Leute mit dieser Verantwortung nicht umgehen können oder wollen. Allerdings gab es diese Option vor Erfindung von Bitcoin nicht. Welche Währung der Markt als beste, praktischste, effizienteste etc. auswählen wird, wird die Zeit zeigen.

6 – Das Geldangebot von Bitcoin ist fix.

Deutsche Bank: Die finale Geldmenge von Bitcoin ist im Jahre 2040 erreicht. Zudem wäre es ja theoretisch möglich, dass die momentane fixe Geldmenge von 21 Millionen Bitcoin durch den Quellcode geändert werden könnte.

Österreichische Schule: Knappheit von Ressourcen ist ein natürliches Attribut unserer Welt. Auch Gold ist knapp und hat sich unter anderem deshalb als Zahlungsmittel über die Geschichte etabliert. Wie Satoshi Nakamoto in seinem White Paper erklärte, ist die Geldmenge des Bitcoin nach dem Abbau von Gold modelliert (also dass es endlich ist und der Block Reward sich alle vier Jahre halbiert). Das Limit von 21 Millionen Bitcoin wird erst im Jahre 2143 erreicht und nicht schon im Jahr 2040 (vielleicht gab es hier einen Zahlendreher bei der DB). Die limitierte Geldmenge ist eines der fundamentalsten Eigenschaften von Bitcoin und es ist für mich sehr zweifelhaft, dass diese Größe jemals geändert wird. Natürlich lässt sich dank Open Source eine Fork mit doppelter oder gar unendlicher Geldmenge etablieren. Das Problem wird dann sein, erstmal Nutzer zu überzeugen, diese Fork auch tatsächlich zu nutzen. Die Größe der Geldmenge bestimmt das Preisniveau. Der Verlust von einigen Bitcoin ist relativ unproblematisch, denn es führt zu einer Preissteigerung in den übrigen Coins.

Viel problematischer ist die unbegrenzte Macht der Zentralbanken, Geld zu kreieren und das Giralgeld, welches die Geldmenge artifiziell erhöht. Das Resultat ist eine Inflation, der Verfall von Kaufkraft über die Zeit. Gerade arme Menschen sind hiervon stark betroffen, da sie nicht genügend Kapital zur Diversifizierung haben und das Ersparte meist in der Währung selbst halten.

7 – Bitcoin-Transaktionen und Bitcoin-Nutzer sind anonym.

Deutsche Bank: Die Bitcoin-Blockchain ist öffentlich. Viele Börsen fordern wegen der KYC-Politik von ihren Kunden einen Identitätsnachweis. Die Deutsche Bank meint allerdings, dass man mit Bitcoin genauso anonym sein kann wie mit Bargeld.

Österreichische Schule: Bitcoin-Transaktionen sind nicht anonym – sie sind pseudonym. Wer möchte, kann meinen Watch-my-Block-Artikel dazu lesen. Die Deutsche Bank übersieht den Unterschied zwischen Bargeld und Bitcoin, und zwar, dass man beim Betrachten eines Geldscheines nicht die komplette Transaktionshistorie dessen sehen kann. Bei Bitcoin ist dies nicht nur möglich, sondern unumgänglich.

Fazit

Wir sind früh dran. Das sehe ich genauso wie die Deutsche Bank. Allerdings glaube ich, dass der Mehrwert einer unabhängigen, dezentralen, deflationären, digitalen Währung für unsere heutige Welt nicht zu unterschätzen ist. Das Paper der Deutschen Bank finde ich fehlerhaft und einseitig beleuchtet: nämlich aus keynsianischer Sicht auf die Wirtschaft. In der Denke der Österreichischen Schule lässt sich Bitcoin ohne Probleme als vom Markt hervorgebrachtes Zahlungsmittel (Geld) einordnen. Wer sich näher mit der Geschichte von Geld und Staat beschäftigen will, kann sich an erster Stelle an das kostenlos verfügbare Buch von Murray N. Rothbard “Das Schein-Geld-System: Wie der Staat unser Geld zerstört”(englisch) halten.

BTC-ECHO

Jetzt in Kryptowährungen investieren: Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder traden – wir haben die besten Broker, Börsen und Zertifikate zusammengestellt: Bitcoin kaufen | Ether kaufen | Ripple kaufen | IOTA kaufen | Broker-Vergleich

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Indischer Bundesstaat Maharashtra setzt auf großangelegte Blockchain-Initiative
Indischer Bundesstaat Maharashtra setzt auf großangelegte Blockchain-Initiative
Regierungen

Maharashtra, der zweitgrößte indische Bundesstaat, will mit einer großangelegten Initiative dem Einsatz von Blockchain-Technologien den Weg ebnen. Helfen soll dabei eine sogenannte „Regulatory Sandbox“, die innerhalb der kommenden Monate eingerichtet werden soll. Künftig will die Regierung Blockchain-Technologien unter anderem im Agrarsektor sowie in der öffentlichen Verwaltung einsetzen.

Das Regulierungs-ECHO – USA will Bitcoin-Steuersündern an den Kragen
Das Regulierungs-ECHO – USA will Bitcoin-Steuersündern an den Kragen
Regierungen

Während das Klima in Neuseeland zunehmend krypto-freundlicher wird, schauen die Behörden in den USA künftig genauer hin. Es ist wieder viel passiert in Sachen Krypto-Regulierung.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Zwischen Theorie und Praxis: Ist Bitcoin wirklich ein antizyklisches Investment?
Zwischen Theorie und Praxis: Ist Bitcoin wirklich ein antizyklisches Investment?
Kommentar

Wer die Wirtschaftspresse in den letzten Wochen verfolgt hat, dem ist eines aufgefallen: Es wird besonders häufig das Risiko einer baldigen Rezession aufgeführt. Die makroökonomische Stimmung hat sich, nicht zuletzt durch den Handelsstreit zwischen USA und China sowie expansive Notenbankbekenntnisse, weiter eingetrübt. Aktueller denn je ist die Frage, inwiefern Bitcoin als antizyklisches Investment bei konjunkturellen Turbulenzen profitiert. Wie es um die Korrelation zwischen Bitcoin und anderen Vermögenswerten bestellt ist und ob Gold wirklich so viele Gemeinsamkeiten mit Bitcoin besitzt.

Bitcoin-Börse Cryptopia: Insolvenzverwalter stellen Kundendaten sicher
Bitcoin-Börse Cryptopia: Insolvenzverwalter stellen Kundendaten sicher
Tech

Die insolvente neuseeländische Bitcoin-Börse Cryptopia scheint doch nicht alle Kundendaten verloren zu haben. Nachdem es im Mai danach aussah, als würde eine dritte Partei alle Dateien löschen, konnten die Insolvenzverwalter nun einige Daten retten. Cryptopia musste ihren Dienst nach einem massiven Hack in Januar 2019 im Mai einstellen.

Blockchain-Plattform für Kleinkredite in Sierra Leone
Blockchain-Plattform für Kleinkredite in Sierra Leone
Blockchain

Das Nonprofit-Unternehmen Kiva startet nun eine Blockchain-Plattform für die Kredit-Bonitätsprüfungen in dem afrikanischen Sierra Leone. Kiva, das in San Francisco ansässige gemeinnützige Unternehmen, könnte so die Kreditvergabe in Sierra Leone nachhaltig effektiver gestalten. Die Regierung des Landes arbeitet bei diesem Projekt eng mit Kiva zusammen.

Bitcoin Mining im Atomkraftwerk: Ukrainische Ermittler beschlagnahmen Equipment
Bitcoin Mining im Atomkraftwerk: Ukrainische Ermittler beschlagnahmen Equipment
Mining

Ukrainische Ermittler haben in einem staatlich geführten Atomkraftwerk Bitcoin-Mining-Equipment sichergestellt. Angestellte und Sicherheitskräfte sollen den Strom ihrer Büros genutzt haben, um Kryptowährungen zu schürfen. Dabei sollen geheime Informationen nach außen gelangt sein.

Angesagt

USA: SEC gibt grünes Licht für Securitize als Wertpapieremittenten
Insights

Die US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) hat Securitize als Wertpapieremittenten registriert. Securitize ist eine digitale Wertpapierplattform, ferner nutzt die Bitcoin-Börse Coinbase Securitize als Transferstelle. Nun kann das Unternehmen offiziell als Verwahrstelle von Aufzeichnungen über Änderungen des Eigentums an Wertpapieren fungieren.

IBM und Travelport lancieren DLT-Lösung für Hotelprovisionen
Blockchain

Die Distirbuted-Ledger-Technologie (DLT) verspricht überall dort einen Mehrwert, wo es komplizierte Transaktionen zwischen mehreren Parteien nachzuverfolgen gilt. So auch in der Reisebranche. IBM hat hier gemeinsam mit Travelport nun eine neue Blockchain-Lösung für Reisebüros und Hotels lanciert. Die Entwickler versprechen damit, die Arbeitsabläufe in der Branche entscheidend zu vereinfachen.

Bitcoin-Kurs unter 10.000: Fear & Greed Index gibt klares Signal
Bitcoin

Der Bitcoin-Kurs rüttelt stetig an der psychologisch wichtigen 10.000 US-Dollar-Marke. BTC-Trader brauchen ein ruhiges Gemüt. Der Fear & Greed Index zeigt, dass das aktuell nicht einfach ist. Und gibt eine klare Handlungsanweisung

Bitcoin, China und die US-Drogenkrise
Kommentar

US-amerikanische Behörden gehen verstärkt gegen chinesische Drogen-Hersteller vor. Diese nutzen Kryptowährungen wie Bitcoin, um ihr Geld zu transportieren. Die gehandelten Waren bestehen unter anderem aus synthetischen Opioiden. Ein Kampf gegen Windmühlen, die ihr Fundament auf US-amerikanischem Boden haben.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: