Die erste Bitcoin-Dekade: Warum es keine Bitcoin-Blase gab und Bitcoin den Notenbanken gut tut

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Die erste Bitcoin-Dekade: Warum es keine Bitcoin-Blase gab und Bitcoin den Notenbanken gut tut

Vor zehn Jahren wurde der erste Bitcoin-Block gemint. Ein historisches Ereignis, das zum damaligen Zeitpunkt in seiner Tragweite wohl niemandem bewusst war. Seine Bekanntheit hat Bitcoin allerdings erst in den letzten Jahren erhalten. Nun stellt sich die Frage, wie es die nächsten zehn Jahre mit der Kryptowährung weitergeht. Wird Bitcoin auch noch im Jahr 2029 an der Spitze des Krypto-Marktes stehen? 

Der aktuelle Bitcoin-Kurs liegt ganze 80 Prozent tiefer als noch im Vorjahr. Gemeinsam mit den unzähligen anderen Token ist Bitcoin in die Tiefe gestürzt. Nicht selten liest man von der Bitcoin-Blase und ihrem Platzen. Eine Verallgemeinerung, die nur bedingt richtig ist.

ICO-Blase ja, Bitcoin-Blase nein

Die Bewertung von Bitcoin war und ist nicht das Problem des Markt-Crashes von vor einem Jahr. Es waren die unzähligen ERC20-Token, also Utility Token auf der Grundlage von Ethereum, die für den massiven Kursverfall verantwortlich sind. Die hohen Millionenbewertungen von ICOs, die im Grunde nur aus oberflächlichen White Papern und markigen Sprüche bestanden, haben in erster Linie das Platzen der Blase zu verantworten. Es ist daher deutlich richtiger, von einer ICO-Blase oder zumindest – etwas verallgemeinernd – von einer Krypto-Blase als von einer Bitcoin-Blase zu sprechen.

Während andere Krypto-Projekte erst noch ein Produkt entwickeln müssen, hat Bitcoin diesen Schritt bereits hinter sich. BTC selbst ist das Produkt. Schließlich handelt es sich bei Bitcoin um eine Kryptowährung und nicht um einen Utility oder Security Token. Ein Umstand, der andere Bewertungsgrundsätze mit sich bringt. Es macht ja auch nur bedingt Sinn, eine Fiatwährung wie den Euro mit einem Aktienunternehmen wie Apple zu vergleichen.

Bereits sein gegenwärtiger Status bzw. seine gegenwärtige Nutzung lässt eine Bewertung wie zum Hoch in 2017 rechtfertigen. Ein Umstand, der bei den allermeisten Utility-Token-Plattformen so nicht existiert. Selbst für wagemutige Silicon-Valley-Bewertungen war das Gros der ICO-Unternehmen vollkommen überbewertet. Entsprechend naheliegend ist hier das Phänomen einer Spekulationsblase.

Natürlich war bei Bitcoin auch eine massive Spekulation und Manipulation an Börsen im Spiel. Im Gegensatz zu den meisten Utility-Token-Projekten allerdings auch ein funktionierender Use Case als Bewertungsgrundlage. Die bereits bewiesene Substanz und die funktionierende Rolle als dezentraler und global zugänglicher Vermögenswert machen Bitcoin zu einem Krypto-Asset, dessen Kurse zwar in starker Ko-Abhängkeit zum gesamten Krypto-Markt stehen, aber dennoch keinesfalls auf einem kurzfristigen Hype aufbauen. Der Krypto-Markt ist Anfang 2018 nicht wegen, sondern trotz Bitcoin zusammengebrochen.

Bitcoin kann, muss aber nicht  

Ein weiterer Vorteil von Bitcoin ist, dass die Notwendigkeit einer Skalierung weniger dringlich ist als bei Ethereum und anderen Blockchains. Zwar ist eine hohe Skalierung im Sinne von vielen Transaktionen, die in kurzer Zeit schnell und günstig durchgeführt werden, wichtig, aber nicht überlebenswichtig.

Sollte es beispielsweise Ethereum nicht schaffen, eine höhere Skalierung durch praktikable Sidechain- oder Offchain-Lösungen umzusetzen, dann kann es Gefahr laufen, über kurz oder lang von der Bildfläche zu verschwinden. Ähnlich wie der Niedergang des Internetbrowser Netscape können die gegenwärtigen Blockchain-Plattformen durch bessere oder marktreifere Blockchain-Lösungen ersetzt werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin dasselbe Schicksal ereilt, ist hingegen deutlich geringer. Die Rolle von Vertrauen und Kultivierung ist deutlich gewichtiger als bei Utility Token. Die technische Effizienz spielt bei Bitcoin eine vergleichsweise geringere Rolle. Wenn man zur Vermögenssicherung 20.000 Euro in Bitcoin parken möchte, dann ist es einem relativ egal, ob die Transaktionskosten 0,20 Euro oder 0,80 Euro betragen und die Transaktionsabwicklung zehn oder 40 Sekunden andauert.

Sofern Bitcoin nicht als alltägliches Bezahlmedium für den Kaffeehausbesuch herhalten soll, ist die Wertspeicherfunktion weniger von technologischer Konkurrenz gefährdet als dies bei Utility-Token-Plattformen der Fall ist.

Bitcoin fordert Notenbanken heraus

Notenbanken profitieren vom Bitcoin, weil sie gezwungen sind, besser zu werden. Das staatlich legitimierte Geldmonopol liegt zwar nach wie vor bei den Notenbanken, dennoch wird dieses Monopol durch die Krypto-Alternative herausgefordert. Es hat sich ein paralleles Geldsystem – wenn auch noch relativ unreif und unpraktikabel – durch Kryptowährungen entwickelt. Es gibt also eine Alternative bzw. eine Konkurrenz zum bestehenden Notenbanksystem.

Vollkommen losgelöst wie man nun zur Notenbankpolitik einer EZB oder FED steht, gewinnt das Individuum durch Bitcoin an ökonomischer Autonomie. Befürchtet man durch eine zu expansive Geldpolitik der Notenbanken eine Entwertung der Währung, so kann man durch Bitcoin-Rücklagen seine internationale Kaufkraft sichern und sein Vermögen durch Zeiten mit höherer Inflation retten.

Mit sinkendem Vertrauen in die Notenbankpolitik kann die Bevölkerung durch den Umtausch von Euro in Bitcoin ein klares Signal setzen. Soll BTC nicht nur zur Vermögenssicherung dienen, sondern auch als Bezahlmedium herhalten, dann muss eine ausreichend hohe Händler-Akzeptanz existieren. Auch darf es von staatlicher Seite kein Bitcoin-Verbot geben. Zwar würde es trotz Verbot möglich sein, sein Geld in Bitcoin anzulegen und zu versenden, allerdings würde – Darknet mal ausgenommen – die Rolle als Bezahlmedium im alltäglichen Gebrauch wegfallen. Kein legal agierendes Unternehmen würde Bitcoin akzeptieren, wenn es sich damit strafbar macht.

Bitcoin als Backup für den Ernstfall

Da Bitcoin erst nach der Finanzkrise 2008 geschaffen wurde, ist es bislang noch zu keinem signifikanten Kriseneinsatz von Bitcoin gekommen. Lediglich in kleineren Krisenstaaten wie Venezuela konnte man eine erhöhte Krypto-Aktivität durch eine volkswirtschaftliche Krise beobachten. Sollte es zu einer internationalen Krise größeren Ausmaßes kommen, dann würde dies die Relevanz und vor allem den Kurs von Bitcoin massiv vorantreiben.

Zumal die Notenbanken weltweit ihr Pulver bereits verschossen haben. Konnte eine EZB oder FED zur Finanzkrise die Zinsen senken, kann sie dies jetzt nur noch in einem sehr geringen Maße. Das niedrige Zinsniveau hat das Finanzsystem in seiner Resilienz geschwächt, während die Staatsverschuldung auf ein gefährliches Maß weltweit angewachsen ist. Egal ob in China eine Immobilienblase zu platzen droht oder die europäische Schuldenkrise neu aufflammt und den Euro unter Druck setzt: Es gibt genug Risikofaktoren, die die Währungsstabilität und volkswirtschaftliche Stabilität gefährden.

Entsprechend muss Bitcoin auch immer in diesen makroökonomischen Kontext eingeordnet werden. Auch wenn man es sich nicht wünscht, kann eine volkswirtschaftliche Krise größeren Ausmaßes zum größten Bitcoin-Treiber werden, noch vor dezentralen Börsen und Fonds-Produkten.

Wo steht Bitcoin 2029?

Die Bitcoin-Blockchain hat das Idealbild einer Blockchain definiert und dient nach wie vor als Referenzgröße. Auch ist Bitcoin die Krypto-Leitwährung. Genauso wie der US-Dollar als Leitwährung im internationalen Rohstoffhandel dient, dient Bitcoin zur Abrechnung und Kursstellung für andere Kryptowährungen bzw. Token. Diese Rolle sichert und stärkt gleichzeitig auch die Position von Bitcoin im Krypto-Ökosystem.

Die Eingangsfrage, ob Bitcoin auch noch in zehn Jahren die wertvollste Kryptowährung, gemessen an der US-Dollar-Marktkapitalisierung sein wird, kann man nach dem jetzigen Stand mit „wahrscheinlich ja“ beantworten. Bedenkt man allerdings, wie sehr das gesamte Krypto-Ökosystem noch am Anfang steht, dann ist ein Zeitraum von zehn Jahren unmöglich zu überblicken. Als etablierteste Kryptowährung hat Bitcoin die höchste Überlebens- und Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Garantie dafür gibt es natürlich nicht.

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