Bitcoin, Das Meinungs-ECHO KW41: Bitcoin-Bär Roubini vor dem US-Senat

Das Meinungs-ECHO KW41: Bitcoin-Bär Roubini vor dem US-Senat

Eine Meinung hat in der vergangenen Woche lauter getönt als alle anderen: Der Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini, auch bekannt als „Dr. Doom“, hat seinen Ruf als unkonvertierbarer Bitcoin-Bär in einer Anhörung vor dem US-Senat alle Ehre gemacht und Krypto als die „Mutter aller Blasen“ bezeichnet. 

Das Interesse an Bitcoin & Co. ist bei US-amerikanischen Politikern und Politikerinnen merklich größer als hierzulande. Das hat sich in der vergangenen Woche erneut gezeigt, als der US-amerikanische Senat sich in einer einstündigen Anhörung zu den Themen Kryptowährungen und Blockchain-Technolgie Expertenrat einholte.

Als Fürsprecher für Bitcoin & Co. wurde dazu der Forschungsleiter der Non-Profit-Organisation Coin Center, Peter Van Valkenburg, eingeladen. Die Seite der Krypto-Skeptiker wurde von Nouriel Roubini vertreten. Roubini hat sich als „Dr. Doom“ und „Permabär“ einen Namen gemacht, als er das Platzen der US-Immobilienblase 2008 und die darauffolgende Finanzkrise als einer der wenigen Ökonomen voraussagte. Roubinis Thesen-Anschlag: 10 Mal abgelaufenes Bitcoin-Bärenfutter. Zu Beginn der Befragung listete Roubini zehn Kritikpunkte auf, die seine Ablehnung von Kryptowährungen und Blockchain-Technologie speisen.

Roubinis Thesenanschlag: 10 Mal abgelaufenes Bitcoin-Bärenfutter

  1. Krypto ist die Mutter oder der Vater aller Scams und aller Spekulationsblasen. Dies zeigt sich durch die hohe Zahl betrügerischer ICOs
  2. Blockchain ist die am meisten überschätzte Technologie aller Zeiten und lediglich eine glorifizierte Datenbank.
  3. Kryptowährungen haben diese Bezeichnung nicht verdient, da es sich um Wertanlagen handelt, die nicht als Währung taugen. Bitcoin kann mit seinen fünf Transaktionen pro Sekunde niemals mit Visa mithalten.
  4. Es gibt eine Innovation im Finanzmarkt und diese trägt den Namen FinTech. FinTech hat jedoch nichts mit Blockchain zu tun, sondern baut vielmehr auf Technologien wie Künstliche Intelligenz und dem Internet der Dinge auf.
  5. Kryptowährungen sind libertäres Wunschdenken. Die Vorstellung, dass Geld vollständig dezentral gemanagt wird, ist lächerlich. Nur Terroristen und Kriminelle benutzen Bitcoin & Co.
  6. Es gibt starke Tendenzen der Zentralisierung bei Bitcoin. Insbesondere das Bitcoin-Mining ist von einer Oligarchie der Mining-Pools gekennzeichnet.
  7. Es gibt massive Preismanipulationen in „Kryptoland“, die unter anderem durch den Stable Coin Tether befeuert werden.
  8. ICOs von Security Token sind nicht reguliert…
  9. …während Utility Token eine Rückkehr zum Tauschhandel der Steinzeit bedeuten.
  10. Private „Blockchains“ von Unternehmen sind lediglich Datenbanken und haben nichts mit Blockchain zu tun. Generell ist das Interesse von Firmen an öffentlichen Distributed-Ledger-Technologien verschwindend gering.

Roubinis Bitcoin-Kritik fußt auf altbekannten Argumenten und ist bisweilen medienwirksam zugespitzt. Lauscht man dem Ökonom, könnte man meinen, dass die Entwicklung der Blockchain-Technologie bereits abgeschlossen und weitestgehend gescheitert sei.

Van Valkenburgs Replik

Kontrahent Pet Van Valkenburg räumte ein, dass die Technologie noch in der Entwicklung stecke und wies darauf hin, dass praktisch jeder der von Roubini genannten Punkte bereits Gegenstand der Weiterentwicklung von Bitcoin & Co. seien. Roubinis Argument, dass hauptsächlich Kriminelle mit Bitcoin zahlen, macht sich Kontrahent Valkenburg zu eigen. So weist er darauf hin, dass Kriminelle häufig zu den Early Adopters neuer Technologien zählten. Nach Valkenburg weißt dieser Umstand eher darauf hin, dass Bitcoin funktioniere.


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Auch die Aussage, dass Kryptowährungen kein Geld seien, lässt Van Valkenburg nicht gelten. Auch hier hebelt er die Argumentation Roubinis aus. So entgegnete er auf Roubinis Äußerung, dass mit Kryptowährungen Steuerverbrechen begangen würden: „Wie kann man mit etwas Steuerhinterziehung betreiben, das kein Geld ist?“

Teilweise könnten Roubinis Worte auch aus dem Mund eines Bitcoin-Maximalisten stammen. Diese würden ihm für seine strikte Unterscheidung zwischen privaten Unternehmens-Blockchains und der „wahren“ Bitcoin-Blockchain Beifall klatschen. Immerhin hat Roubini hier zu differenzieren gelernt. Seine frühere Bitcoin-Kritik machte keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Erscheinungsformen der Blockchain- und Distributed-Ledger-Technologien.

Vorbildliche Befragung

Die Befragung lief zivilisiert ab und die anwesenden Senatorinnen und Senatoren haben in ihren Fragen ein ehrliches Interesse an der Technologie bekundet. Profilierungsversuche, wie sie bei solchen Anhörungen häufig die Regel sind, hielten sich in erträglichen Grenzen. Auch kamen die Fragesteller und Fragestellerinnen nicht ganz uninformiert daher. Das mag auch daran liegen, dass der republikanische Senator Orrin Hatch nicht anwesend war. Zur Erinnerung: Dieser stellte Mark Zuckerberg einst die Frage, wie sich Facebook finanzieren könnte, wo die Mitgliedschaft bei dem sozialen Netzwerk doch kostenlos sei.

Die ganze Befragung kann man sich auf der Website des US-Fernsehsenders C-SPAN anschauen. So angenehm es ist, zur Abwechslung einmal reflektierte Töne aus Washington zu hören, so wünschenswert wäre es, dass die deutsche Politik eine solche öffentlich übertragene Fragestunde initiieren würde. Doch bis dahin muss man sich wohl noch mindestens so lange gedulden, bis Bitcoin & Co. zum Wahlkampfthema werden. Die nächste Bundestagswahl findet voraussichtlich am 24. Oktober 2021 statt. Man darf gespannt sein, ob bis dahin aus dem Maul des Volkes, auf das die Politik bekanntlich gerne schaut, häufiger das Wort „Bitcoin“ schallt.

BTC-ECHO

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