Das ICO-Trilemma

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Das ICO-Trilemma

Eine von der kanadischen Regierung finanzierte Studie hat die Probleme ausgemacht, mit denen sich ICOs konfrontiert sehen. Demnach stehen ICOs der Herausforderung gegenüber, den Ansprüchen in Fragen der Compliance, Reichweite sowie der Kosteneffizienz gleichermaßen gerecht zu werden. Für die meisten sei das ein unlösbares Trilemma.

Initial Coin Offerings – kurz: ICOs – sind ein innovatives Mittel für Unternehmen, um an Investitionsgelder zu kommen. Leider befinden sich unter den ICOs zahlreiche schwarze Schafe, denn auch unlautere Akteure finden hier ein interessantes Investitionsvehikel. Die Regulierungsbehörden ringen vielerorts noch um klare ICO-Richtlinien. Ein generelles Verbot von ICOs, wie es etwa in China herrscht, streben allerdings die wenigsten an. Zu groß ist das Potenzial der neuen Finanzierungsform. Ein großer Anteil an Scams (Bloomberg schätzt, dass knapp 80 Prozent der 2017 abgehaltenen ICOs betrügerische Projekte waren) sowie die große Zahl gescheiterter Projekte haben den Blick auf ICOs allerdings nachhaltig getrübt.

Das Trilemma: Entweder oder (oder)

Eine von iComply, Mitacs Canada und der University of British Columbia durchgeführte und von der kanadischen Regierung finanzierte Studie hat die fundamentalen Probleme von ICOs unter die Lupe genommen. Die Analysten stellten dabei fest, dass sich ICOs einem Trilemma ausgesetzt sehen. Das halte sie davon ab, ihr wahres Potential zu entfalten. Das Trilemma setzt sich aus folgenden Dimensionen zusammen:

  1. Compliance
  2. verteilte Investoren (Reichweite)
  3. Kosteneffizienz

Während ICOs in ihrer Anfangszeit gerade im Bereich der Kosteneffizienz punkten konnten, haben sich laut Studie durch den wachsenden Einfluss der Regulierungsseite wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den drei oben genannten Dimensionen ergeben. Wer einen ICO durchführen möchte, dem sei es kaum möglich, mehr als zwei dieser Ziele zu erreichen. Das Ideal eines gesetzeskonformen (1) ICOs, der weltweit verteilte Investoren (2) auf kosteneffiziente Weise (3) erreicht, sei mittlerweile schwer umzusetzen.

Privat, Hybrid und Maverick: Die ICO-Archetypen

Die Analysten machen vier archetypische Wege dafür aus, auf denen dem Trilemma häufig begegnet wird.

  1. „Maverick“ ICO
  2. privater ICO
  3. hybrider ICO
  4. kein ICO

Scam-Alarm: Der Maverick

Ein Maverick (dt.: Außenseiter, Querdenker) ICO pfeift auf Compliance. Hier geht es hauptsächlich darum, die Reichweite und Kosteneffizienz zu maximieren. Und zwar am besten, ohne auf dem Radar der Regulierungsbehörden zu erscheinen. Klassische Beispiele bilden Exit Scams oder Schneeballsysteme. Die Forscher nennen den mittlerweile legendär gewordenen Betrug von Bitconnect als konkretes Beispiel. Diese abtrünnigen ICOs schaden nicht nur dem Ruf der Branche erheblich, meinen die Analysten:

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Maverick-Ansatz nicht nur sehr riskant ist, sondern auch den Volkswirtschaften, Gesellschaften und der Praxis der ICOs im Allgemeinen schadet. Gemäß dem Compliance-Trilemma ist es umso wahrscheinlicher, dass, je „erfolgreicher“ der ICO (d. h. je höher der eingesammelte Betrag), desto eher wird es die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen.“

Geringe Reichweite: Der private ICO

Ein privater ICO zielt ausschließlich auf einen kleinen Kreis institutioneller Investoren ab. Die Reichweite wird zugunsten der Compliance und der Kosteneffizienz geopfert. Ein Beispiel für ein solches Vorgehen bildet der ICO von Telegram. Für Telegram ging die Rechnung seinerzeit auf. Im privaten Pre-Sale konnte das Unternehmen rund 850 Millionen US-Dollar einsammeln, mehr als genug also, um auf einen öffentlichen ICO verzichten zu können. Im Umkehrschluss besteht das Risiko privater ICOs unter anderem darin, dass aufgrund der eingeschränkten Reichweite nicht genügend Investitionsgelder zusammen kommen.

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Kostspielig: Der hybride ICO

Als hybride ICOs bezeichnen die Analysten jene, die in allen drei Bereichen – Reichweite, Compliance und Kosteneffizienz – Kompromisse machen. Ein Beispiel hierfür bildet RightMesh. RightMesh hat in der Schweiz eine Niederlassung gegründet und ihren RMESH-Token so gestaltet, dass er von den schweizerischen Regulierern als Bezahl-Coin (und nicht als Security) eingestuft wird. Eine eigens engagierte Anwaltskanzlei sorgte dafür, dass RightMesh die entsprechenden KYC- und AML-Anforderungen erfüllt. Der Token wurde außerdem nicht in Ländern angeboten, in denen ICO-Token generell als Wertpapier eingestuft werden, wie etwa in den USA. Das RightMesh-Team stellte für über 27 Jursidiktionen Nachforschungen darüber an, wie der RMESH-Token dort jeweils eingestuft würde. Diese Sorgfalt ist allerdings mit entsprechenden Kosten verbunden. Außerdem gibt es keine Garantie dafür, dass ein Token seinen Status innerhalb einer Jurisdiktion behält.

„Diese manuelle Überprüfung von Investoren, die Erforschung von Aufsichtsbehörden und die selektive Emission ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen mit den Regulierungsbehörden zusammenarbeiten kann, um eine konforme Token-Verteilung zu erreichen, obwohl sie auch die enormen Kosten in Bezug auf Finanzen, Zeit und Personalressourcen veranschaulicht, die derzeit dafür entstehen“,

konstatieren die Verfasser der Studie.

Der vierte Weg: Kopf in den Sand

Nicht jedes Unternehmen zeigt sich gewillt, einen Weg zu finden, diesem Trilemma zu begegnen. Obwohl offenbar viele (laut der Analysten gar „die schweigende Mehrheit“) bereits einmal einen Initial Coin Offering als Finanzierungsinstrument erwogen haben, verzichten sie angesichts der damit verbundenen (und oben erwähnten) Unwägbarkeiten.

„Wir sprachen mit mehreren Akteuren, die ernsthaft überlegt haben, Kapital für neue Unternehmen durch Token-Emissionen aufzubringen, sich aber bisher zurückgehalten und entschieden haben, dass die (bekannten und unbekannten) Kosten für die Erreichung eines konformen ICOs, der einen ausreichenden Pool an verteilten Investoren erreicht, derzeit zu hoch sind, um fortzufahren.“

Deshalb entscheiden sich viele Unternehmen entweder pauschal gegen die Durchführung eines ICO, oder aber sie nehmen eine abwartende Haltung ein – in der Hoffnung auf ein transparenteres (und bestenfalls globales) regulatorisches Umfeld.

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Ein – nicht ganz uneigennütziger – Lösungsvorschlag.

Da eine solche global einheitliche Regulierung derzeit noch nicht absehbar und Passivität nicht für jedes Unternehmen ein gangbarer Weg ist, schlagen die Analysten eine Lösung vor, bei der ICOs sich selbst regulieren. Hier offenbart sich der parteiische Charakter der Studie.

Denn als ein möglicher Lösungsansatz wird das System von iComply, also einer der Verfasserin der Studie, vorgeschlagen. Die Plattform iComplyICO soll die Durchführung von ICOs mit automatisierter Compliance ermöglichen:

„Bevor der Token Sale des ICO beginnt, werden die Regeln dafür, wer sie halten kann und handeln darf, in die digitalen Token kodiert. Um die Token zu kaufen, müssen Einzelpersonen nachweisen, dass sie diese Anforderungen erfüllen, indem sie ihre Identität gemäß den entsprechenden multijurisdiktionalen Richtlinien überprüfen und dann ihre Wallet auf eine Whitelist setzen.“

Wer sich den Prozess en detail zu Gemüte führen möchte, findet sowohl in der Studie als auch auf der Unternehmensseite genauere Schilderungen darüber, wie solche sich selbst regulierenden ICOs aussehen können.

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