Coinbase Card: Was wurde aus Peer-to-Peer?

Quelle: Shutterstock

Coinbase Card: Was wurde aus Peer-to-Peer?

Coinbase überrascht ihre Kundschaft im Vereinigten Königreich mit einem neuen Schmankerl. In Zusammenarbeit mit Visa können Nutzer der Bitcoin-Börse ab sofort „an Millionen von Stellen“ Bitcoin & Co. ausgeben. Doch das Produkt offenbart ein zweifelhaftes Verständnis vom Wertverprechen der Kryptowährung Nr. 1.

Endlich können Coinbase-Kunden ihre Bitcoin für die berühmte Tasse Kaffee ausgeben. Sogar Bargeld soll man abheben können.

In Zusammenarbeit mit Visa und PaySafe, einem im Vereinigten Königreich ansässigen Zahlungsdienstleister, lanciert Coinbase die Coinbase Card. Nutzer können, so heißt es auf der Website, von nun an endlich ihre Bitcoin, Litecoin, Ether und XRP ausgeben. Eine App trackt alle Ausgaben und fertig ist das Rundumpaket für Krypto-Freunde.

Wir freuen uns, die Coinbase Card ankündigen zu können, eine Visa-Debitkarte, mit der britische Kunden Krypto genauso mühelos ausgeben können wie das Geld in ihrer Bank. Verfügbar heute im Vereinigten Königreich und in der EU in den kommenden Monaten. Wir werden noch in diesem Jahr die internationale Expansion anstreben.

Die Szene frohlockt: Endlich Mainstream, endlich Moon. Oder?

Coinbase Card: Schlechter Deal für Hodler

Doch was für Enthusiasmus in der Szene sorgt, hat bei genauer Betrachtung mit der Bitcoin Value Proposition nichts zu tun. Wieso?


[Anzeige]
Bitcoin, Ethereum, Ripple, IOTA und die bekanntesten Kryptowährungen auf eToro handeln.Warum eToro? Kostenloses Demo-Konto; Mobile Trading-App; Einzahlungen per PayPal; große Auswahl an verschiedenen Finanzprodukten (Kryptowährungen, Aktien, Rohstoffe, ETFs, Devisen, Indizies); Social Trading mit großer internationaler Community.

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Die Grundidee, die Satoshi Nakamoto in seinem White Paper publiziert hat, war die vom elektronischen Bargeld. Was damit gemeint ist, ist die Irreversibilität von ausgegebenem Wert. Wenn Bob Alice einen BTC überweist, dann ist die Übertragung des Besitzverhältnisses in Stein gemeißelt. Proof-of-Work ist deshalb so wichtig, da es einen enormen Aufwand kosten würde, sie wieder rückgängig zu machen.

Eine weitere Stärke von Bitcoin ist seine Zensurresistenz. Das Netzwerk funktioniert dezentral, also ohne die Zuhilfenahme von Intermediären wie Banken.

Mehr Intermediäre als bei Fiatgeld

Drittens ist Bitcoin deflationär. Die 21-Millionen-Cap macht BTC nicht nur zur härtesten Währung, sondern womöglich zum seltensten Asset, das die Menschheit je gesehen hat (mit einer Wertsteigerung von 700 Millionen Prozent ist BTC bereits jetzt das am besten performende Asset der Menschheitsgeschichte).

Nachvollziehbar, dass es derzeit noch nicht allzu viele Möglichkeiten gibt, seine „Tasse Kaffee“ mit Bitcoin zu bezahlen. Doch diesen „Mangel“ nehmen Zweifler bereitwillig als Kritikpunkt auf. Was bringt ein Geld, das man nirgendwo ausgeben kann?

Da liegt es nahe, dass immer mehr Firmen Zahlungslösungen mit Krypto-Integration anbieten. Jetzt also auch Coinbase.

Doch Bitcoins Wertversprechen ist nicht die „Tasse Kaffee“. Wie Crypto Researcher Hasu im Interview mit BTC-ECHO treffend erklärt, sind wir im Bereich der Bezahlmethoden bereits „viel näher am Optimum“. Es wäre „eine tragische Verschwendung von Potenzial“ wenn die Gemeinde auf den Commerce-Bereich optimieren würde und nicht auf die Schaffung einer zensurresistenten und möglichst dezentralen Währung.

Bitcoin ist ein Peer-to-Peer-Netzwerk, das ohne Intermediäre auskommt, genau wie Bargeld. Mit der Kooperation von Coinbase, Visa und PaySafe sind mindestens drei Mittelsmänner zwischen Käufer und Verkäufer geschaltet, von Peer-to-Peer keine Spur.

Zudem wandelt das System die ausgegebenen Kryptos sofort in Fiatgeld um. Am Ende hält also keine der beiden Parteien Bitcoin & Co. Wieso man dann nicht einfach gleich Euro, US-Dollar oder eben Pfund ausgibt, erschließt sich nicht. Zumal sich Coinbase bei all der Zwischenhändler eine ordentliche Portion Gebühren abzwackt.

Gebühren von 2,49 %! …. zu hoch! Macht das niedriger für die Massenadoption.

Es gibt Alternativen

Apropos Massenadaption: Die Akzeptanz von Bitcoin als digitales Gold steigt stetig – ohne dass man an jeder Ecke mit BTC bezahlen kann.

Logisch: In der mittelfristigen Zukunft werden Bezahllösungen nötig sein. Schließlich wird reines Hodln Bitcoin auf lange Sicht auch nicht zum Mond schicken. Aber dafür gibt es dezentrale, günstige und vor allem zensurresistente Lösungen. Das Lightning Network wäre dafür ein Beispiel.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Finanzbranche first, Industrie second: Wann die Blockchain den Maschinenbauer erreichen wird
Finanzbranche first, Industrie second: Wann die Blockchain den Maschinenbauer erreichen wird
Kommentar

„Blockchain ist viel mehr als Bitcoin.“ Dieser Satz wurde in den letzten zwei Jahren geradezu mantra-artig, selbstbewusst und inflationär von Managern aus der Industrie heruntergebetet. Warum die Realität von dieser Vorstellung noch ein Stückchen entfernt ist, wie lange es dauern wird, bis Blockchain im produzierenden Gewerbe wirklich angekommen ist und wieso die Finanzialisierung der Realwirtschaft voraus ist. Ein Kommentar.

Ripple arbeitet an Software für Ledger und Trezor
Ripple arbeitet an Software für Ledger und Trezor
Kommentar

Das kalifornische Unternehmen Ripple hat über sinen Investmentarm Xpring erneut in Towo Labs investiert. Das schwedische Unternehmen soll eine robuste und praktikable Software schreiben.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Bitcoin-Diebstahl im Darknet: Hacker infizieren Tor Browser
Bitcoin-Diebstahl im Darknet: Hacker infizieren Tor Browser
Sicherheit

Krytpo-Scammer schlugen erneut im Darknet zu. Um ahnungslosen Kunden von Darknet-Märkten die Bitcoin aus der Tasche zu ziehen, kam dieses Mal eine infizierte Variante des Tor Browsers zum Einsatz.

IOTA im Fokus: Mikrotransaktionen und das Tangle
IOTA im Fokus: Mikrotransaktionen und das Tangle
Altcoins

IOTA könnte sich als entscheidende Technologie im Internet of Things etablieren. Dabei sticht vor allem die Möglichkeit kleinster Transaktionen in Echtzeit heraus. Die Killerapp treibt die Autonomisierung von Maschinen voran.

Broadway: Der Auftritt der Blockchain
Broadway: Der Auftritt der Blockchain
Blockchain

In Zukunft könnte der Verkauf der Broadway Tickets über eine Blockchain-Lösung laufen. So hat es zumindest der größte Ticketverkäufer des Broadways, die Shubert Organization, geplant. Die Blockchain-Lösung für das Projekt stellt das Bostoner Start-up True Tickets zur Verfügung.

Jakobsmuscheln auf der Blockchain: US-Fischer Raw Seafoods tritt IBM Food Trust bei
Jakobsmuscheln auf der Blockchain: US-Fischer Raw Seafoods tritt IBM Food Trust bei
Blockchain

Das US-Fischereiunternehmen Raw Seafoods ist als jüngstes Mitglied der Lebensmittel-Plattform Food Trust von IBM beigetreten. Mithilfe der Blockchain-Lösung wollen die Fischer die Lieferketten atlantischer Jakobsmuscheln absichern. Die Marketing-Aktion soll für Transparenz, Lebensmittelsicherheit, nachhaltigen Fang und damit nicht zuletzt Kundenvertrauen sorgen.

Angesagt

Homosexuell dank Apple: GayCoin-Klage zurückgezogen
Szene

Der Moskauer iPhone-Besitzer, der den Apple-Konzern für seine eigene Homosexualtiät verantwortlich machte, hat seine Beschwerde zurückgezogen. Laut seiner Anwältin scheue er das große öffentliche Interesse an seinem Fall.

Bitcoin-Kurs- und Marktbetrachtung: Anzeichen für Bärenflagge gesichtet
Kursanalyse

Bisher konnte sich der gleitende Mittelwert der letzten hundert Tage als stabiler Support beweisen. Jedoch kann die kurzfristige Entwicklung des Bitcoin-Kurses als Bärenflagge gedeutet werden. Jenseits von Bitcoin gab es, trotz eines eher sorgenvollen Berichts der G7-Staaten, positive Neuigkeiten um Stable Coins. 

CFTC deckt Bitcoin-Betrug in Millionenhöhe auf
Regulierung

Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) in Washington in den USA hat einen neuen Krypto-Fraud hochgenommen. Seit Dezember des Jahres 2017 läuft das zwielichtige Programm Circle Society, denen die CFTC nun das Handwerk gelegt hat. Insgesamt sollen die betrügerischen Anbieter rund 11 Millionen US-Dollar erwirtschaftet haben.

Facebook Coin Libra: G7 wird Stable Coin vorerst nicht zulassen
Regulierung

Die „großen 7“ wollen den geplanten Facebook Coin Libra nicht zulassen. Das geht aus einem Stable-Coin-Bericht hervor, den die G7 am 18. Oktober veröffentlichte.