Bullenmarkt oder Falle? Worauf wir beim Bitcoin-Kurs achten sollten

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Der Bitcoin-Kurs knackte jüngst sein Jahreshoch. Sind wir also schon längst im Bullenmarkt? Ein Blick auf die Charts mahnt zur Vorsicht.

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Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 1. Juli 2019 12:07 Uhr von Mark Preuss

Man fühlt sich an Ende 2017 erinnert: Der Bitcoin-Kurs kennt nur noch eine Richtung, es vergeht kaum ein Tag ohne ein neues Jahreshoch und alles zeigt nordwärts. Der Boden von November 2018 ist nur noch eine Erinnerung – entweder an finstere Zeiten oder an eine lukrative Akkumulationsphase. Auf Twitter hat NekoZ es passend in Worte gekleidet: https://twitter.com/CryptoNekoZ/status/1143776965268140032

Die gleichen Leute, die 2017 bei 12.000 gekauft hatten und sagten, dass sie sich wünschten, BTC läge wieder bei 3.000.

Sind jetzt die gleichen Leute, die wieder nicht bei 3k gekauft haben und jetzt nachkaufen oder zögern, bei 12k zu kaufen.

Zyklus der Dummheit

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die auf Teufel komm raus Bitcoin bei 3.000 US-Dollar wiedersehen wollen. Um ehrlich zu sein, könnte ich mit einem Durchmarsch bis zum Bitcoin-Kurs von einer Million US-Dollar wunderbar leben. Dafür nehme ich sogar in Kauf, dass McAfee seine Wette gewinnt und meine kritische Einschätzung vom letzten Jahr von der Realität widerlegt wird. So sehr man auf sein Herz hören soll, sind doch auch Vorsicht und kritisches Denken gute Ratgeber. Formulieren wir deshalb gemeinsam, sicherlich gegen unsere Hoffnungen mal die Antithese: Was würde gegen ein Ende des Bärenmarkts sprechen? Was für Hinweise könnten für eine Bullenfalle sprechen?

Delta-Kapitalisierung von Bitcoin-Kurs immer noch unschlüssig

Vor einiger Zeit stellte ich die Delta-Kapitalisierung von Bitcoin vor. Dabei entwickelte ich auf der Basis der Metrik von David Puell ein Maß namens DVAV, welches bisherige Blasen und Böden gut abbilden konnte. Ich wies darauf hin, dass bisher der Boden erreicht war, wenn die DVAV auf unter zwei fiel. Eine genauere Analyse erweiterte die These. Es zeigte sich, dass die Bullenmärkte komplexer sind und in den letzten beiden Zyklen aus einer Doppelpeak-Struktur bestanden:

Was also, um eine gewagte These aufzustellen, wenn das Allzeithoch von Ende 2017 nur ein Vorbote im selben großen Marktzyklus war? Ein derartiges Verhalten könnte man mithilfe der DVAV-Ratio erkennen. Man müsste sehen, dass diese wieder extrem abrupt ansteigt.

Aktuell sind beide Möglichkeiten durchaus noch offen: Die DVAV-Ratio steigt weder so dramatisch wie 2011 oder 2013 an, noch bemüht sie sich, unter die zwei zu fallen.

Fake Breakouts kannte der Bitcoin-Kurs bereits vorher

Wie der geneigte Leser weiß, bin ich ein Freund des MA20 im Wochenchart. Der gleitende Mittelwert der letzten 20 Wochen bewies sich immer wieder als Unterscheidungsmerkmal bezüglich der Marktlage. Ein nachhaltiger Bitcoin-Kurs über dem MA20 wäre ein Indikator eines Bullenmarkts, während ein Bitcoin-Kurs darunter für einen Bärenmarkt sprechen würde. Das wichtige Wort ist jedoch nachhaltig. Bitcoin kann auf gescheiterte Breakouts durchaus zurückblicken. Ein für uns aktuell interessantes Menetekel ist dabei die Kursentwicklung von 2014:

Innerhalb von nur zwei Monaten verdoppelte sich der Bitcoin-Kurs und stieg über den MA20. Einige waren damals schon dabei, den Bärenmarkt für beendet zu erklären. Erinnert also durchaus an die heutige Zeit. Leider schloss sich danach eine Flaute an, die zu Einbußen von 75 Prozent führte – und den Kurs unter den MA20 im Wochenchart fallen ließ. Nachhaltige Kursanstiege sehen anders aus. Wir kennen das Verhalten aus dem letzten Bullenmarkt. Zwar marschierte der Bitcoin-Kurs zwischen 2016 und 2018 mehr oder weniger durch, jedoch wurde der

MA20 im Wochenchart mehrfach getestet:

Einen derartigen Test vermisst man derzeit doch etwas. Aktuell notiert der Bitcoin-Kurs ungefähr 100 Prozent über dem gleitenden Mittelwert der letzten 20 Wochen. Häufig kam das nicht vor und endete – gerade in einem stabilen Bullenmarkt – mit einem ordentlichen Retracement.

Die untere Abbildung zeigt das Verhältnis zwischen dem Wochenschlusskurs und dem MA20 in Prozent:

Orientieren wir uns an dem Kursverlauf von Mitte 2017, könnte es also wieder durchaus zu einem Test des bekannten gleitenden Mittelwerts kommen – oder, wie Ende 2013 und Ende 2017, sogar unter Null fallen. Dann hätten wir einen Fake Breakout.

Wohin gehts, wenns schlimm läuft? Ein Versuch mit Elliot-Wellen

Unter den Unheilspropheten im Bitcoin-Ökosystem ist die Elliot-Wellen-Theorie sehr beliebt. Sie geht davon aus, dass Börsenmärkte bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgen. So soll ein fünfstufiger Anstieg immer von einer dreistufigen Korrektur abgelöst werden. Ganz offen gesagt bin ich kein Elliot-Experte. Teilweise kommt mir die Theorie auch wie eine Self-Fulfilling Prophecy vor, in der die Ergebnisse des Markts so interpretiert werden wie es passt. Was mir jedoch gefällt, ist das gewagte Unterfangen, langfristige Marktbewegungen zu beschreiben. Ein Bild, das bezüglich dieser langfristigen Marktbeschreibungen oft zu sehen ist, ist das folgende:

In der Vergangenheit sah man jeweils nach einer fünfstufigen Elliot-Impulswelle eine dreistufige Elliot-Korrekturwelle. Letztere endete irgendwo zwischen den Punkten (4) und (5) der vorherigen Impulswelle. Nehmen wir also an, wir seien nicht in einem Bullenmarkt, sondern in einer Bullenfalle, könnte der Bitcoin-Kurs durchaus nicht nur das Jahresminimum von 2018 wiedersehen. Selbst Kurs-Untiefen wie 2.000 US-Dollar sind dann durchaus möglich.

Der MA20-Trend ist dein Freund

Soweit die Drohbotschaft der Elliott-Wellen. Wie schon angedeutet, meine ich nicht, dass es unbedingt so kommen muss. Es handelt sich um ein bearishes Szenario, welches uns vor übertriebener FOMO bewahren kann. Was mir jedoch Sorgen macht, ist die aktuelle Diskrepanz wischen MA20 und Bitcoin-Kurs und die Unschlüssigkeit der DVAV-Ratio. Ich denke nicht, dass der Kurs ständig ohne Korrekturen weiter ansteigen kann, dass Investoren auch irgendwann ihre Gewinne veräußern wollen. Wenn das geschieht, kann der MA20 wieder ein gutes Maß darstellen: Sollte der Bitcoin-Kurs diesen testen und daran abprallen, wäre das das finale Zeichen für einen Bullenmarkt. Disclaimer: Die auf dieser Seite dargestellten Kursschätzungen stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind lediglich eine Einschätzung des Analysten. Die Chartbilder wurden mithilfe von TradingView erstellt. Betrachtet werde das Wertepaar BTC/USD auf Bitstamp.com und im Rahmen des Liquid Index von BraveNewCoin

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