Blockchain vs. Internet – Wo liegt die Revolution?

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Blockchain vs. Internet – Wo liegt die Revolution?

Blockchain vs. Internet – Wo liegt die Revolution? Auf Spurensuche in der Geschichte des Internets und einer dezentralen technologischen Zukunft.

Auch wenn es heute teilweise in Vergessenheit gerät, erinnern die Anfänge des Internets in vielerlei Hinsicht an die Entwicklungen, die wir heute in der Blockchain-Industrie sehen. Damit meine ich nicht den oft angesprochen Hype-Zyklus der geplatzten Blase und der darauffolgenden Auferstehung. Vielmehr meine ich die ideologischen und infrastrukturellen Ähnlichkeiten.

In den ersten Jahren des Internets schuf eine eingeschworene und idealistische Entwickler-Gemeinschaft offene Protokolle. Diese Protokolle (etwa TCP/IP, HTTP, SMTP) versprachen einen einfachen Informationsaustausch auf globaler Ebene. Bis heute sind sie das Fundament des Internets.

Fairer Wettbewerb und offener Datenaustausch

In der Anfangsphase des Internets herrschten faire Wettbewerbsbedingungen. Jeder talentierte Entwickler konnte Internet-Protokolle nutzen, um Dienste wie Suchmaschinen, Browser, Online-Shops etc. zu erschaffen. Doch die Internet Protokolle waren nicht umfangreich genug. Sie spezifizierten zwar einen Standard für offenen Datenaustausch, nicht aber für die Speicherung und Monetarisierung von Daten.

In Abwesenheit solcher Standards haben Internet-Firmen ein starkes Interesse daran, Daten zentral zu speichern. Denn Internet-Applikationen starten als leeres Gerüst, nutzvoll werden sie erst, wenn sie mit Nutzern und Daten gefüttert werden. So erarbeiteten sich die beliebten Internetfirmen dieser Zeit schnell Wettbewerbsvorteile, einholen kann man sie heute kaum noch. Aus reinen Applikationen wurden Plattformen und App Stores, auf denen andere Unternehmen Dienstleistungen aufbauten und in zunehmendem Maße in ein Abhängigkeitsverhältnis gerieten.

Facebook, Yelp, Google & Co.

Das Problem dabei ist nicht nur, dass Oligopole („GAFA”) entstanden, sondern dass diese Plattformen anfingen, sich wie Platzhirsche aufzuführen. Als Beweis dafür kann man auf die scheinbar endlose Liste von Facebook-Skandalen verweisen oder auf die Entfernung von Yelp-Empfehlungen durch Google, um den eigenen Dienst „Places” zu fördern, oder die Änderung der Twitter-API-Nutzungsbedingungen und den damit verbundenen Rauswurf von über 143.000 Applikationen, die sich auf Twitter verließen. Die Liste solcher Beispiele ist lang.

Der Punkt ist, dass Plattformen ein starkes Interesse daran haben, sich während der Aufbauphase im Interesse der Nutzer zu verhalten, sich später jedoch auf Grund der starken Abhängigkeit willkürlich und wettbewerbsverzerrend verhalten können wie sie möchten. Über die Internet-Protokolle redet heute kaum noch jemand, über die Applikationen so gut wie jeder. Klar ist, dass Wertschöpfung im Web 2.0 auf Applikationsebene entsteht.

Blockchain – Das Zeitalter der Protokolle

Die Technologie-Revolution, die mit der Verbreitung von Krypto-Netzwerken einhergeht, hat das Potenzial, diese Dynamik auf den Kopf zu stellen. Krypto-Netzwerke sind Netzwerke, die auf dem Internet aufbauen und

  1. Konsens-Mechanismen nutzen, um eine dezentrale Datenbank zu pflegen und zu aktualisieren;
  2. Token nutzen, um Miner/Validierer dazu zu bewegen, am Konsensverfahren teilzunehmen.

Diese Charakteristika könnten das Zeitalter der Protokolle einläuten. Dabei ist das erste Charakteristikum, die öffentliche Datenbank, das entscheidende. Statt individueller Informationssilos bricht sich durch die netzwerkübergreifende Speicherung der Daten ein kompetitives Umfeld Bahn. Darin können Nutzer ihre Daten ohne jegliche Reibung von einer Applikation zur nächsten mitnehmen.

Wer einmal seine Schlüssel von einer Blockchain Wallet zur nächsten exportiert hat, wird gemerkt haben, dass die Wallets lediglich als Benutzeroberflächen fungieren, die sich derselben öffentlichen Daten auf der Blockchain bedienen (Transaktionen, Kontostand etc.) und diese für den Nutzer graphisch abbilden.

Das gleiche Phänomen kann man beobachten, wenn man sich die Entwicklung rund um die Ethereum-basierten, Peer-to-Peer-Lending-Protokolle wie Maker oder Compound anschaut. Diese Protokolle stellen die Kernfunktionalität, die für dezentralisiertes Lending nötig ist, und werden von dutzenden Applikationen integriert.

Den Status seines Kredits kann sich der Nutzer in jeder dieser Applikationen anschauen. Die Benutzeroberfläche wird zur Commodity, die der User ohne Mühe austauschen kann. Viel wertvoller dagegen ist das darunter liegende Protokoll. Ganz anders als beim Internet entsteht die Wertschöpfung im Blockchain-Zeitalter maßgeblich auf Protokollebene und nicht auf Applikationsebene. Man muss nur den Marktwert von Ethereum (Protokoll) mit dem von Coinbase (Applikation) vergleichen, um zu sehen, dass die Märkte die Protokolle höher bewerten als die Applikationen.

Anreizsysteme in Krypto-Netzwerken

Die zweite Charakteristik, die Krypto-Netzwerke zentralen Plattformen überlegen macht, sind die Incentivierungsmechanismen. Sie entstehen durch das Zusammenspiel von Token und Minern/Validierern. Diese Mechanismen garantieren ein Mitspracherecht bei der Entwicklung des Netzwerks. So kann zum Beispiel jeder Teilnehmer seine Netzwerktoken verkaufen, wenn er nicht zufrieden ist, und sogar die Codebasis des Netzwerks kopieren (eine Fork), um ein Konkurrenznetzwerk zu erschaffen.

Anders als die zentrale Plattform, kann eine Blockchain also nicht von heute auf morgen ihre Nutzer vor den Kopf stoßen. Selbst wenn es technisch möglich wäre, dass eine Handvoll profitorientierter Entscheider undemokratisch Veränderungen am Protokoll vornähme, könnte der Rest der Gemeinschaft den Code forken. Ohne signifikante Entwickler-Gemeinschaft und kontinuierlicher Innovation würde der Wert der „alten“ Blockchain schnell sinken.

Des Weiteren bedeuten Krypto-Netzwerke eine Revolution für die Finanzierung von Open-Source-Software. So ging vor einiger Zeit ein Schrecken durch die Internet-Gemeinschaft, als publik wurde, dass gerade mal ein Entwickler Vollzeit beschäftigt an der Instandhaltung eines kritischen und wartungsbedürftigen Internet-Infrastrukturprojekts arbeitete. Vinton Cerf, Erfinder des Internets, meldete sich jüngst in einem Interview zu Wort und warnte, dass das Internet noch sehr weit weg von der Ursprungsvision sei und mehr Grundlagenforschung bedürfe.

Im Blockchain-Bereich haben die Netzwerkteilnehmer ein finanzielles Interesse, langfristig sowohl Infrastruktur als auch Applikationsprojekte zu finanzieren, um den Wert von Token zu steigern. Diese Interessenlage bei öffentlichen Infrastrukturprojekten hat es noch nie gegeben und wird zu einer noch nie gesehenen Wertentwicklung von Protokollen führen.

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