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Blockchain-Technologie: Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit nach wie vor groß

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Quelle: Shutterstock

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Die Blockchain-Technologie hält einer evidenzbasierten Untersuchung über den tatsächlichen Nutzen nicht stand. Wie eine neue Studie zeigt, klafft ein veritables Loch zwischen Verheißung und Realität, wenn es um konkrete Anwendungsfälle für die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) geht. Dies geht aus einer Studie hervor, die merltech.org am 1. Dezember veröffentlichte.

MERL, das steht für Monitoring (Kontrolle), Evaluation (Beurteilung), Research (Forschung) und Learning (Erkenntnis), ist eine evidenzbasierte Heuristik, das Potenzial von technologischen Innovationen realistisch einzuschätzen. Die Autoren John Burg, Christine Murphy und Jean Paul Pétraud haben erstmals die Blockchain-Technologie einer solchen Untersuchung unterzogen. Dabei testeten die Autoren die Technologie nach dem MERL-Verfahren auf Herz und Nieren. Man muss es sagen: Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Eine evidenzbasierte Prüfung der Anwendbarkeit

Was ist die Blockchain? Wie funktioniert sie? Wo ist eine Anwendung sinnvoll? Die Liste der Fragen, die sich Unternehmen stellen sollten, wenn sie über die Implementierung einer Blockchain nachdenken, lässt sich beliebig erweitern.

Wie die Autoren der Studie „Blockchain for International Development: Using a Learning Agenda to Address Knowledge Gaps“ allerdings konstatieren müssen, scheinen sich nicht allzu viele Unternehmen um derlei Grundsatzfragen zu scheren. Hype siegte häufig über Ratio.


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Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, sind die Autoren folgendermaßen vorgegangen: Exemplarisch identifizierten sie 43 mögliche Blockchain-Anwendungsfälle und Verheißungen wie „Kostenreduktion“, „Datensicherung“ und „verbesserte Sicherheitsinfrastruktur“. Dem Bericht zufolge war dies der einfache Teil des MERL-Tests.

Schwierig wurde es indes, als die Autoren versuchten, den möglichen Anwendungen tatsächliche Implementierungen gegenüberzustellen. Um es konkret zu machen: Burg et al. fanden keinen einzigen Fall, bei dem die Unternehmen die Versprechungen der White Paper – Stand jetzt – einlösen konnten.

Dies bedeute zwar nicht, dass kein Produkt live ging; allerdings blieb die versprochene Disruption in allen untersuchten Fällen aus.

Practice what you preach

Auch in Sachen Transparenz stellen die Autoren der Branche kein rühmliches Zeugnis aus:

„Trotz all des Hypes darüber, wie Blockchain Transparenz in Prozesse und Abläufe in Umgebungen mit geringem Vertrauen bringt, geriert sich die Branche selbst undurchsichtig“,

heißt es im Bericht.

Kritische Folge dieser intransparenten Informationspolitik sei auch eine mangelnde Kooperation zwischen den Blockchain-Unternehmen:

„Blockchain-Unternehmen, die Prototypen entwickeln, halten nicht, was sie selbst predigen – Verbesserung der Transparenz –, indem sie keine Daten und Erfahrungen darüber austauschen, was funktioniert, was nicht funktioniert und warum.“

Dies führe dazu, dass sich vermeidbare Fehlschläge wiederholen.

Was tun?

Der MERL-Ansatz, so die Autoren, könnte indes Abhilfe schaffen. Dafür identifizieren sie selbstkritische Fragestellungen, denen sich die Projektleiter während des Entwicklungsprozesses stellen sollten. Durch dieses evidenzbasierte Verfahren können die Entwickler frühzeitig erkennen, ob ein Projekt aussichtsreich erscheint oder nicht. Darunter sind Kontrollfragen wie:

  • Was gewinnt das Unternehmen durch die Implementierung von DLT?
  • Gibt es nicht günstigere Möglichkeiten, für bessere Transparenz zu sorgen?
  • Lässt sich das System auf andere Unternehmensbereiche übertragen?

Adieu Blockchain Washing

Der Hype ist vorüber. Während es im letzten Jahr noch Unternehmen gab, die ihren Aktienkurs vervielfachen konnten, indem sie sich mit dem Wort „Blockchain“ schmückten, ist im Umgang mit der Technologie dieser Tage eine gewisse Ratio auszumachen.

Dem Gartner Hype Cycle zufolge war eine Entwicklung, wie sie Autoren der Studie beobachten, zu erwarten. Demnach folgt im Zuge der Etablierung neuer Technologien auf Hype immer Enttäuschung. Anschließend, so Gartner, setzen sich aber diejenigen Unternehmen am Markt fest, die einen wirklichen Mehrwert bieten. Diese Phase steht jetzt bevor.

Solange ein Großteil der projektierten Blockchain-Anwendungen im Sande verläuft, muss es aber weiter heißen: Bitcoin, nicht Blockchain.

BTC-ECHO


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